Juni 2020

Kinderbuchtipps im Juni

 

Ab sofort stellen wir an dieser Stelle jeden Monat drei neue und besonders lesenswerte Kinderbücher für kleine Leser im Kita-Alter vor. Im Juni wird es musikalisch, Conni macht in Zeiten von Corona Mut und ein Wimmelbuch entführt in die Welt der Dinosaurier. 

 

Cottonbro Pixels
Hier spielt die Musik. Das Orchester und seine Instrumente

Willkommen in der Welt der Töne! Dieses detailverliebte Sachbuch "Hier spielt die Musik. Das Orchester und seine Instrumente" lässt Kinder in die fantastische Welt der Instrumente und Klänge eintauchen, wunderbar in Szene gesetzt vom preisgekrönten Illustrator David Doran. Welche Instrumente gehören zu einem Orchester und wie ist es eigentlich angeordnet? Wie unterscheiden sich einzelne Musikinstrumente voneinander? Wie komponiert man? Auf diese und viele weitere Fragen bekommen Kinder ab sechs Jahren hier eine Antwort. Dazu lernen sie berühmte Komponisten und Konzerthäuser kennen, werfen einen Blick auf das Notensystem und erfahren mehr über Filmmusik, Opern und Musicals. Das macht Lust gleich selbst loszulegen: Tipps zum Erlernen eines eigenen Instruments schließen diesen Ausflug in die Welt der Musik ab.

Avalon Nuovo (Text), David Doran (Illustration): Hier spielt die Musik. Das Orchester und seine Instrumente. Ab 6 Jahre. 80 Seiten, Preis: 18 Euro ISBN 978-3-95728-376-4 

 

Conni macht Mut in Zeiten von Corona

Conni geht es gerade wie ganz vielen Kindern überall auf der Welt: Sie geht nicht in den Kindergarten, kann ihre Freunde und Freundinnen nicht treffen und darf nicht mit ihnen auf dem Spielplatz herumtoben. Schuld daran ist ein Virus namens Corona, erklären ihr Mama und Papa. Was genau es damit auf sich hat, wie man sich vor Ansteckung schützen kann und weshalb so viele Menschen jetzt Masken als Mundschutz tragen – das erklärt die Lesemaus „Conni macht Mut in Zeiten von Corona“ auf anschauliche Art und Weise.   

Liane Schneider: „Conni macht Mut in Zeiten von Corona“ Mit Illustrationen von Janina Görrissen. Ab 3 Jahren, 24 Seiten ISBN 978-3-551-08015-8 Preis: 3,99 Euro.

 

Dinosaurier Wimmelbuch

Im großen Dinosaurier-Wimmelbuch finden Kinder viele ihrer Lieblingsdinosaurier! Man kann die fortlaufenden Geschichten der Dinos und Dinokinder verfolgen und sie auf jeder Seite auf ein neues Suchen. Auf der letzten Doppelseite finden die kleinen Dinofans dann auch noch eine Übersicht mit allen Namen der Dinosaurier aus dem Buch.

Max Walther: Dinosaurier Wimmelbuch. Wimmelbuch Verlag. 14 Seiten. Ab 3 Jahre. ISBN-13: 9783947188918 Preis: 9,95 Euro.

Gastbeitrag: Musikalische Vielfalt in der Kita

Photo by Jelleke Vanooteghem on Unsplash

Von Rock-Entchen und fiebernden Bibern

Das Ziel des folgenden Artikels ist ein Plädoyer für eine Stärkung des Selbstwertgefühls der Erzieher*innen hinsichtlich des vielfältigen Einsatzes von Musik in der Kita. Darüber hinaus werden mögliche Veränderungen des Berufsbilds in den Blick genommen. Dieser Text soll Erzieher*innen Mut machen, ‚mehr‘ in der Kita zu musizieren, auch wenn sie glauben, dass sie das nicht können oder dazu nicht genug/richtig ausgebildet sind …

Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf das Buch Musik in der Kita (Oberhaus 2020); Teile davon sind auch unter bestimmten Schwerpunkten in Einzelveröffentlichungen publiziert worden; zum Teil auch online (Oberhaus & Eller 2018). Während dort zwei Projekte zur Zusammenarbeit mit Erzieher*innen und Künstler*innen ausgewertet wurden, soll hier als persönlicher Erfahrungsbericht dargestellt werden, wie es zu diesen Forschungen kam. Ich schreibe – wie der Kinderzeit-Redakteur Birk Grüling – als ‚schreibender Papa‘ und bin mir der besonderen Bedeutung dieser Doppelrolle (hoffentlich) voll bewusst… Die Darstellung erfolgt daher aus der Ich-Perspektive.

Erfahrungsbericht zum Stellenwert von Musik in der Kita

Ich glaube es mag Anfang 2012 gewesen sein, als ich meine beiden Kinder von der Kita abholte. Dort hörte ich, wie mehrere Kinder zu der Musik We will rock You (Queen) zum Text von Alle meine Entchen sangen. Im Kita-Raum sah ich begeistere Kinder und auch eine Erzieherin, die mit den Händen auf den Knien den Rhythmus mit einigen Kids einübte. Auf den ersten Blick dachte ich: alles o.k., die Kinder singen (zu einem deutschen) Text, verbinden Musik und Bewegung und haben Freude an der Musik. Als ausgebildeter Musiklehrer (allerdings für die Sekundarstufe I/II) war ich dennoch irritiert über diese ungewöhnliche Musik/Text-Kombination, da diese nicht unbedingt mit meinen Erwartungen übereinstimmte, die ich im Rahmen meines Studiums kennengelernt habe. Bei meiner Recherche zu Hause bin ich dann darauf gestoßen, dass es sich nicht um eine spontane Idee der Erzieherin handelte, sondern der Song von Frank und seinen Freunden stammt, der mit Rockentchen (We will rock you) bekannt geworden ist.

Im Anschluss an dieses Erlebnis erfolgten dann Gespräche mit mehreren Erzieherinnen, die mir zunächst von ihren Erfahrungen berichteten und zudem auf den geringen Stellenwert von Musik in ihrer Ausbildung hinwiesen. Dabei hatte ich auch Gelegenheit das Instrumentarium in der Kita anzuschauen und war entsetzt, dass dort kaum (funktionierende) Instrumente vor Ort waren; selbst die Möglichkeit CDs abzuspielen, war nicht gegeben.

Einige Monate später wurde ich zur Kita-Abschlussfeier vor den Sommerferien eingeladen. In der gefüllten Turnhalle standen zahlreiche Eltern, die fast alle ihr Handy in die Luft hielten, um ihre Kinder bei der Aufführung von Liedern zu filmen. Allerdings war das Lied (Meine Biber haben Fieber) kaum zu erkennen: Die Kinder grölten.

Mein letztes Erlebnis steht in Bezug zur Bildungspolitik. In den letzten Jahren wurde im Wahlkampf der hohe Stellenwert frühkindlicher Bildung hervorgehoben und es gab parteipolitische Stellungnahmen, die forderten, dass die berufliche Situation von Erzieherinnen verbessert werden muss. Dabei wurde auch auf die Bedeutung künstlerischer Fächer verwiesen. Solche bildungspolitischen Themen wirken sich auch auf die Wissenschaft in Form von Forschungsprojekten aus, in denen dann eine Untersuchung zum Stand von z. B. „Musik in der Kita“ durchgeführt wird. Vor diesem Hintergrund ergab sich dann – mehr oder weniger zufällig – die Möglichkeit, zusammen mit dem Landesverband Niedersächsischer Musikschulen zwei Projekte zu konzipieren, durchzuführen und auszuwerten, in denen Erzieher*innen mit Musiker*innen zusammengearbeitet haben. Hieraus ist dann das oben erwähnte Buch Musik in der Kita entstanden.

Auf dem ersten Blick klingen diese Ausführengen vielleicht besserwisserisch, abwertend und zu negativ. Ich möchte an dieser Stelle überhaupt gar nicht über die Situation der Ausbildung von Erzieher*innen klagen. Dazu gibt es bereits zahlreiche Studien. Vielmehr ist es wichtig, sich über ambivalente oder widersprüchliche Haltungen bewusst zu werden, die ‚in die Kita‘ hineinprojiziert werden, insbesondere dann, wenn es um Musik und Kinder geht. Ich möchte daher nun in einem nächsten Schritt diese eher biographischen Erfahrungen aus wissenschaftlicher Sicht kommentieren.

Wissenschaftliche Zusammenhänge und Begründungen

Geringer Stellenwert von Musik in der Erzieher*innenausbildung – Boom von Musik-Weiterbildungen

Das Fach Musik spielt in der Ausbildung der Erzieher*innen eine untergeordnete Rolle (Janssen 2011). In den Curricula und Modulen nimmt das Fach Musik keinen Raum ein. Es steht oft im Kontext unklarer übergeordneter Begriffe, wie ‚Musisch-rhythmisches Gestalten‘. Konkrete musikbezogene Vermittlungsweisen in der Ausbildung sind wenig bis gar nicht vorhanden, so dass die Absolvent*innen unzureichend auf die musikpädagogische Praxis in der Kita vorbereitet sind, zumal das Erlernen eines Instruments „nur teilweise bis eher gar nicht im Lehrangebot verankert“ (Brinker et al. 2010, 9) ist und es unklar bleibt, wer diese Module unterrichtet. Anstatt die Ausbildung der Erzieher*innen zu reformieren, haben in den letzten Jahren Weiterqualifizierungen für frühpädagogische Fachkräfte zunehmend an Bedeutung gewonnen. So sinnvoll das Angebot auch sein mag, darf nicht vergessen werden, dass nur diejenigen Erzieherinnen eine Fortbildung besuchen, die eine Affinität zur Musik besitzen und grundlegende Fähigkeiten bereits mitbringen (Oberhaus & Nonte 2016).

Musikunterricht in der Kita findet oftmals in Kooperation mit Musikschulen statt. Dabei ist die so genannten Elementare Musikpädagogik (EMP) zuständig für die Musikalisierung der Kinder. Es gibt aber nur sehr wenige ausgebildete EMP-Lehrkräfte, so dass der große Bedarf seitens der Erzieherinnen nicht gedeckt werden kann. Folglich unterrichten in der Kita oftmals Autodidakten oder Instrumentallehrkräfte, die wenig Kenntnisse im Umgang mit der Kinderstimme besitzen.

Stellenwert von Musik in der Kita

Auch wenn in der Kita fast täglich gesungen wird, fehlen ein fundierter Umgang mit der Stimme und regelmäßige Gesangsangebote, die über besondere Anlässe (Geburtstag, Abschlussfeier) hinausweisen. Einige Studien verdeutlichen, dass in der Praxis potenziell schädliche und ungesunde Umgangsweisen vermittelt werden (Brünger 2003). Hierzu gehören das zu tiefe Singen in der Bruststimme mit zu viel Druck. Ein Grund für die falsche bzw. fehlende Vermittlungspraxis liegt neben der geringen technischen Stimmtechnik auch an der Dominanz bestimmter Gesangspraktiken in der Populären Musik (hohes Singen in der Bruststimme v.a. bei Frauen). Potenzielle Folge sind schlimmstenfalls Fehlentwicklungen der Kinderstimme und ein atypischer Stimmklang (Heiserkeit zwischen 46-65% bei 4 bis 6-Jährigen, die nur 22% der Eltern aufgefallen ist). Hinzu kommt, dass durch familiäre Veränderungen sich der Tonumfang gravierend verkürzt und das Repertoire verändert hat (auch durch Liedermacher wie z.B. Rolf Zuckowski). Singen und Musizieren „als erste Stufe zur Heranführung an die Musik“ (Goppel 2014, 6) sind in Familien nicht mehr selbstverständlich.

Transfereffekte

Auffallend widersprüchlich zur Geringschätzung des Faches Musik in der Ausbildung und zum Stellenwert in der Familie wird in bildungspolitischen Programmen und wissenschaftlichen Studien auf die immense Bedeutung musikalischer Bildung abgehoben. Das betrifft insbesondere die Wirkungen, die mit der ‚Kraft der Musik‘ in Verbindung stehen. Diese so genannten Transfereffekte beziehen sich auf die verbesserte kognitive Entwicklung, Sprachentwicklung, Sozialverhalten und emotionale Kompetenzen (Gruhn & Rauscher 2007). Aufgrund anderer Einflussfaktoren sind die Zusammenhänge allerdings nicht ganz sicher nachweisbar. Zudem erscheint es bedenklich, dass der Stellenwert von Musik in der Kita weniger über die Musik selbst (als Bildungsgut), sondern über außermusikalische Aspekte begründet wird (v.a. Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung). Problematisch sind über die parteipolitische Funktionalisierung der frühkindlichen (musikalischen) Bildung auch weitreichende kommerzielle Werbekampagnen, wie z.B. das Projekt Klasse wir singen, das großzügig von der Firma Rossmann unterstützt wird. Auch hier geht es um Prestige und Werbung, da mit singenden Kindern viel Aufmerksamkeit erreicht wird.

Singende Kinder

In diesem Kontext muss auch berücksichtigt werden, dass oftmals vom ‚spielenden Kind‘ aus argumentiert bzw. mit dieser Metapher gearbeitet wird. Hintergrund ist, dass der Begriff Kind für etwas Natürliches und Heiliges steht, das sich im Spiel selbst vergisst. Diese Idealisierung der kindlichen Unschuld und der Drang des Kleinkindes zur Selbstentfaltung ist eine romantische Leitidee der Pädagogik des 18. Jahrhunderts und findet sich in der Literatur zum kindlichen Lernen (Schiller, Rousseau). Dieser Kindbegriff hält sich bis heute und hat wiederum großen Einfluss darauf, wie Musik überhaupt in der Kita vermittelt werden soll. Der Lernvorgang soll ‚kindgerecht‘ erfolgen, so dass Kinder als entdeckende Forscher aktiv sind, um explorativ am Material zu lernen (z.B. Musik mit Alltagsgegenständen, Tanzen mit Tüchern, Singen mit Bewegungsgesten). Die Behutsamkeit des Umgangsmit Kindern hat zur Folge, dass Musik in der Kita als ‚Schonraum‘ eingesetzt wird und auf bestimmte ‚Mythen‘ zurückgreift, wozu insbesondere die Begriffe ganzheitlich, kreativ, elementar und kindgemäß zählen. Die oben beschriebene Aufführung mit den grölenden Kindern verdeutlicht, dass das Event nicht nur dazu da ist, die Musik zu hören. Es geht vielmehr um ‚Kinder auf der Bühne‘, die Erwachsenen etwas auf der Bühne (musikalisch) präsentieren.

… was daraus folgt

Wie bereits oben angeführt, ist es aufgrund der Ausgangsbedingungen sehr schwer etwas zu verändern, da die einzelnen Strukturen sehr festgefahren sind. Es fühlt sich auch niemand konkret für ‚Musik in der Kita‘ verantwortlich, da alle Beteiligten den schlechten Zustand implizit akzeptieren und der Musikunterricht immer noch für viele erst in der Grundschule beginnt. Bei meinen Anfragen auch beim Ministerium bin ich letztlich vor verschlossenen Türen gelandet oder wurde an diejenigen Personen weitergeleitet, mit denen ich bereits in Kontakt stand. Ein Teufelskreis …

Zwei Wege zum ‚Umdenken‘

Ein aus meiner Sicht erster wichtiger Schritt ‚raus aus dem Teufelskreis‘ könnte durch eine veränderte Selbstwahrnehmung und Selbsthaltung der Erzieherinnen erreicht werden. In zahlreichen Interviews haben mir Erzieher*innen zu Beginn mitgeteilt, dass sie nur geringe Vorerfahrungen mit Musik besitzen und nicht musizieren können. Je intensiver diese Personen dann im Verlauf von ihrer Praxis berichteten, wurde deutlich, dass sie ‚für Musik brennen‘ und leidenschaftlich Musik vermitteln. Die negativen Selbstbeschreibungen stimmen also nicht mit dem tatsächlichen musikalischen Stärken überein. In dem oben angeführten Projekt, in dem Erzieher*innen mit Musiker*innen zusammengearbeitet haben, wurde deutlich, dass sich in der Zusammenarbeit die Haltung und die eigene Sichtweise auf den eigenen Beruf verändert. Erzieher*innen wurden v.a. wegen ihrer Spontaneität und Fähigkeit zur Improvisation (seitens der Musiker*innen) geschätzt.

Zweitens sollte überlegt werden, ob nicht durch den gesellschaftlichen Wandel, der auch die Welt der Kinder betrifft, alternative Musikangebote denkbar wären, die über das thematische Spektrum der EMP hinausweisen und einen weiten Musikbegriff aufgreifen, der auch die Vielfalt der Menschen bzw. Kindheiten (im Plural) mit berücksichtigt. Ziel wäre die Überwindung des oben beschriebenen Schonraums in der Kita und die Etablierung übergeordneter Projekte mit Kunst- und Kulturschaffenden. So wäre es auch möglich, mit Ipads zu musizieren oder eine/n Komponisten/Komponistin in die Kita einzubinden.

Persönliches Fazit …

Es ist wahrscheinlich, dass auch diese ‚Klage‘ – die gar keine sein soll – im Raum verhallt, ohne dass sich etwas verändert. Tragisch an der gesamten komplexen Situation erscheint, dass viele Beteiligten die schlechte Musikausbildung der Erzieher*innen akzeptieren und es um übergeordnete Diskurse geht, die abseits der Musik geführt werden. Provokanter formuliert: es gibt spezifische Interessen, die von der schlechten Ausbildungssituation der Erzieher*innen bzw. von der maroden Situation von Musik an der Kita profitieren, zumal auf bestimmte Wertkonzepte angespielt wird, die sich nicht leicht ‚aus den Köpfen‘ vertreiben lassen.

Über den Autor

Lars Oberhaus studierte Musik und Philosophie in Detmold und Paderborn. Nach Referendariat und Schuldienst war er als Juniorprofessor für Musik und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten tätig. Seit 2012 ist er Professor für Musikpädagogik am Institut für Musik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Literatur

Brünger, Peter (2003): Singen im Kindergarten. Eine Untersuchung unter bayerischen und niedersächsischen Kindergartenfachkräften, Augsburg: Wißner.

Brinker, Patricia; Cloos, Peter; Oehlmann, Sylvia (2010): Musikalische Bildung in der Qualifizierung fürKindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen. Kurzdarstellungen der Ergebnisse http://www.miz.org/downloads/dokumente/559/studie_bertelsmann_kindertages-einrichtungen.pdf (14.11.2018).

Goppel, Thomas (2014): Vorwort des Bayrischen Musikrats, in: Michael Dartsch (Hg.): Musik im Vorschulalter. Dokumentation Arbeitstagung 2013, Kassel: Bosse, S. 6-7.

Gruhn, Wilfried; Rauscher Frances H. (2007) (Hg.): Neurosciences in Music Pedagogy, New York: Nova Science.

Heye, Andreas; Forge, Stephanie; Peters, Corinna; Gembris, Heiner (2015): Evaluation des Projekts Musik im Kita-Alltag (MiKA). Abschlussbericht. Bertelsmann Stiftung. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/MIKA_Evaluation_ Weiterbildung_2015_final_kurz.pdf. (14.02.2018).

Janssen, Rolf (2011): Die Ausbildung Frühpädagogischer Fachkräfte an Berufsfachschulen und Fachschulen. Eine Analyse im Ländervergleich. München: WiFF.

Oberhaus, Lars; Nonte, Sonja (2016): Inklusion in der frühkindlichen musikalischen Bildung. Kooperationspotenziale zwischen Erzieherinnen und musikpädagogischen Fachkräften in der Kita, in: Anne Niessen und Jens Knigge (Hg.): Musikpädagogik und Erziehungswissenschaft, Münster: Waxmann, S. 73-88.

Oberhaus, Lars, Eller, Ragnhild (2018): Verschleierte Blicke durch rosarote Brillen. Berufs- bezogene Rollenzuschreibungen in einer berufsfelderweiternden Qualifizierung zur Zusammenarbeit von Musiker-Erzieher-Tandems in der Kita, in: Kulturelle Bildung Online https://www.kubi-online.de/artikel/verschleierte-blicke-durch-rosarote-brillen- berufsbezogene-rollenzuschreibungen-einer (10.11.2018)

 Oberhaus, Lars (2020). Musil der Kita – inklusiv und kooperativ. Evaluation von Tandemarbeit im Bereich frühkindlicher musikalischer Bildung, Münster: Waxmann

Ran an die Pulle – Trinken für Kids!

Toben und spielen macht durstig. Das ist auch gut so, denn so gibt unser Körper uns das Signal, den Flüssigkeitstank wieder aufzufüllen. Im besten Fall sollten wir etwas trinken, bevor wir Durst bekommen. Dann ist der Körper noch besser mit Flüssigkeit versorgt. Zwar sind Getränke die wichtigste Quelle für die tägliche Wasserzufuhr, ein Teil der benötigten Flüssigkeit wird aber auch über feste Nahrung aufgenommen. Beispielsweise enthalten Wassermelonen oder Gurken mit mehr als 90 Prozent Flüssigkeit, wie praktisch alle Obst- und Gemüsesorten, relativ viel Wasser. Leichter Wassermangel kann Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel, Müdigkeit und Kopfschmerzen zur Folge haben. Deshalb sollten Kinder nicht erst nach dem Toben und Spielen etwas trinken, sondern bereits davor und währenddessen zur Wasserflasche greifen.

Gesunde Getränke für Kinder

Die besten Durstlöscher für Kinder sind Wasser und Mineralwasser. Falls Sie etwas Geschmack ins Spiel bringen möchten, eignen sich auch ungesüßte Früchte- und Kräutertees. Außerdem lieben Kinder leckere Fruchtsäfte. Diese versorgen uns zwar auch mit wertvollen Nährstoffen, enthalten allerdings Kalorien in Form von Fruchtzucker. Eine kalorienärmere Alternative zu Fruchtsäften sind Schorlen mit Fruchtsaft. Einfach den Lieblingssaft des Kindes mit Mineralwasser mischen (im Mischverhältnis zu ¼ Saft und ¾ Wasser). Ob Mineralwasser, Früchte- und Kräutertees oder ab und zu eine Fruchtsaftschorle: durch etwas Abwechslung zwischen den Getränken bleibt die Lust am Trinken erhalten.

So wird das Trinken nicht vergessen

Bieten Sie den Sprösslingen zu jeder Mahlzeit Getränke an. Außerdem ist es hilfreich, die Kleinen immer wieder zwischendurch ans Trinken zu erinnern und bei gemeinsamen Ausflügen oder beim Sport Trinkpausen einzulegen. Auch beim Trinken gilt: Kinder wollen Freiheiten. Das geht am besten, wenn jedes Kind für unterwegs, im Kindergarten und in der Schule seine eigene Trinkflasche hat.

Haus der kleinen Forscher: So können wir Leises laut hören

Christoph Wehrer/ Stiftung Haus der kleinen Forscher

 

Kinder sind umgeben von akustischen Phänomenen: Morgens klingelt der Wecker, beim Frühstück läuft das Radio, auf dem Weg zur Kita oder Schule hören die Mädchen und Jungen unterschiedlichste Geräusche im Straßenverkehr oder lauschen dem Vogelzwitschern, im Morgenkreis wird gesungen, beim Aufstehen rutschen die Stühle laut über den Boden – überall sind nicht nur Dinge zu sehen, sondern auch zu hören. Sie klingen alle unterschiedlich, sind mal laut, mal leise, rufen angenehme Gefühle hervor oder signalisieren Gefahr. Das Entdecken und Erforschen von Klängen und Geräuschen ermöglicht Kindern ein eng an ihre täglichen Erfahrungen geknüpftes Lernen. Eine tolle Forscheridee dazu liefert die Stiftung "Haus der kleinen Forscher".

Experiment: So können wir Leises laut hören

Es gibt viele Geräusche, die wir kaum oder gar nicht hören. Gibt es Möglichkeiten, diese Geräusche zu verstärken, damit wir sie hören bzw. besser hören können?

Material:
  • Pappröhren, z.B. vom Küchen- oder Toilettenpapier
  • Garten- oder Waschmaschinenschlauch
  • Pappe und Klebeband
  • Gummiringe
  • leere Margarine- oder Eiscremedosen
So geht's:

Greifen Sie den Alltagsbezug auf

Wenn wir z. B. im Winter eine Mütze tragen, hören sich Geräusche dumpfer an. Fallen dann noch Schneeflocken und ist die Erde mit Schnee bedeckt, erscheint alles noch leiser. Umgekehrt möchte man manche Geräusche auch gerne lauter hören, z. B. Musik.

Hören große Ohren besser?

Der Wolf bei Rotkäppchen meinte: Mit großen Ohren kann man besser hören! Haben große Ohren tatsächlich Vorteile? Probieren Sie es mit den Kindern aus. Hinter die Ohrmuschel gelegte Hände vergrößern die Empfangsfläche für die auftreffenden Geräusche. Wie viel weiter ist so das Flüstern eines Kinds noch zu hören? Auch ein Stück Pappe, das wie ein Trichter geformt ist, vergrößert unsere Ohren und lässt sich als Hörrohr verwenden. Sprechen die Kinder hinein, entsteht daraus ein Megafon und die Stimme klingt viel lauter.

Herzklopfen und Dosengitarre

Mit einer Pappröhre oder einem Schlauch lassen sich auch Geräusche hören, die man sonst nicht wahrnimmt. Die Kinder können sich damit beispielsweise gegenseitig die Herztöne oder Bauchgeräusche abhorchen. Ähnlich funktioniert auch die Dosengitarre. Lassen Sie die Kinder verschiedene Gummiringe zwischen Daumen und Zeigefinger spannen. Alle zupfen am Gummi und lauschen den Geräuschen. Ist etwas zu hören? Wie verändert sich die Lautstärke, nachdem das Gummi über eine leere Margarinedose oder Ähnliches gespannt wurde?

Wissenswertes für Erwachsene

Schall breitet sich in alle Richtungen aus. Je mehr Fläche wir zur Aufnahme des Schalls bieten, z. B. mit einem Trichter, desto mehr können wir davon einfangen. Deshalb ist unsere Ohrmuschel so kompliziert aufgebaut. Die Luft in einem Hohlkörper wird von der Schallquelle in unmittelbarer Nähe zum Mitschwingen angeregt und verstärkt das Geräusch (wie z. B. bei einer Gitarre). Das funktioniert nicht nur mit Luft, sondern auch mit Feststoffen: So klingt eine tickende Armbanduhr viel lauter, wenn man sie auf den Tisch legt und dieser mitschwingt.

Weitere Forscherideen zum Thema „Klänge und Geräusche“ von der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ gibt es auf der Website.

Die Lernspiele „Kais Flaschenorchester“ und „Pablos Tonstudio“ für 6- bis 10-jährige Kinder finden Sie auf www.meine-forscherwelt.de.

Über die Stiftung "Haus der kleinen Forscher"

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich für gute frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) – mit dem Ziel, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Partner der Stiftung sind die Helmholtz-Gemeinschaft, die Siemens Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung und die Deutsche Telekom Stiftung. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Basteltipp: Walnusstrommel

Frech Verlag

Wir basteln eine Wallnusstrommel

Gerade im Sommer bieten sich Ausflüge in die Natur an. Dabei kann man gemeinsam tolle Dinge sammeln, aus denen später Spielzeug oder sogar Musikinstrumente gebastelt werden können. Zum Beispiel eine„Walnusstrommel“. Dafür brauchen wir nur eine Walnusshälfte, ein Streichholz und ein Gummiband. 

Anleitung

Für die Nusstrommel wird die Hälfte einer Walnussschale am breiten Ende und an den Seiten mit einem Taschenmesser eingekerbt. Du schnitzt also vier Einkerbungen.

Binde ein Gummi darum, fixiere es in den Einkerbungen, stecke ein Stäbchen unter dem Gummi durch, in die beiden anderen Einkerbungen und dreht es solange um sich selbst, bis es richtig stramm gespannt ist.

Probiere aus, welche Töne du durch das Anheben und Loslassen des Stäbchens ertönen lassen kannst.

Buchtipp: Komm, wir gehen in den Wald

Mit diesem Natur-Bastelbuch für Kinder ab 3 Jahren, können auch die ganz Kleinen schon tolle Dinge im Wald erleben. In „Komm, wir gehen in den Wald“ enthalten sind schnelle und einfache Bastel-, Wahrnehmungs- und Beschäftigungsideen, um spielerisch den Wald und seine Bewohner in jeder Jahreszeit zu erkunden. Der Kreativität der Kinder sind keine Grenzen gesetzt. Egal ob Schnitzen, Basteln, Kochen oder Spielen - Abenteuer im Wald machen einfach Spaß!

Kreativ den Wald entdecken von Julia Hansen. Mit Spielvorlagen zum Download. 128 Seiten, 15,99 Euro. frechverlag ISBN 978-3-7724-8458-2

 

Rassismus für Kinder erklärt: Ein Praxisimpuls der SOS-Kinderdörfer weltweit

obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Giti Carli Moen

 

Am 25. Mai 2020 kam George Floyd, ein Schwarzer Mann, in den USA durch rassistische Gewalt ums Leben - ein Verbrechen, das uns alle angeht. Auch in Deutschland gehen die Menschen seither auf die Straße, um gegen Rassismus zu protestieren. Das zeigt: Auch hierzulande gibt es dringenden Handlungsbedarf. "Wir müssen schon mit unseren Kindern über Rassismus sprechen!", sagt Boris Breyer, stellvertretender Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit. Nur ist das gar nicht so einfach: "Kinder wollen verstehen - aber sie geben sich nicht mit jeder Antwort zufrieden." Deshalb hat die Hilfsorganisation die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst und gibt Tipps, was Eltern und Erzieher:innen tun können, um mit ihren Kindern kompetent über Rassismus zu sprechen.

Mit Kindern über Rassismus sprechen

Was ist Rassismus?

Eine kindgerechte Erklärung könnte so aussehen: "Rassismus bedeutet, dass ich jemanden ablehne, gemein und unfreundlich bin, nur, weil er anders aussieht oder aus einer anderen Kultur kommt. Es spielt dabei keine Rolle, was er tut oder sagt. Ich interessiere mich nicht für seine Meinung oder seine Hobbys, es ist mir auch egal, ob er nett ist oder Humor hat. All das zählt nicht."

Wie äußert sich Rassismus in unserem Alltag?

Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was in unserem Alltag rassistisch ist: Wenn jemand ausgeschlossen wird, weil er anders aussieht. Wenn niemand neben dem dunkelhäutigen Schüler sitzen möchte. Oder wenn einem Menschen anderer Herkunft dazu gratuliert wird, dass er gut Deutsch spricht. Vielleicht ist er ja hier aufgewachsen?

Wer Kindern Rassismus erklären will, muss sich auch selbst hinterfragen

Ein Gespräch mit den Kindern ist immer auch eine Chance, sich selbst auf die Schliche zu kommen und eigene Vorurteile zu entdecken: Bin ich wirklich so offen? Oder gibt es Situationen, in denen ich Andere aufgrund ihrer Kultur oder Hautfarbe beurteile? Die Möglichkeit, dies zu verändern, besteht immer.

Kindern spielerisch begreifbar machen, wie die Welt aussieht

In vielen Kinderbüchern sind alle Jungen und Mädchen hellhäutig und unter den Buntstiften gilt ein blasses Rosa als Hautfarbe. Bringen Sie die Welt ins Kinderzimmer: Hautfarbe kann alles Mögliche sein, rosa, gelbbraun, dunkelbraun. Und jede Kultur hat wunderbare Geschichten zu bieten.

Welche Worte sollten Eltern ihren Kindern erklären?

Begriffliche Unterscheidungen wie "People of Color", "Schwarze Person" oder "farbig" sind für Kinder nicht leicht zu verstehen. Deshalb: Erklären Sie Ihrem Kind, dass es nicht relevant ist, ob ein Mensch "schwarz" oder "weiß" ist. Warum sollte man einen Schwarzen Freund als Schwarzen Freund bezeichnen? Er kann einfach Theo sein, der zum Beispiel super Fußball spielt.

Realistisch sein und nicht aufgeben

Es ist traurig, aber man muss auch realistisch sein: Ihr Kind wird regelmäßig mit Rassismus konfrontiert sein - wenn auch vielleicht nicht am eigenen Leib. Denn Rassismus existiert und wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Er hat eine lange Geschichte und ist tief im System verankert. Alle müssen mitmachen, sonst wird sich langfristig nichts ändern. Nehmen Sie das als Ansporn, um mit Menschen im Umfeld zu reden und sie zu mobilisieren. Die Zauberformel lautet: Rassismus permanent sichtbar machen, aufzeigen und darüber sprechen. Aufstehen, laut sein - Missstände und Diskriminierung zum Thema machen. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es um Verantwortung und Respekt füreinander geht.

Was kann mein Kind gegen Rassismus tun?

Suchen Sie gemeinsam mit ihrem Kind nach Möglichkeiten zu handeln. Sich gegen Rassismus einzusetzen kann bedeuten, dass ich Stellung beziehe, wenn ein Mitschüler anderer Herkunft ausgegrenzt wird. Oder dass ich selbst mehr auf meine Sprache achte. All die kleinen Dinge machen einen Unterschied.

Lebendiges Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung

Die SOS-Kinderdörfer sind vielerorts ein lebendiges Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung: Es gehört zu ihren Grundsätzen, Kinder in Not zu unterstützen, unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Im SOS-Kinderdorf Ksarnaba im Libanon wachsen Sunniten, Schiiten und Christen zusammen auf, in den SOS-Kinderdörfern in Ecuador finden sowohl Nachkommen der Ureinwohner als auch der europäischen Einwanderer ein Zuhause und in Indien freuen sich christliche Kinder, die Feste ihrer Hindu-Freunde mit zu feiern - und umgekehrt.

Alle Kinder sind Matheforscher: Offene mathematische Lernangebote (Teil 3)

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In der Beitragsreihe „Alle Kinder sind Matheforscher“ soll aufgezeigt werden, wie Mathematik im Kindergarten umgesetzt und begleitet werden kann. Dazu haben wir im ersten Beitrag diskutiert, was eigentlich mathematische Vorläuferfähigkeiten sind und wie sie erworben werden können. Im zweiten Artikel wurde der im deutschen Sprachraum noch wenig bekannte Numeracy-Ansatz skizziert und vielfältige Praxisbeispiele sowie Impulse passend dazu aufgelistet. Im heutigen dritten und damit letzten Beitrag sollen als eine Umsetzungsmöglichkeit des Numeracy-Ansatzes „Offene mathematische Lernangebote“ vorgestellt werden. Dazu gibt es einen praktikablen Orientierungsrahmen zur sofortigen Nutzung und einen Vorschlag, wie Sie sofort mit Ihren Kindern zu einer Matheforscher Erkundungstour starten können.

Offene mathematische Lernangebote, wie z.B. innerhalb der Offenen Arbeit, beim Lernen innerhalb von Projekten sowie in (Lern)Werkstätten bzw. bei besonderen Settings wie „Kinder erfinden Mathematik“ (vgl. Lee, 2010) oder beim Einsatz offener mathematischer Spiel- und Lernfelder (vgl. Fuchs, 2015), zeichnen sich neben der fachlichen Orientierung durch eine Orientierung am Kind und seinen Lernprozessen aus. Ihnen liegt ein Verständnis von Mathematik zugrunde, wo Problemlöseprozesse, mathematisches Tätigsein und entdeckendes Lernen im Vordergrund stehen. Eine solche Sichtweise stellt mathematische Aktivitäten in den Mittelpunkt, die den Kindern erlauben, eigene mathematische Konzepte zu konstruieren, zu reflektieren und sich kommunikativ auszutauschen. Sie können Lernbegleiter jedoch  vor enorme fachliche Herausforderungen stellen und  die stetige Reflektion eigener Lernerfahrungen verlangen. Im Folgenden sollen exemplarisch offene mathematische Spiel- und Lernfelder als eine Möglichkeit zur Umsetzung offener Lernangebote vorgestellt werden.

Geeignete Materialien für offene Lernangebote:
  • Bausteine in verschiedenen Formen und Farben
  • Gleiches Material in großer Menge, z.B. je 1000 Eisbecher, Eislöffel, kleine Holzwürfel, 1-Cent-Münzen, … (vgl. K. Lee, 2010)
  • Muggelsteine
  • Geobretter, Tangram, Pentominos
  • gemeinsam gesammelte Knöpfe, Wäscheklammern, Toilettenpapierrollen, Joghurtbecher, Schraubverschlüsse von Tetrapacks, Büroklammern, …
  • Legeplättchen in verschiedenen Formen und Farben (Dreiecke, Vierecke, Kreise)
  • Scheuerschwämme
  • Verpackungsmaterialien
  • Naturmaterialien (Nüsse, Kastanien, Steine, Muscheln, Zapfen, …)
  • Spielwürfel in verschiedenen Ausführungen

 

Zur Spezifik offener Spiel- und Lernfelder

Offene mathematische Spiel- und Lernfelder sind in erster Linie kindorientiert, d.h., dass jedes teilnehmende Kind sich entsprechend seinem individuellen Entwicklungs- und Lernstand sowie seinen speziellen Interessen bei der Bearbeitung eines ausgewählten Rahmenthemas einbringen kann. Von Freispielsituationen grenzen sie sich dahingehend ab, dass Lernbegleiter problemorientierte Aktivitäten zu einem Thema mit vorher bewusst ausgewähltem Material anregen. Idealerweise können die Kinder zwischen verschiedenen offenen Spiel- und Lernfeldern (auch aus anderen offenen Angeboten) wählen. Das Thema selbst sollte durch eine gewisse Komplexität gekennzeichnet sein und Möglichkeiten des bildungsbereichsübergreifenden Lernens bieten. Jedem Kind steht ausreichend Zeit zur individuellen Auseinandersetzung mit dem Material sowie mit eigenen und angeregten Fragestellungen zur Verfügung. Während sich mathematische Lernprozesse in Freispielphasen spontan aus den Handlungen und Ideen der Kinder entwickeln, werden sie in offenen Spiel- und Lernfeldern auf der Grundlage von Beobachtungen durch nicht einengende Anregungen, Impulse oder Problemstellungen initiiert. Solche offenen Lernformen sind durch eine Ausgewogenheit zwischen Lernen auf eigenen Wegen (Selbstbildung, Eigenkonstruktion) und Von- und Miteinanderlernen (soziale Interaktion, Ko-Konstruktion) gekennzeichnet. Der Auswahl geeigneter Materialien mit einem gewissen mathematischen Potential und einem hohen Aufforderungscharakter zum Forschen, Entdecken und Experimentieren kommt hierbei eine besondere Bedeutung.

Merkmale offener Spiel- und Lernfelder:

Bei vorgegebenem thematischen Rahmen, Offenheit bzgl.

  • vielfältiger Ideen und Vorgehensweisen
  • der Kreativität und der Vielfalt möglicher Entdeckungen
  • der Wahl von Hilfsmitteln
  • der Dokumentation und Ergebnispräsentation
  • der Kommunikation
  • der Teilnahme und Verweildauer der Kinder
Offene Spiel- und Lernfelder sollten folgende Merkmale aufweisen:
  1. Eine Offenheit bzgl. vielfältiger Ideen und Vorgehensweisen

Die Kinder haben die Möglichkeit das Thema bzw. das mathematische Problem auf unterschiedliche, auch kreative Weise zu bearbeiten. Mögliche Vorgehensweisen sind z.B. ein intuitives Herantasten, ein ausdauerndes Probieren, ein systematisches Vorgehen oder ein abwechselndes Probieren und Nutzen erkannter Strukturen. Dabei können die Kinder alle drei Repräsentationsebenen individuell nutzen, z.B. auf der enaktiven Ebene mit Material handelnd tätig sein, auf der ikonischen Ebene Bilder zur Visualisierung malen oder auf der formal-symbolischen Ebene mit Zahlen, Formen oder Figuren im Kopf operieren.

  1. Eine Offenheit bzgl. der Kreativität und der Vielfalt möglicher Entdeckungen

Das Thema, das Material oder anregende Impulse der Fachkraft sollten stets die Kreativität der Kinder unterstützen bzw. herausfordern und damit im Zusammenhang vielfältige (mathematische) Entdeckungen ermöglichen. Dies setzt eine offene und wertfreie Haltung der pädagogischen Fachkraft gegenüber den Ideen der Kinder voraus. Die Fachkraft ist herausgefordert, unerwartete Situationen bzgl. origineller Ideen der Kinder (zunächst) auszuhalten und zu einem geeigneten Zeitpunkt zu hinterfragen bzw. selbst darüber zu reflektieren und im Idealfall aufzugreifen und auszubauen.

  1. Eine Offenheit bzgl. der Wahl von Hilfsmitteln

Den Kindern sollten zur Bearbeitung der Thematik verschiede Materialien bzw. Hilfsmittel zur Verfügung stehen, die sie je nach Vorgehensweise bzw. Ideen individuell nutzen können aber nicht müssen. Möglich sind in diesem Zusammenhang die Nutzung unterschiedlicher Medien zur Informationsgewinnung (z.B. Sachbücher, Kindersuchmaschinen im Internet, …) und „Werkzeuge“ zur Informationsverarbeitung.

  1. Eine Offenheit bzgl. der Dokumentation und Ergebnispräsentation

Die Kinder sollten alters- und entwicklungsgemäß verschiedene Anregungen zur Dokumentation und Präsentation ihrer Entdeckungen erhalten, z.B. das Aufmalen oder Abzeichnen und das Fotografieren zum Eintragen in Tabellen, ins Forschertagebuch, ins Portfolio oder Weltentdeckerbuch sowie das Aufbauen von Ausstellungen, das Herstellen von Postern, usw.

  1. Eine Offenheit bzgl. der Kommunikation

Die Fachkraft sollte die Kinder zur Kommunikation untereinander und zur Interaktion miteinander anregen. Dies bietet sich während der Forscherphase aber auch in der Präsentations- und Auswertungsphase an. Hierbei können die Kinderje nach Alter, Entwicklungsstand und Interesse zum Vergleichen, Ordnen, Begründen, Argumentieren und Prüfen angeregt werden.

  1. Eine Offenheit bzgl. der Teilnahme und Verweildauer der Kinder

Die Kinder sollten in der Regel die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob und wie lange sie teilnehmen.

Materialien bzw. Hilfsmittel zum Forschen und Entdecken:
  • vielfältige Messinstrumente (Waagen, Messbecher, Maßbänder, …)
  • Zeichengeräte (Lineale, Schablonen, Zirkel, …)
  • Spiegel
  • Stifte (Bleistifte, Buntstifte, …)
Material zur Erforschung von Zahlenräumen und zum Schätzen
  • Taschenrechner
  • mathematische Spiele
  • Baumaterialien (Pappen, Schachteln, Röhren, …)
  • Nachschlagewerke und Bücher
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Leitideen einer frühen mathematischen Bildung nach dem Numeracy-Ansatz:

Mathematische Spiel- und Lernaktivitäten sollten
  • die Kinder anregen, Mathematik in ihrer Welt und in ihrem Alltag zu entdecken und zu erforschen,
  • die Neugier und Begeisterung der Kinder für Mathematik aufrechterhalten und stärken,
  • den Kindern Möglichkeiten eröffnen stets aktiv, kreativ und kooperativ zu sein,
  • innerhalb anregender mathematischer Lernumgebungen stattfinden,
  • lernmethodische und Problemlösekompetenzen der Kinder stärken,
  • immer als selbstgesteuerte konstruktive Prozesse verstanden werden, die es den Kindern ermöglichen, eigene Ideen und Vorgehensweisen zu realisieren,
  • die individuellen Vorerfahrungen und Interessen der Kinder einbeziehen,
  • die Kinder zum mathematischen Denken und Handeln anregen,
  • die Kinder zur Kommunikation über Mathematik herausfordern,
  • sich an den mathematischen Grundideen orientieren,
  • durch eine ausgewogene Balance zwischen dem Nutzen mathematikhaltiger Alltags- und Spielsituationen und dem Schaffen offener mathematischer Lerngelegenheiten gekennzeichnet sein,
  • mathematische Basiskompetenzen in vielfältiger Weise berücksichtigen und
  • dazu beitragen, die Potentiale und Begabungen aller Kinder, einschließlich kleiner Matheasse zu entfalten und zu fördern.

Fazit

 Alle Kinder sind Matheforscher und im Sinne des beschriebenen Numeracy-Ansatzes sollte die Gestaltung und Begleitung frühkindlicher mathematischer Lernprozesse den Kindern die Gelegenheit geben, in vielen geeigneten Situationen entdeckend und auf ihren eigenen Wegen sowie im Austausch mit anderen Mathematik zu erleben und zu entdecken (vgl. hierzu auch Kasten mit Leitideen einer frühen mathematischen Bildung nach dem Numeracy-Ansatz). Es erscheint hierbei sinnvoll ein adressatenbezogenes und damit individuell geprägtes Verhältnis zwischen dem Nutzen mathematikhaltiger Alltags- und Spielsituationen sowie dem Schaffen offener mathematischer Lerngelegenheiten herzustellen.

Impulse für die Praxis:
  • Bereiten Sie mit Hilfe des nachfolgenden Orientierungsrahmens und auf der Grundlage Ihrer Beobachtungen selbst ein Thema für ein offenes mathematisches Spiel- und Lernfeld vor!
  • Setzen Sie das offene Spiel- und Lernfeld ein und reflektieren Sie es danach gemeinsam im Team!

Formulieren Sie Fragen zur Selbstreflektion, wie z.B.:

  • War ich während des Angebots offen für die Ideen der Kinder?
  • Habe ich die Kinder ko-konstruktiv durch Impulse zur Realisierung eigener Ideen begleitet?
  • Habe ich problemhafte Erkundungsaufträge gestellt und die prozessorientierte Problembearbeitung der Kinder unterstützt?
  • Habe ich die Kinder zur Dokumentation auf individuelle Weise angeregt?
  • Wie und was habe ich beobachtet und dokumentiert und was kann ich daraus schlussfolgern?
  • Was haben die Kinder entdeckt, erforscht und dabei gelernt?
Über die Autorin

Dr. Mandy Fuchs arbeitet als Referentin und Autorin für innovative Bildung und Pädagogik. Sie war viele Jahre selbst im aktiven Schuldienst tätig – zunächst als Grundschullehrerin, später als stellvertretende Schulleiterin. Darüber hinaus war Dr. Mandy Fuchs als Mitarbeiterin und Dozentin in der Lehrerausbildung an der Technischen Universität Braunschweig und der Wilhelmsuniversität Münster tätig, worauf ihre Promotion zum Themenfeld Hochbegabung in der Grundschule aufbaut. Als Inhaberin einer Professur arbeitete die Referentin auch mehrere Jahre im Bereich der frühkindlichen Bildung und Erziehung an der Hochschule Neubrandenburg und bildete dort zukünftige Kindheitspädagogen aus. Zahlreiche Publikationen verfasste sie u.a. zu Themen wie mathematische Begabungen im Kindesalter, frühkindliche Potenzialentfaltung oder Individualität und Kompetenzorientierung bei Kindern.

Hinweise, Feedback und Anregungen gern an: kontakt@mandyfuchs.de

Literaturhinweise und Tipps für weitere Informationen und Materialien zum Thema:

Eine Kita im Acker-Fieber: Mit Kreativität für gesunde Ernährung im Kitaalltag

(c) Ackerdemia

 

Gesunde Ernährung steht ganz oben auf dem Programm des Kinderhorts in Krefeld – seit 2019 bauen sie mit der GemüseAckerdemie ihr eigenes Gemüse an. Wie die Erzieherin Silke Wilms und ihre Kolleg*innen auch die Eltern mit ihren kreativen Ideen begeistern, erfahrt ihr in unserem Kita-Porträt – Basteltipp inklusive!

„Wird auch wieder Rote Bete gepflanzt?“, fragt eins der Kita-Kinder neugierig und reckt seine Nase über den Zaun. In der Städtischen Kindertageseinrichtung am Kinderhort in Krefeld findet heute, Ende Mai, die Pflanzung mit der GemüseAckerdemie statt. Nicht wie sonst gemeinsam mit der Kitagruppe, sondern Corona-konform: Die Kinder aus der Notbetreuung dürfen leider nur vom Zaun aus zuschauen, während das Team der GemüseAckerdemie den Acker mit vielen verschiedenen Gemüsesorten bepflanzt und die Fragen der wissensdurstigen Kinder beantwortet.

Seit 2019 ist der Kinderhort in Krefeld bei dem bundesweiten Bildungsprogramm dabei, und den kleinen Gärtner*innen juckt es schon in den Fingern. Ihre Erzieherin Silke Wilms erinnert sich an die erste gemeinsame Ackersaison: „Die Rote Bete war der Renner bei den Kindern, weil sie die Zunge so schön rot färbt.“ Das Gemüse haben sie häufig als Rohkost direkt frisch vom Acker verspeist – das überzeugte sogar Wilms selbst: Eigentlich war sie nämlich gar kein Fan der farbenfrohen Knollen. Erst der eigene Anbau veränderte den Bezug zu dem Gemüse und mittlerweile isst auch sie die Rote Bete mit ihrem erdigen Geschmack gerne. „Es ist faszinierend, wie viel man selbst dabei lernt!“, freut sie sich.  „Man braucht keine Gartenerfahrung, sondern lernt sozusagen mit den Kindern gemeinsam und wird professionell vom Team der GemüseAckerdemie begleitet.“ Lust mit anzupacken müsse man allerdings haben, denn Arbeit mache so ein Acker natürlich schon.

Gesunde Ernährung im Kitaalltag verankern

Auf die GemüseAckerdemie aufmerksam gemacht wurde die Kitaleiterin Heike Rüther von der Krankenkasse BKK VBU, die die Umsetzung des Programms im Rahmen ihrer Präventionsangebote auch finanziell unterstützt. „Da wir über ein sehr großes Außengelände verfügen und die Themen gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit stärker in der Kita verankern wollten, passte das sehr gut zu uns“, so Rüther. Drei Kolleg*innen waren direkt Feuer und Flamme und los ging´s mit dem eigenen Kita-Acker. Dazu gab es für die Erzieher*innen die GemüseAckerdemie-Fortbildungen und eine Schulung von einer Ernährungsberaterin – seitdem lande beim gemeinsamen Frühstück nun auch oft Rohkost vom Acker auf dem Teller.

Um das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung auch in die Familien zu transportieren, sind laut Erzieherin Silke Wilms die Kinder selbst der Schlüssel: „Sie bringen die Erlebnisse vom Acker mit nach Hause. Sie sind unfassbar stolz auf ihre Gemüsepflanzen und die Ernte. Wir unterstützen, indem wir das Projekt in der Kita sichtbar machen und Aktionen planen.“ So hängen sie zum Beispiel Fotos von den Pflanzungen im Eingangsbereich auf und die Kinder präsentieren dort manchmal auf einem Tisch die Ernte. „Die Eltern kommen ja häufig gar nicht richtig rein, geschweige denn bis auf den Acker.“

Das Gemüse finde auch seinen Weg auch in die Familien: Ab und zu gibt die Kita etwas mit einem passenden Rezept mit nach Hause. „Im letzten Jahr haben wir das mit dem Palmkohl gemacht – den kannte ich selbst noch gar nicht!“, erinnert sich Silke Wilms. Bei der Ernte wurden die Familien ebenfalls aktiv miteinbezogen: Die Kita veranstaltete beispielsweise ein Kartoffelfest, bei dem die Kinder mit ihren Eltern die letzten Kartoffeln aus der Erde buddeln konnten. „Das war ein großer Spaß!“ Insgesamt sei die Resonanz der Eltern sehr positiv. „Sie bringen sich zum Beispiel während der Schließzeiten auf dem Acker ein. Und einige achten mehr darauf, auch gesunde Sachen in die Frühstücksbox ihrer Kinder zu packen“, erzählt die Erzieherin.

Eine Kita im Bastel-Fieber

Wie sehr die Kita im „Acker-Fieber“ ist, zeigt sich auch an ihren kreativen Bastelideen, die in ihrem „Acker-Raum“, dem Multifunktionsraum, zu finden sind: Die Wände zieren Fotos von den Pflanzungen und im Acker-Tagebuch können die Kinder nachschauen, wie die kleinen Pflänzchen zu Beginn der Saison aussahen. Auch ihr „Acker-Schatz“ hat hier seinen Platz: „Beim ersten Umgraben des Ackers ganz zu Anfang haben die Kinder jede Menge schöner Tonscherben und anderer Sachen gefunden. Die haben wir in Gips gegossen und ein Kunstwerk daraus gemacht“, erklärt Silke Wilms.

Die Erzieher*innen haben auch noch etwas ganz Besonderes in petto: selbst gemachte Acker-T-Shirts! „Wenn wir die tragen, dann wissen alle: Jetzt ist Ackerzeit!“ Auch die Kinder sollen für diese AckerSaison welche bekommen und sie selbst bemalen – sobald es die Situation wieder zulässt. Wie genau das funktioniert, erklären wir in unserer heutigen Bastelidee!

 

Basteltipp: T-Shirts selbst bemalen

Was benötigt ihr?

Helle Baumwoll-T-Shirts, Stoffmalfarbe, Borstenpinsel, Pappe, Schere Bügeleisen, ein Motiv eurer Wahl

  • Überlegt euch ein tolles Motiv, das zu eurer Kita passt. Der Kinderhort in Krefeld hat sich für eigene Acker-T-Shirts entschieden, die getragen werden, wenn Ackerzeit ist.
  • Denkt daran ein Stück Pappe zwischen die beiden Stofflagen zu legen, bevor ihr euer Motiv ausmalt, sodass die Farbe nicht durchdrückt.
  • Für die Malaktion mit Kindern kann es helfen, Schablonen aus Pappe zu basteln. Diese müssen so sauber wie möglich ausgeschnitten werden. Damit sie nicht verrutschen, befestigt die Schablonen am besten mit Klebeband an der richtigen Stelle auf dem T-Shirt und malt die Umrisse nach.
  • Vielleicht möchten die Kinder zum Schluss noch ihren Namen auf das T-Shirt schreiben oder eine eigene kleine Idee verwirklichen?
  • Damit eure Kunstwerke auch die Wäsche überstehen, vergesst nicht, sie nach dem Trocknen noch einmal auf linksgedreht zu bügeln. Auf den Acker, fertig los!

 

Ackerdemia e. V. und das Bildungsprogramm GemüseAckerdemie

„Eine Generation, die weiß, was sie isst” – genau so lautet das Ziel des gemeinnützigen Vereins Ackerdemia, der 2020 mit seinem vielfach ausgezeichneten Bildungsprogramm GemüseAckerdemie fast 650 Kitas und Schulen in ganz Deutschland auf den Acker schickt. Innerhalb eines Jahres bauen die Kinder dabei bis zu 30 verschiedene Gemüsearten eigenständig an und lernen alles rund um Natur, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit. Ackerdemia unterstützt Schulen und Kitas mit einem umfangreichen Service bei der Einrichtung, Durchführung und nachhaltigen Etablierung des Bildungsprogramms.

Sie möchten ab dem Sommer gemeinsam mit Ihren Kita-Kindern an der GemüseAckerdemie teilnehmen? Dann melden Sie sich zeitnah unter kita@ackerdemia.de und sichern Sie sich einen der letzten bezuschussten Plätze für dieses Jahr.

www.gemueseackerdemie.de

PINGUIN Kindertagesstätte in Aurich ist Kita des Jahres

DKJS / F. Schmitt und A. Wendler

Die Preisträger des Deutschen Kita-Preises 2020 stehen fest! Über 1.500 Einrichtungen und Initiativen aus der gesamten Bundesrepublik hatten sich um die mit insgesamt 130.000 Euro dotierte Auszeichnung beworben. Am 16. Juni 2020 haben das Bundesfamilienministerium und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit weiteren Partnern die Preisträger in einer digitalen Award-Show bekannt gegeben.

Folgende Kitas und Initiativen werden eine Auszeichnung erhalten: 

Die Preisträger in der Kategorie „Kita des Jahres“ 

Der mit 25.000 Euro dotierte erste Platz in der Kategorie „Kita des Jahres“ geht an die PINGUIN Kindertagesstätte in Aurich. In dieser Kita aus Niedersachsen toben sich die Kinder kreativ aus. Eltern und ortsansässige Firmen sind dabei eine große Hilfe, denn nichts wird mehr in Aurich einfach so weggeworfen. Ob Firmenabfälle wie Schrauben, Draht, Holzreste oder alltägliche Dinge wie Dosen oder Stoffe – zu allem haben die Kinder kreative Verwertungsideen, die auch schon öffentlich ausgestellt wurden. Die PINGUIN Kindertagesstätte hat die Jurorinnen und Juroren besonders überzeugt, weil die Kinder hier ihren eigenen Themen und Interessen folgen und sich in vielfältiger Art und Weise als kompetent und wirksam erfahren können. Die Feinfühligkeit, mit der die Fachkräfte auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen, ist beeindruckend. Ihnen gelingt es der Jury zufolge vorbildlich, die Jungen und Mädchen einerseits ungestört mit ihren Freundinnen und Freunden spielen zu lassen und sie andererseits bei ihrer Welt- und Lebenserkundung als Impulsgebende zu begleiten. 

In derselben Kategorie werden zudem vier Zweitplatzierte mit jeweils 10.000 Euro ausgezeichnet: Die Kita Rehefelder Straße aus Dresden (Sachsen), die Kita Güstener Spatzen aus Güsten (Sachsen-Anhalt), die inklusive WABE-Kita aus Lauenburg/Elbe (Schleswig-Holstein) und der Kindergarten St. Franziskus im Kirchtal aus Benningen am Neckar (Baden-Württemberg). 

 

Vorstellungsfilm der PINGUIN Kindertagesstätte Aurich

Die Preisträger in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ 

Auch die Bamberger Initiative „Aus der Gereuth für die Gereuth“ kann sich über 25.000 Euro freuen – sie belegt den ersten Platz in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“. In dem bayerischen Kooperationsprojekt arbeitet eine katholische Kita mit einer Grundschule, Beratungsinstitutionen, Einrichtungen der Jugendhilfe und weiteren zivilgesellschaftlichen Gruppen zusammen. Ziel ist es, Kinder und Erwachsene zu motivieren, sich für ihren Stadtteil einzusetzen. Das hat die Jury des Deutschen Kita-Preises überzeugt. Sie lobte besonders, welchen Stellenwert Kindorientierung und Beteiligung in der Arbeit des Bündnisses einnehmen: Kinder werden als Akteure gesehen, die mitreden, mitbestimmen und mitwirken können. 

Auch in dieser Kategorie werden vier zweite Plätze vergeben: Über jeweils 10.000 Euro dürfen sich das Förderbündnis Familienzentrum Königsberg aus Biebertal (Hessen), das Kinder- und Jugendhaus in Dorfen (Bayern), das lokale Bündnis für Familie Uecker-Randow aus Torgelow (Mecklenburg-Vorpommern) und das Bildungsnetz Heerstraße Nord - AG Frühe Förderung aus Berlin-Spandau freuen. 

 

Vorstellungsfilm des Bündnis "Aus der Gereuth für die Gereuth"

Auch der ELTERN-Sonderpreis geht nach Aurich 

Zusätzlich zu den Preisen in den beiden oben genannten Kategorien wird auch in diesem Jahr der Sonderpreis des Magazins ELTERN vergeben – er geht ebenfalls an die PINGUIN Kindertagesstätte, die in einer bundesweiten Online-Abstimmung die meisten Stimmen erhalten hat. Im Rennen waren hier alle zehn Finalisten aus der Kategorie „Kita des Jahres“. Die Einrichtung aus Aurich erhält ein Jahr lang alle drei Monate ein Paket mit Kinderbüchern, die von der ELTERN-Redaktion ausgewählt werden. 

Videobotschaften von Dr. Franziska Giffey und Elke Büdenbender 

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey und die Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung Elke Büdenbender sollten die Auszeichnungen eigentlich auf einer großen Preisverleihung in Berlin überreichen. Weil die Veranstaltung unter den aktuellen Umständen aber nicht stattfinden konnte, übermitteln beide ihre Grüße und Glückwünsche an alle Finalisten per Videobotschaft. „Wir sehen gerade jetzt, wie wichtig gute Kitas sind. Sie sorgen dafür, dass Medizinerinnen, Supermarktverkäuferinnen, Pflegerinnen und Pfleger, Polizistinnen den Laden am Laufen halten können. Sie sorgen dafür, dass unsere Jüngsten gut behütet aufwachsen und individuell gefördert werden. In den Kitas werden die ersten Kapitel der Erfolgsgeschichten unseres Landes geschrieben. Die Arbeit, die dort überall im Land geleistet wird, ist niemals eine Selbstverständlichkeit. Denn wir brauchen gute Kitas. Und gute Kitas brauchen uns und unseren Rückenwind“, sagt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. 

Elke Büdenbender, Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, erklärt: „Über 1.500 Bewerbungen für diesen Preis zeigen, dass sehr viele Einrichtungen und Bündnisse eine hohe Qualität anbieten. Dabei ist es die Summe vieler Details, die Qualitätsarbeit in der frühkindlichen Bildung auszeichnet. Es sind beeindruckend viele lebenskluge und engagierte Frauen und Männer, die den Unterschied machen, die eine Kita gut machen und Kinder glücklich.“ 

Einladung ins Bundesfamilienministerium und 1.000 Euro für Finalisten ohne Auszeichnung 

Trotz der besonderen Umstände wird die Übergabe der Trophäen auch in diesem Jahr ein ganz besonderer Moment: Die Bundesfamilienministerin lädt alle Preisträger in ihr Ministerium nach Berlin ein, wo sie am 

1. Oktober ihre Trophäen persönlich erhalten werden. Und auch für die Finalisten, die keine Auszeichnung erhalten, gibt es einen Grund zu feiern: Sie erhalten in diesem Jahr als Überraschung jeweils 1.000 Euro als Anerkennung für ihre hervorragende Arbeit. 

Über den Deutschen Kita-Preis

Der Deutsche Kita-Preis ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Partnerschaft mit der Heinz und Heide Dürr Stiftung, der Gisela-Sdorra-Stiftung, der Karg-Stiftung, dem Eltern-Magazin und dem Didacta-Verband. Die Auszeichnung setzt Impulse für Qualität in der frühkindlichen Bildung und würdigt das Engagement der Menschen, die tagtäglich in Kitas zeigen, wie gute Qualität vor Ort gelingt.

Bis zum 15. Juli 2020 können sich Kitas und Initiativen noch für den nächsten Durchgang des Deutschen Kita-Preises bewerben. Alle Informationen dazu und rund um die Auszeichnung finden Interessierte auf www.deutscher-kita-preis.de 

Auf die Füße, fertig, los! Mehr Bewegung im Kinder-Alltag

Im Alltag begegnen uns immer wieder Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen: Auto oder doch lieber zu Fuß? Gerade für Kinder ist eine ausreichende Bewegung enorm wichtig. Sei es der Kita-/Schulweg, ein Besuch auf dem Spielplatz, ein Botengang zu den Großeltern oder das Nutzen der Treppe statt des Aufzugs. Oftmals lässt sich in diesen Situationen die Bewegung spielerisch integrieren, beispielsweise durch Rückwärtslaufen, Fangen spielen, Seilspringen, Gummitwist oder Kreidespiele.

 Für neuen Schwung im Alltag, haben wir ein tolles Bewegungsspiel zusammengestellt:

Wald Olympiade: Jetzt regnet’s Medaillen

Zwischen Bäumen, Moos und Laub lässt sich eine ganz persönliche Waldolympiade mit den verschiedensten Disziplinen durchführen. Wie wäre es beispielsweise mit Slalom, balancieren, Gleichgewichtsübungen, rückwärts hüpfen oder Zielwurf? Das Beste daran: Hier werden nicht nur alle Sinne, sondern auch Beweglichkeit und Wahrnehmung geschult.

Und so läuft die Waldolympiade ab:

Die Kinder suchen sich im Wald ein schönes Blatt und fertigen sich mithilfe eines Stücks Kordel eine Medaille an. Einfach die Schnur durch ein kleines Löchlein im Blatt ziehen. Das Loch lässt sich ganz einfach mit dem Fingernagel hineindrücken. Bis zur Siegerehrung werden die Medaillen aber erstmal zur Seite gelegt. Zunächst werden die Kinder in kleine Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhält einen Laufzettel, auf dem die erreichten Gruppenzeiten der verschiedenen Stationen notiert werden. Die Gruppen teilen untereinander auf, wer für den Aufbau welcher Station zuständig ist. Dann kann es losgehen! Jede Gruppe beginnt zunächst mit der Station, die sie selbst aufgebaut hat. Alle Teammitglieder der Gruppe durchlaufen die Station und die jeweilige Gesamtzeit wird gestoppt. Im Anschluss rotieren die Gruppen zwischen den Stationen. Auch hier kommt es darauf an, die Zeiten festzuhalten. Gewinnen tut die Gruppe, die insgesamt am schnellsten ist. Die Gewinner erhalten bei der Siegerehrung ihre Medaillen zuerst. So macht gemeinsame Bewegung im Freien Spaß!