Mai 2020

Podcasts für Pädagog*innen: Kita Podcast von Lea Wedewardt (Teil 4)

Photo by BBC Creative on Unsplash

 

Es gibt nicht nur unzählige Familien-Podcasts über Erziehungsfragen oder die Rolle als Mutter oder Vater, sondern auch Formate von "echten" Pädagogen. Ein besonders hörenswerter Podcast und unser Tipp für den Mai ist der "Kita Podcast" von Kinderheitspädagogin Lea Wedewardt.  

In ihrem Podcast spricht Kinderheitspädagogin Lea Wedewardt über bedürfnisorientierte Kinderbetreuung in Krippe, Kita, Hort und Tagespflege. Dabei geht es um sehr relevante Themen wie Gewalt von Fachkräfte oder die Rückkehr zur Normalität nach Corona. Sie selbst schreibt über ihren Podcast: "Der Kita-Podcast ist für all diejenigen, die sich für die Qualität in Kindertageseinrichtungen stark machen, die ein Umdenken in der Kinderbetreuung anstreben, die Kinder in Betreuungseinrichtungen gewaltfrei und achtsam begleiten wollen, die Bedürfnisse aller Beteiligten (der Kinder, Fachkräfte und Eltern) in den Mittelpunkt ihrer pädagogischen Arbeit stellen wollen."

Uns gefällt der Podcast vor allem, weil Lea Wedewardt mit ihren Gästen so wunderbar unaufgeregt und sehr fundiert über ihre Themen spricht und gleichzeitig unzählige wertvolle Impulse für die Praxis liefert. 

 

So klingt der Kita Podcast

Alle Kinder sind Matheforscher: Numeracy im Kindergarten?

Skitterphoto von Pexels

In der Beitragsreihe „Alle Kinder sind Matheforscher“ soll aufgezeigt werden, wie Mathematik im Kindergarten umgesetzt und begleitet werden kann. Dazu haben wir im ersten Beitrag diskutiert, was eigentlich mathematische Vorläuferfähigkeiten sind und wie sie erworben werden können. Im heutigen zweiten Artikel wird der im deutschen Sprachraum noch wenig bekannte Numeracy-Ansatz skizziert. Selbstverständlich gibt es dazu vielfältige Praxisbeispiele und Impulse bevor dann im dritten und damit letzten Beitrag vielfältige praktische Anwendungsmöglichkeiten für die Umsetzung mathematischer Bildung in der Kita vorgestellt werden. Ein Gastbeitrag von Mandy Fuchs.

 

Der Numeracy-Ansatz

„Numeracy“ kann allgemein mit Alltagsmathematik übersetzt werden und bezeichnet Kompetenzen, die benötigt werden, um auf mathematische Anforderungen in alltäglichen Situationen angemessen zu reagieren. Das meint, dass Kinder sich auf eine Weise mit Mathematik befassen, die den Anforderungen ihres gegenwärtigen und zukünftigen Lebens entsprechen. Darin eingeschlossen sind natürlich auch spätere Herausforderungen des Mathematikunterrichts, jedoch nicht in erster Linie. Die Kinder erkennen und verstehen nach und nach die Rolle und Bedeutung der Mathematik in ihrer Welt. Alltagsmathematik wird vor allem durch Spiel, durch Nachahmung und durch Eigenaktivität angeeignet. Numeracy-Kompetenz zeigt sich im verständnisvollen Umgang mit Mathematik und in der Fähigkeit mathematische Begriffe als „Werkzeuge“ in einer Vielzahl von Kontexten einzusetzen. Dieses Verständnis von Mathematik entspricht dem im englischen Sprachraum bekannten „Numeracy-Ansatz“ und kann mit dem im Bereich Sprache bereits seit längerem diskutierten und in der Praxis zunehmend akzeptierten „Literacy-Ansatz“ verglichen werden.

Die Gestaltung und Begleitung frühkindlicher mathematischer Bildung, die einem solchen Verständnis folgt, sollte dementsprechend drei Bereiche umfassen:

  • Mathematik im Alltag,
  • Mathematik im Spiel und
  • Mathematik innerhalb offen gestalteter Lernangebote.

Daraus ergibt sich folgende Modellierung:

 

Nachfolgend sollen alle drei Bereiche exemplarisch erläutert werden.
Markus Spiske von Pexels

Beobachtungen im Alltag von Kindertageseinrichtungen zeigen eindrucksvoll, dass Kinder oft auf natürliche Art und Weise Mathematik betreiben. Mathematik im Alltag ist z.B. in vielfältigen Ritualen im Tagesablauf zu finden, nämlich:

  • im Morgenkreis die anwesenden Kinder zählen,
  • bei den Mahlzeiten den Tisch decken,
  • zu Geburtstagsfeiern Süßigkeiten verteilen,
  • vor dem gemeinsamen Kochen einkaufen gehen und mit Geld bezahlen,
  • beim Kuchenbacken die Zutaten abmessen und abwiegen,
  • beim Zähneputzen die Zeit der Sanduhr einhalten,
  • am Morgen das Datum und den Wochentag bestimmen,
  • ein Türchen im Adventskalender aufmachen,
  • beim Aufräumen Spielsachen ordnen und sortieren,
  • beim Wimmelbücheranschauen Raum-Lagebeziehungen verwenden (neben, unter, rechts von,…)
  • sich bei der Körperpflege im Spiegel beobachten,
  • beim Spaziergang Formen von Verkehrszeichen erkennen oder Naturmaterialien sammeln, zählen, und sortieren.

 

Das Nutzen und Begleiten von derartigen Alltagssituationen erfordert von pädagogischen Fachkräften eine angemessene mathematikspezifische Handlungskompetenz. Im engen Zusammenhang mit dem Beobachten und Dokumentieren zeigt sie sich darin, dass Lernbegleiter situationsangemessen handeln und reagieren können, d.h. dass sie z.B.

  • ein Gespür für mathematische Momente entwickeln und bestimmte Situationen als mathematisch bedeutsam erkennen können,
  • diese Momente im Alltag der Kinder begleiten und sie für die weitere aktive mathematische Auseinandersetzung mit der Welt nutzen können,
  • die mathematischen Ideen der Kinder einordnen und in Äußerungen der Kinder mathematisch bedeutsame Inhalte erkennen können,
  • mathematisch nachfragen und produktiv reagieren können,
  • mit Kindern über mathematische Sachverhalte in einen Dialog treten und ko-konstruktive Bildungsprozesse der Kinder untereinander moderieren können.

Eine solche mathematikspezifische Handlungskompetenz wird von den jeweiligen Einstellungen und Haltungen der Lernbegleiter zur Mathematik geprägt. Um die mathematischen Lernprozesse der Kinder im Alltag angemessen und authentisch begleiten zu können, sollten Lernbegleiter deshalb

  • keine Angst vor Mathematik haben,
  • die Bereitschaft zeigen, sich (neu) auf Mathematik einzulassen,
  • im Idealfall eigene positive Erfahrungen mit mathematischen Problemstellungen gesammelt haben bzw. offen für neue mathematische Erfahrungen sein,
  • Freude, bestenfalls Begeisterung am Mathematiktreiben erleben können und
  • sich selbst Zeit nehmen, die Faszination, die von Mathematik ausgeht, bei den Kindern und vielleicht auch bei sich selbst, zu spüren.

Dementsprechend können Kinder also auf vielfältige Weise für Mathematik in ihrem Alltag sensibilisiert werden und zum mathematischen „Begreifen“ ihrer Umwelt angeregt werden.

 

Mathematische Bildung kann auch im Spiel möglich werden, wenn die Kinder vor allem im Freispiel Sachverhalte, Materialien und Spiele nutzen, die mathematische Aktivitäten von sich aus hervorrufen, z.B.

  • in Rollenspielen wie z.B. „Kaufmannsladen“ Zahlen- und Größenangaben verwenden,
  • bei Bau- und Legespielen mit Formen und Bausteinen agieren,
  • in Gesellschaftsspielen würfeln und Figuren setzen,
  • bei Bewegungs- und Versteckspielen sich im Raum orientieren,
  • bei Abzählreimen Zahlen verwenden,
  • beim Malen (Ausmal)Bilder oder Mandalas gestalten,
  • beim Spielen etwas ausschneiden und falten,
  • auf Parketten hüpfen oder (Mais)Labyrinthe durchlaufen,
  • beim Spielen Perlen und Knöpfen auffädeln,
  • bei Bewegungsspielen die Wippe nutzen oder um die Wette laufen,
  • beim Spiel im Sand oder mit Wasser in verschiedene Gefäße umfüllen.

Wenn also mathematische Ideen überall in der Umwelt und im Alltag sowie im Spiel der Kinder vorhanden sind, bedarf es einer angemessenen und sensiblen Begleitung durch die pädagogischen Fachkräfte, um diese Ideen erkennbar sowie bewusst zu machen und sie im oben beschriebenen Sinne mathematisch gewinnbringend für die Kinder zu nutzen. Damit Kinder – von der Vielzahl von Gegenständen der Mathematik in ihrer Lebenswelt ausgehend – ihre mathematischen Kompetenzen und ihr mathematisches Verständnis stärken können, sollten sie immer wieder Möglichkeiten erhalten, eigenen Denkwegen zu folgen und sich vertiefend mit mathematischen Phänomenen zu beschäftigen. Genau dazu sind jedoch Interaktionen mit einer Person nötig, „die das mathematische Prinzip hinter ihrer Tätigkeit gemeinsam mit ihnen erschließt.“ (Fthenakis u.a. 2009, S.47). Eine solche Begleitung erfordert natürlich eine enorme fachliche Professionalität und Sensibilität. Mathematisch substanzielle Aktivitäten von Kindern sollten deshalb von den Lernbegleitern zunächst wahrgenommen werden und zu gegebener Zeit (um Spielaktivitäten auch nicht zu stören oder vorschnell zu unterbrechen) durch geschickte Impulse bzw. anregende offene Fragestellungen zu weiteren Denk- und Handlungsprozessen anregen.

 

Frühkindliche mathematische Lernprozesse sind einerseits also sowohl natürlicher Bestandteil des Alltags aller Kinder (Mathematik im Alltag) als auch auf natürliche Weise in vielen Spielsituationen enthalten (Mathematik im Spiel), denn im Elementarbereich herrschen informelle und non-formale spielerische Lernformen vor. Mathematische Lerngelegenheiten ergeben sich jedoch nicht immer (was sie auch nicht müssen) und nicht jede Alltags- bzw. Spielsituation ist gleichermaßen mathematisch ergiebig. Ferner lassen sich natürlich auch Unterschiede zwischen den Kindern feststellen. Manche Kinder finden zahlreiche Anregungen in ihrer Umwelt und werden von sich aus mathematisch tätig, ohne dass sich Erwachsene einmischen müssten. Andere Kinder jedoch benötigen stärker Impulse, Ermunterungen bzw. Anregungen für ihr mathematisches Handeln. Dementsprechend sollte eine kindorientierte mathematische Bildung auch bewusst initiierte offene mathematische Lernsituationen einschließen. Hiermit sind jedoch keinesfalls klassische Angebote oder gar lehrgangsorientierte Förder- und Trainingsprogramme gemeint, denn diese beiden Ansätze würden nicht dem hier vertretenen Numeracy-Ansatz entsprechen. Stark angeleitete und in erster Linie instruierende „Beschäftigungen“ und Programme sind vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Fachkraft kleinschrittig und teilweise sogar schwierigkeitsgestuft das gemeinsame Vorgehen plant und durchführt, den zeitlichen Ablauf vorher akribisch strukturiert, um ein bestimmtes Endprodukt (Ergebnis) für alle Kinder sicher zu stellen. Die Kinder befinden sich in diesen Fällen oft in einer passiven Konsumentenrolle, wurden extrinsisch motiviert und verhalten sich tendenziell angepasst. Solchen geschlossenen Angeboten und Programmen fehlt eindeutig die Kindorientierung. Das Instruktionslernen steht im Vordergrund, wobei größtenteils eine „Verschulung“ beobachtbar ist, die defizitorientiert ausgerichtet ist und die Kinder als passive Konsumenten sieht.

Was genau offene mathematische Lernangebote sind und wie sie unkompliziert in der Praxis eingesetzt werden können, soll im nächsten Beitrag vorgestellt werden.

 

Impulse für die Praxis
  1. Wie viel Mathematik steckt in Ihrem Kitalltag? Schauen Sie doch einmal eine Woche (oder auch nur einen Tag lang) lang Ihren Tagesablauf durch die „mathematische Brille“ an! Orientieren Sie sich dabei z.B. an mathematischen Inhaltsbereichen (Raum und Form; Zahl und Struktur; Maße, Zeit und Geld sowie Daten, Zufall und Wahrscheinlichkeiten) sowie an den wesentlichen mathematischen Prozesszielen (Kreativ sein und Probleme lösen; Kommunizieren und Argumentieren; Begründen und Prüfen sowie Ordnen und Muster)! Berücksichtigen Sie auch Möglichkeiten für mathematische Denk- und Handlungsweisen: Eins-zu-eins-Zuordnungen, Zählen und Abzählen, Reihenfolgen bilden, Vergleichen, Sortieren (Klassifizieren), Ordnen, …)!
  2. Wie nutzen Sie dieses mathematische Potential?
  3. Untersuchen Sie vorhandene Spiele, Materialien und Bücher bzgl. ihres mathematischen Potentials! Wie viel Mathematik steckt in den Spielen, Spielmaterialien und Büchern? Was davon nutzen die Kinder von sich aus? Wann benötigen sie Impulse bzw. Anregungen von Ihnen?
Über die Autorin

Dr. Mandy Fuchs arbeitet als Referentin und Autorin für innovative Bildung und Pädagogik. Sie war viele Jahre selbst im aktiven Schuldienst tätig – zunächst als Grundschullehrerin, später als stellvertretende Schulleiterin. Darüber hinaus war Dr. Mandy Fuchs als Mitarbeiterin und Dozentin in der Lehrerausbildung an der Technischen Universität Braunschweig und der Wilhelmsuniversität Münster tätig, worauf ihre Promotion zum Themenfeld Hochbegabung in der Grundschule aufbaut. Als Inhaberin einer Professur arbeitete die Referentin auch mehrere Jahre im Bereich der frühkindlichen Bildung und Erziehung an der Hochschule Neubrandenburg und bildete dort zukünftige Kindheitspädagogen aus. Zahlreiche Publikationen verfasste sie u.a. zu Themen wie mathematische Begabungen im Kindesalter, frühkindliche Potenzialentfaltung oder Individualität und Kompetenzorientierung bei Kindern.

Hinweise, Feedback und Anregungen gern an: kontakt@mandyfuchs.de

Literaturhinweise und Tipps für weitere Informationen und Materialien zum Thema:

Kinderbuchtipps im Mai

Oetinger, Katrin Engelking

 

 Jeden Monat stellen wir drei neue und besonders lesenswerte Kinderbücher für kleine Leser im Kita-Alter vor. Im Mai dreht sich alles um das Geburtstagskind Pippi Langstrumpf.

 

Pippi Langstrumpf feiert Geburtstag

Pippi feiert den lustigsten Geburtstag der Welt! Eines Tages finden Tommy und Annika eine Einladungskarte in ihrem Briefkasten: Pippi feiert Geburtstag! Und wenn Pippi Geburtstag feiert, dann geht es rund in der Villa Kunterbunt. Es gibt Kuchen und heiße Schokolade, lustige Spiele und sogar Geschenke für alle!

Die neue Ausgabe mit den wunderbaren Bildern von Katrin Engelking erschien im Mai anschlässlich des 75. Geburtstag von Pippi Langstrumpf

"Pippi Langstrumpf feiert Geburtstag" von Astrid Lindgren. Verlag Friedrich Oetinger. Ab 4 Jahre. ISBN: 978-3-7891-1383-3   Preis: 15,00 Euro.

 

Pippi Langstrumpf – Alle Abenteuer in einem Band

Lang ersehnt: die farbig illustrierten Pippi-Geschichten als Sammelband. Als Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf in die Villa Kunterbunt einzieht, staunen Tommy und Annika nicht schlecht. Denn Pippi hat nicht nur einen ganzen Koffer voller Goldstücke, ein Pferd und einen Affen - sie ist auch das stärkste Mädchen der Welt und macht, was sie will. Ziemlich schnell hat sie Tommys und Annikas Leben ganz schön auf den Kopf gestellt.

Der neue Sammelband enthält alle Abenteuer von Pippi Langstrumpf, wundervoll illustriert von Katrin Engelking. Ein Muss für jedes Bücherregal in Kita oder Kinderzimmer.

Pippi Langstrumpf – Alle Abenteuer in einem Band von Astrid Lindgren . Friedrich Oetinger Verlag. Ab 6 Jahre. ISBN: 978-3-7891-1450-2  Preis: 20,00 Euro.

 

Kennst du Pippi Langstrumpf?

Die freche und unheimlich starke Pippi Langstrumpf, der Affe Herr Nilsson, das Pferd und die beiden Nachbarskinder Annika und Thomas - hier stellen sie sich den kleineren Kindern vor, die noch nicht lesen können, aber Spaß daran haben, lustige bunte Bilder anzuschauen.

Das Buch "Kennst du Pippi Langstrumpf?" ist ein idealer Einstieg in die Welt von Pippi Langstrumpf. Besonders schön sind die Originalzeichnungen von Illustratorin Ingrid Nyman.

Kennst du Pippi Langstrumpf? von Astrid Lindgren.  Fiedrich Oetinger Verlag. Ab 4 Jahre. ISBN: 978-3-7891-5930-5. Preis: 15,00 Euro

Gastbeitrag: Pädagogische Präsenz in Zeiten von Corona

Foto von Tatiana Syrikova von Pexels

Seit einigen Wochen müssen wir uns unerwartet mit der Frage beschäftigen, wie wir Familien beraten können, deren Mitglieder in ihrem Aktionsradius auf das häusliche Umfeld beschränkt sind, deren Kinder weder Schule noch Kindertagesstätte besuchen und die wir gleichzeitig fast nur noch per Telefon, E-Mail oder Videokonferenz erreichen. Welchen Einfluss hat diese Situation auf die Begegnungen und Beziehungen der beteiligten Personen untereinander? Ein Gastbeitrag von Sebastian Conradt, Dipl.-Sozialpädagoge beim SOS Kinderdorf Hamburg.

In unserem pädagogischen Ansatz, insbesondere im Coaching für Eltern, messen wir der Präsenz im Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern einen hohen Stellenwert bei. In Anlehnung an die Ideen des israelischen Psychologen Haim Omer meint Präsenz, im Leben eines Kindes anwesend und gegenwärtig zu sein, aufmerksam und wach, sichtbar und spürbar. „Wir sind deine Eltern und als solche bleiben wir da: als deine Wegbegleiter, als deine Zuhörer, als deine Schützer, als deine Tröster und als Schützer der gesamten Familie. Manchmal sind wir aber auch deine Erzieher, deine Blockierer und deine Schrankensetzer. In diesen beiden Funktionen sind wir da und bleiben da, wir können nicht abgeschüttelt werden, wir können nicht umgangen werden, wir können nicht ausgetrickst werden.“ Kaum eine andere Formulierung als diese von Haim Omer drückt das Wesen von elterlicher Präsenz besser aus. Und sie gilt ebenso für andere Erwachsene wie etwa für Lehrer.

Pädagogische Präsenz kann auf verschiedenen Ebenen wirksam werden. Da ist zum einen die rein physische oder körperliche Präsenz: Bin ich als leibhaftiges Wesen da, sprich: vor Ort? Bin ich physisch anwesend und wenn ja: stehe ich aufrecht und offen im Raum oder gebeugt und versunken in einer Ecke? Das hat einen Einfluss auf die Menschen, die Kinder, mit denen ich den Raum teile. Mein körperliches Erscheinungsbild kann schon Auskunft auch über meine mentale Präsenz geben: Bin ich mit meinen Gedanken und mit meinen Sinnen bei der Sache? Bin ich fokussiert? Die dritte Präsenzebene betrifft meine Intention: Weiß ich eigentlich, was ich gerade will, welches Ziel ich verfolge, was mir hier und jetzt wichtig ist? Oder schwanke ich ziellos hin und her und gebe unklare Signale? Was nehmen meine Mitmenschen, die Kinder, von meiner Intention wahr? Grundlage dafür ist die moralische Präsenz: Wovon bin ich überzeugt, welche Werte leiten mich? Nur wenn ich selbst überzeugt bin, kann ich auch überzeugend wirken. Wie ein Anliegen von mir benannt werden kann, entscheidet sich zudem auf der Ebene der internalen, der inneren Präsenz: Wie bin ich gerade drauf? Wie sieht es in meinem Inneren aus? Besteht die Gefahr, dass ich mich in Streitereien verwickeln lasse? Oder kann ich mich gerade gut selbst regulieren? Auf der Ebene der pragmatischen Präsenz stellen sich folgende Fragen: Hab ich eine Idee, was ich gerade tun kann? Was sich ganz praktisch umsetzen lässt? Und wie ich selbstwirksam werde, ganz unabhängig vom Verhalten der Anderen? Das hängt oft auch davon ab, ob ich Menschen an meiner Seite habe, die mir helfen, die mich unterstützen. Und dies ist schließlich die systemische Präsenz.

Social Distancing ist für Pädagogen und Kinder schwer

In diesen Zeiten, in denen „Social Distancing“ eines der Zauberwörter zur Bewältigung der Corona-Krise ist, zeigt sich die Bedeutung von Präsenz in einem besonderen, noch einmal erhellenden Licht. In den Familien herrscht auf einmal eine höhere physische Präsenz, weil alle zuhause sind. Eltern und Kinder begegnen sich viel intensiver, bekommen viel mehr vom Alltag und vom Leben des Anderen mit. Ganz anders sieht es im schulischen Bereich aus. Die Schüler sehen ihre Lehrer vor allem auf dem Bildschirm und dann nur für einige Minuten. Erledigte Aufgaben werden abfotografiert und per E-Mail verschickt. Erzieherinnen in den Kindertagesstätten organisieren den Morgenkreis per Video-Schalte, damit sich die Kinder einmal am Tag gegenseitig wenigstens sehen und hören können. Was aber passiert hier auf der Ebene der körperlichen Präsenz? Was ist mit dem aufmunterten Schulterklopfen des Lehrers, der tröstenden Berührung der Erzieherin oder mit den kräftigen Knuffen in einer Rauferei unter Kindern? Was ist mit dynamischen Gruppenprozessen, in denen Energie und kreative Ideen entstehen, auf einmal mehr da ist als die Summe aller Teile? Sie alle fehlen oder sind stark reduziert. Gerade jüngere Schüler sind, wie wir jetzt feststellen, oft noch gar nicht in der Lage, zu Lerninhalten mit ihren Lehrerinnen zu telefonieren.

Ähnlich verhält es sich mit unseren Beratungen. Das allein schon heilsame Zusammensein mit anderen Menschen, der gemeinsame Blick aus dem Fenster auf den blühenden Baum, der Duft von heißem Kaffee, der Entspannung verspricht, das gereichte Taschentuch in aufwühlenden Gesprächssituationen – alles Sinnliche fehlt. Und wir haben es ungleich schwerer, ein Gefühl für die Situation und die ratsuchenden Menschen zu bekommen, die uns normalerweise gegenüber sitzen. Begegnungen gehen über den Kopf, werden rational und virtuell. Gelingen sie dennoch, basiert das meistens auf einer vorhandenen Beziehung, die in besseren Zeiten wachsen durfte. Doch wie lange trägt sie, wenn sie nicht genährt wird? Bei den Schülern beobachten wir, dass ihre Motivation und ihr Durchhaltevermögen beim Home-Schooling mit jeder Woche abnehmen, in der die Präsenz der Lehrer fehlt oder zumindest unvollständig ist. Einfacher ausgedrückt: Schüler brauchen Schulen mit Mitschülern und Lehrern!

Neue Formen des Austauschs erweitern unser Spektrum

Aber Präsenz ist nicht gleichzusetzen mit Nähe, die Familien zurzeit verstärkt erleben, da ihre Kinder nicht dauerhaft in Schule oder Kindertagesstätte gehen können. Nähe ist ein Teil von Präsenz, und deswegen profitiert manche Familie und manches Eltern-Kind-Verhältnis in der aktuellen Situation von der ungewohnten Gemeinsamkeit und der geteilten Zeit, vielleicht auch vom geteilten Schicksal. Der Feind draußen, das Corona-Virus, lässt drinnen alle zusammen rücken. Ein schönes Beispiel wurde uns aus einer Familie berichtet, in der der 5-jährige Sohn es genau in dieser Zeit der großen Nähe erstmals schaffte, alleine in seinem eigenen Bett die Nächte durchzuschlafen. Viele Versuche vorher, auch von ihm selbst, waren vergeblich geblieben. Aber auch Loslösung und Autonomie, auf beiden Seiten, sind ein unerlässlicher Aspekt der Eltern-Kind-Beziehung und gleichzeitig gemeint, wenn von Präsenz die Rede ist. Nähe kann eben auch zu viel werden, Entwicklung hemmen und Konflikte befördern, die Flucht in virtuelle Welten und PC-Sucht forcieren. Auch das kann dann vermeintlich als Weg erscheinen, Autonomie und Unabhängigkeit zu realisieren. Und es birgt eine gewisse Gefahr, wenn Lernen nur noch über digitale Medien stattfindet und Eltern wegen der geschlossenen Schulen zusätzlich für Tagesstruktur und Home-Schooling sorgen und damit einen Teil der Präsenz der Lehrer stellvertretend übernehmen sollen.

Ablösung und Präsenz schließen einander nicht aus. Das Band zwischen Erwachsenem und Kind, das auch auf Distanz verbindet, bezeichnen wir als wachsame Sorge. Sie ist das „Grundrauschen“ der Präsenz und bietet dem Kind den nötigen Halt in seinem Leben. Wie ein Leuchtturm seine Lichtzeichen aussendet und damit für Orientierung auch und gerade bei stürmischer See sorgt, so können Eltern und Lehrer je nach Situation und Gefährdungslage mithilfe ihrer wachsamen Sorge dem Kind zur Seite stehen. Insbesondere bei Jugendlichen, die mehr und mehr ihre eigenen Wege gehen, ist es hilfreich, wenn sie dabei die Stimme der Erziehenden im Hinterkopf begleitet und sie damit besser für sich selbst sorgen können. Doch auch die wachsame Sorge, die Tele-Verbindung im Erwachsenen-Kind-Verhältnis, benötigt zum Auftanken gelegentlich die richtige Dosis an Nähe und physischer Präsenz, nicht zu viel und nicht zu wenig. Wie soll das in Zeiten von Corona funktionieren?

Digitale Medien lassen uns gerade ungeahnte Möglichkeiten der Kommunikation und des Beisammenseins entdecken. Neue Formen des Austauschs erweitern unser Spektrum, und viele der Präsenzen lassen sich darüber transportieren – die körperliche allerdings nicht. Wir gehen von einer Einheit von Körper, Geist und Seele aus und davon, dass sich menschliche Entwicklung als ganzheitlicher Prozess vollzieht. Auf der anderen Seite kann es in der Enge der häuslichen Gemeinschaft auch zu einem Überangebot an physischer Präsenz kommen, insbesondere für große Kinder und Jugendliche. Auch hier bewahrheitet sich wieder das afrikanische Sprichwort, nach dem es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen. Letztlich sind das Zusammenspiel aller Präsenzebenen und ihre Ausgewogenheit entscheidend für ein positives Erwachsenen-Kind-Verhältnis.

Sebastian Conradt ist Dipl.-Sozialpädagoge und arbeitet als systemischer Elterncoach in der Erziehungsberatung und den Ambulanten Hilfe des SOS Kinderdorfs Hamburg. 

Ambulante Hilfen

Die Angebote der ambulanten Hilfen erfolgen als aktivierende, fortlaufende pädagogische Beratung, als lebensweltnahe Begleitung sowie als praktische Lebenshilfe. Ausgangspunkt für die Hilfegewährung ist dabei ein Bedarf an erzieherischen Hilfen für Kinder und/oder Jugendliche und deren Familien.

Die ambulanten Hilfen unterstützen familiäre Systeme dahingehend, dass erzieherische Ressourcen zur Entfaltung gelangen und förderliche Entwicklungen für die Kinder erreicht werden. Die emotionale Sicherheit einhergehend mit einer altersgemäßen Autonomie sind Zielsetzungen, die gemeinsam mit den Eltern für die Kinder erreicht werden sollen. Die Beteiligung der Kinder, Jugendlichen und Eltern an der Gestaltung der Hilfsangebote ist ein Prinzip von SOS-Kinderdorf.

Die Arbeit mit und in den Familien erfordert von den Mitarbeitern/-innen von SOS-Kinderdorf eine wertschätzende, tolerante Grundhaltung gegenüber Lebensweisen, die den eigenen Wertvorstellungen nicht immer entsprechen. Durch kontinuierliche Fortbildungsangebote, Fallberatung, Supervision und kollegialen Austausch haben die Fachkräfte die Möglichkeit, ihr Handeln fortlaufend zu reflektieren und die eigene fachliche Weiterentwicklung zu fördern.

Tag der kleinen Forscher: Mitmachtag mal anders

Maria Feck / Stiftung Haus der kleinen Forscher

 

Zu Hause oder beim Spazierengehen, in der Kita-Notbetreuung oder in Kleingruppen in der Grundschule – Forschen und Entdecken geht überall. Zum „Tag der kleinen Forscher“ 2020 lädt die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ in diesem Jahr sowohl pädagogische Fach- und Lehrkräfte als auch Eltern ein, den Wegen eines besonderen Elementes zu folgen: Wasser. Unter dem Motto „Von der Quelle bis ins Meer – Wasser neu entdecken!“ können so Kinder unsere wichtigste Lebensgrundlage ganz neu kennenlernen. 

Seit 2009 gehen Tausende Mädchen und Jungen jedes Jahr am „Tag der kleinen Forscher“ mit ihren Erzieherinnen und Erziehern oder ihren Lehrkräften auf Entdeckungsreise und erkunden ihre Welt – sei es im Rahmen eines Forscherfests oder kleinerer Aktionen. So sollte es auch in diesem Jahr wieder sein, doch die Zeiten sind andere. Bis in allen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen der Regelbetrieb wieder aufgenommen wird, bleiben viele Kinder weiterhin zu Hause oder in der Notbetreuung. Aber auch hier gilt: 

Entdecken und Forschen geht überall. 

Deshalb lädt die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ alle, die Kinder beim Forschen und Entdecken begleiten möchten, dazu ein, sich am „Tag der kleinen Forscher“ zu beteiligen. Ob Kitas, Horte und Grundschulen, Eltern und Familien oder Unterstützerinnen und Unterstützer der Stiftung – alle Interessierten können die digitalen Angebote und Forscherideen zum Aktionstag kostenfrei unter tag-der-kleinen-forscher.de/mitforschen herunterladen. Pädagogische Einrichtungen können das Aktionsmaterial weiterhin auch bestellen: tag-der-kleinen-forscher.de/aktionsmaterial 

Viele der Angebote zum Aktionstag unter dem diesjährigen Motto „Von der Quelle bis ins Meer – Wasser neu entdecken!“ erfordern keine pädagogischen Vorkenntnisse und lassen sich auch zu Hause oder während eines Spaziergangs mit Eltern und Geschwistern ganz einfach umsetzen. 

Kinder lernen Wasser als lebenswichtige Ressource schätzen 

So wird der 16. Juni auch diesmal ein bundesweiter Mitmachtag und setzt ein Zeichen für gute frühe MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung. Denn die legt einen Grundstein, um den Herausforderungen einer zunehmend komplexen Welt erfolgreich begegnen zu können. 

„Das diesjährige Motto lässt Kinder Wasser als lebenswichtige Ressource kennen- und schätzen lernen“, sagt Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. „Wie jede und jeder Einzelne von uns mit dieser Ressource umgeht, hat direkte Auswirkungen auf unsere Erde.“ 

Stiftung entwickelt digitales Angebot zum Aktionstag 

Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ selbst verlegt aufgrund der Corona-Pandemie ihr Forscherfest gemeinsam mit der experimenta in diesem Jahr ins Netz. Ursprünglich sollten etwa 2.000 Kinder in Deutschlands größtem Science Center in Heilbronn ein Forscherfest feiern und Phänomene rund um das Wasser entdecken. Nun arbeiten die Partner an einer digitalen Alternative für den 16. Juni – für kleine und große Forscherinnen und Forscher in ganz Deutschland. Die Details dazu werden Ende Mai unter tag-der-kleinen-forscher.de bekannt gegeben. 

 

Über den Tag der kleinen Forscher

Der „Tag der kleinen Forscher“ ist der bundesweite Mitmachtag für alle, die gerne forschen. Er stellt die Bedeutung des forschenden Lernens in Kita, Hort und Grundschule in den Mittelpunkt und widmet sich jedes Jahr einem neuen, spannenden Thema rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik und Nachhaltigkeit. Dabei zeigt der Aktionstag immer wieder: Gute frühe MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung macht Kinder stark und befähigt sie, selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu handeln. 

Mehr erfahren über den Aktionstag: tag-der-kleinen-forscher.de

 

Basteltipp: Schilfboot

Uli Wittmann, Bruckmann Verlag

T’utura wamp’u.Das ist kein Regal aus dem schwedischen Möbelhaus, das man selbst zusammenbauen muss.So nennen die Urus, ein Volk, das am (Achtung, Zungenbrecher!) Titicacasee lebt, Boote aus Schilf.So ein ähnliches Exemplar zum Spielen bastelst du auch.

Das braucht ihr:
  • Schilf

  • Taschenmesser 

  • Schnur oder eine stabile Ranke 

  • Ein großes Blatt (von der Pestwurz) oder 

  • Altpapier oder 

  • Papiertaschentuch 

Anleitung: 

Wie lange die Urus schon Boote aus Schilf bauen, ist unbekannt. Die Nachfahren der Pukinas nutzen seit Generationen konsequent den Baustoff, den ihnen der See im Übermaß bietet: Schilf! Sicher findest du auch Schilfrohre am Teich, See oder Fluss. Nimm bitte nur die Stängel am Rand und versuche möglichst, die Tiere nicht zu stören, die im Schilf leben. Schilf hat sich seit tausenden von Jahren als Baumaterial bewährt. Mit diesem tollen Schilfboot baust du einen echten Hingucker! 

Schon kannst du beginnen. Lege zuerst die Schilfrohre ohne Blätter als Bündel aufeinander. 

  • Binde sie möglichst fest mit der Schnur oder der Ranke zusammen. 

  • Schneide mit der großen Klinge des Taschenmessers den Rumpf und den Bug zurecht. 

  • Stecke zwei Schilfrohre im vorderen und hinteren Drittel durch den Bootskörper. Sie stabilisieren unser Schilfboot. 

  • In die Mitte des Bootes steckst du einen geraden Schilfstängel als Mast. Dieser darf durch den Schiffsrumpf hindurchgehen und auf der anderen Seite herausstehen. Damit hat das Rohr eine Doppelfunktion als Mast und als Kiel, letzterer stabilisiert das Boot. Stecke zum Schluss noch das große Blatt als Segel an den Mast. Fertig ist unser ganz persönliches T’utura wamp’u vom Titicacasee. 

 

Buchtipp: Das Outdoor-Bastelbuch - 67 kinderleichte Bastelideen für draußen und unterwegs

Ob beim Wandern, im Urlaub oder auf der Berghütte: Kinder können überall basteln! Für die Outdoor-Basteleien brauchen die Kleinen keinen Kleber, Schere oder ausgefallene Materialien. Das Meiste findet sich in der Natur. Alles weitere lässt sich in einer Jackentasche oder einem kleinen Rucksack transportieren. Mithilfe der Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Fotos basteln die Kinder Klassiker wie Kastanientiere, Praktisches wie einen Büchsengrill oder Löffel und Gabel, aber auch Wundervolles zum Verschenken wie einen Korb aus Birkenrinde. In wenigen Minuten und mit wenig Aufwand lassen sich die Bastelvorschläge umsetzen. Auch fast schon vergessene Spielzeuge wie der Zitterwagen sind dabei. Gewürzt mit Anekdoten und Expertenwissen bindet das Buch von der ersten bis zur letzten Seite an sich.

Das Outdoor-Bastelbuch - 67 kinderleichte Bastelideen für draußen und unterwegs von Ulli Wittmann, 160 Seite. 12,99 Euro. Bruckmann Verlag.  ISBN-13: 9783734318146 

Basteltipp: Bambusflöte

Uli Wittmann, Bruckmann Verlag
Bambusflöte

Du möchtest Töne produzieren, die wie die Hintergrundmusik im chinesischen Restaurant klingen? Dann schnitze eine Flöte aus Bambus.Auch wenn dieses Holz widerspenstig ist, bekommst du eine Flöte damit leichter hin, als mit dem heimischen Holunder.

Das braucht ihr:
  • Ein Bamubsrohr, so dick wie ein kleiner Finger
  • Ein Stück Rundholz (daraus wird das Mundstück)
  • Eine Kerze
  • Taschenmesser oder Multitoolmit Säge und Ahle (Stechdorn) 
Anleitung: 

Da standen sie: drei Autos. Um halb acht wollte ich im Park von wucherndem Bambus eine Stange abschneiden. Wirklich nur eine. Was so orange leuchtete, sind keine niederländischen Fußballfans gewesen, sondern die Jungs vom Stadtgartenamt. Ich musste mir also eine Stange Bambus kaufen. Schon länger hatte ich die Idee für eine Bambusflöte im Kopf und wollte das Ganze ausprobieren. Der Bambus ist innen hohl wie ein Schokoladennikolaus. Ideal, um eine Flöte zu bauen. Hier endet das Loblied auf den Bambus. Wenn du ihn bearbeiten willst, solltest du ein Taschenmesser oder Multitool mit einer richtig scharfen Klinge und Säge besitzen. Säge den Bambus so ab, dass das untere Ende hinter einem Knoten liegt.

Vom späteren Mundstück schneidest du 

  • ein Rechteck aus dem Bambus
  • Als Nächstes ist das Rundholz dran. Schnitze es so zurecht, dass es sich möglichst eng in den Bambus stecken lässt. Dieser Pfropfen ist das Mundstück. Flache es an der Oberseite ein wenig ab. So gelangt Luft in die Flöte. Stecke den Pfropfen in die Bambusflöte. Er sollte so eng wie möglich sitzen, sonst tritt die Luft seitlich aus. Zünde eine Kerze an und dichte das Ganze mit dem flüssigen Wachs ab
  • Schneide das Mundstück schräg ab und bohre mit
  • der Ahle die Löcher für die Flöte in den Bambus. Achte darauf, dass die Löcher auf einer Linie liegen. Fertig ist unsere Bambusflöte. Sie hat tolle Töne auf Lager! 

 

Buchtipp: Das Outdoor-Bastelbuch - 67 kinderleichte Bastelideen für draußen und unterwegs

Ob beim Wandern, im Urlaub oder auf der Berghütte: Kinder können überall basteln! Für die Outdoor-Basteleien brauchen die Kleinen keinen Kleber, Schere oder ausgefallene Materialien. Das Meiste findet sich in der Natur. Alles weitere lässt sich in einer Jackentasche oder einem kleinen Rucksack transportieren. Mithilfe der Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Fotos basteln die Kinder Klassiker wie Kastanientiere, Praktisches wie einen Büchsengrill oder Löffel und Gabel, aber auch Wundervolles zum Verschenken wie einen Korb aus Birkenrinde. In wenigen Minuten und mit wenig Aufwand lassen sich die Bastelvorschläge umsetzen. Auch fast schon vergessene Spielzeuge wie der Zitterwagen sind dabei. Gewürzt mit Anekdoten und Expertenwissen bindet das Buch von der ersten bis zur letzten Seite an sich.

Das Outdoor-Bastelbuch - 67 kinderleichte Bastelideen für draußen und unterwegs von Ulli Wittmann, 160 Seite. 12,99 Euro. Bruckmann Verlag.  ISBN-13: 9783734318146 

Musiktipp: 42 starke Kinderlieder für eine bessere Welt

Alt text
Bildunterschrift

Im Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams wird der Supercomputer Deep Thougt nach dem Sinn des Lebens gefragt. Seine Antwort ist 42. Einfach nur 42. Als Antwort auf alles.

Natürlich sind die 42 Lieder auf der CD "42 starke Kinderlieder für eine bessere Welt" nicht die Antwort auf alles.

Aber die hier versammelten Kindermusiker*innen versuchen nicht nur einige Antworten zu präsentieren, sondern vor allem Fragen zu stellen und Anregungen zu geben,  die Kindern helfen sollen, eigene Überlegungen anzustellen und Gedanken zu sortieren, die helfen sollen, diese Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Die Lieder greifen dabei Inhalte auf, die durchaus zu den brennenden Themen der Zeit gehören. Und das nicht erst seit Greta Thunberg und den Fridays for Future Demonstrationen.

Es geht hier um eine saubere Umwelt, um sauberes Wasser und saubere Energien. Es geht um Mobbing, Inklusion und den täglichen Straßenverkehr.  Es geht aber auch um ein wirkliches Miteinander, um ein gemeinsames, freundliches Leben, um Demokratie und um eine Zukunft für uns alle.

 

RANDALE – Willi Wal

 

Alle auf dieser Doppel-CD vertretenen Kinderliedermacher*innen sind Teil des Netzwerkes "Kindermusik.de". Seit fast 20 Jahren gibt es mit „Kindermusik.de“ einen Verbund von Kindermusiker*innen aus dem deutschsprachigen Raum. Ziel ist es, sich gegenseitig zu unterstützen, die Idee von guter Kindermusik zu fördern und voranzutreiben. Gemeinsam Musik machen, gemeinsame Fortbildung verbunden mit einem guten und tragfähigen Netzwerk

Die Landkarte der Mitglieder von kindermusik.de macht deutlich: Die Musiker singen und spielen ihre Lieder von der Ostsee bis nach Tirol, von der Lausitz bis nach Ostfriesland - In Köln, Berlin, Hamburg und überall, wo Kinder singen und Spaß an Musik haben sind wir dabei. Derzeit haben sich über vierzig Menschen in der Kindermusik aus Österreich und Deutschland hier zusammengeschlossen, die sich auch weit über das Internet hinaus begegnen, inspirieren und bewegen.

 

3BERLIN – Ich erinner mich an Dich

Alle Kinder sind Matheforscher: Was sind eigentlich mathematische Vorläuferfähigkeiten?

Skitterphoto von Pexels

Schon Kleinkinder begeistern sich für die Mathematik in ihrer Umgebung. Wir Erwachsenen können das kindliche Interesse an Zahlen und Formen spielend leicht aufgreifen und zwar ganz ohne Mathebücher. Ein Gastbeitrag von Dr. Mandy Fuchs.

 

Mathematik prägt unseren Alltag und sowohl Jungen als auch Mädchen sind bereits lange vor Schulbeginn von mathematischen Zusammenhängen fasziniert. Sie sind als kleine Matheforscher unterwegs und erkunden neugierig sowie begeistert Zahlen, Formen und Muster. Dabei gibt es Kinder, wie zum Beispiel die vierjährige Anna, die kaum eine Möglichkeit zum Zählen von Bäumen, Autos oder Punkten auf Marienkäfern auslässt und hierbei bereits sicher über 20 hinaus zählen kann. Blumenmuster mag sie besonders gern. Oder Max, fünf Jahre alt, der mit enormer Ausdauer die Fahrzeuge und Bausteine im Gruppenraum nach Farben, Formen und anderen Details sortiert und fast alle Verkehrszeichen kennt. Er weiß genau, ob es ein Dreieck, ein Viereck oder ein Achteck ist oder ob die Form wie ein Quadrat aussieht. Zählen kann er noch nicht so gut, deshalb vermeidet er auch den Gebrauch von Zahlen. Fynn hingegen hat bereits als Vierjähriger enorme Freude am Rechnen und seine Lieblingsbeschäftigungen sind Sudokus und Zahlenrätsel, wie z.B. „Wie viele verschiedene Aufgaben findest du zur Zahl 50?“. Hierbei ist es für ihn ein Leichtes alle vier Rechenoperationen anzuwenden und auch Aufgaben mit drei Zahlen zu bilden. So wie Anna, Max und Fynn verfügt jedes Kind über ganz besondere Stärken und vielfältige mathematische Kompetenzen, die es selbstbewusst zeigt. Demzufolge sind alle Kinder kleine Matheforscher, denn sie sind autonome wissbegierige Lerner von Geburt an und eignen sich Lerngegenstände (auch mathematische) aktiv auf der Grundlage subjektiver Wahrnehmungsprozesse, vorhandener individueller Handlungs- und Denkstrukturen sowie bisheriger Erfahrungen an. Diese konstruktivistische Sichtweise betont neben der Eigenständigkeit des Kindes ebenso seine Neugier und seinen Forscherdrang von Natur aus.

 

In meiner kleinen Beitragsreihe „Alle Kinder sind Matheforscher“ soll aufgezeigt werden, wie frühe mathematische Bildungsprozesse im Kindergartenalter angemessen begleitet werden können. Dazu soll im ersten Beitrag diskutiert werden, was eigentlich mathematische Vorläuferfähigkeiten sind und wie sie erworben werden können. Im zweitenArtikel wird dann der im deutschen Sprachraum noch wenig bekannte Numeracy-Ansatz skizziert. Im dritten und damit letzten Beitrag sollen dann vielfältige praktische Anwendungsbeispiele für die Umsetzung mathematischer Bildung in der Kita vorgestellt werden.

 

Zur Spezifik frühkindlicher mathematischer Bildung
Markus Spiske von Pexels

Die eingangs beschriebene veränderte Sichtweise in Bezug auf das Lernen von Kindern und der damit im Zusammenhang stehende konstruktivistische Lernansatz führten auch in der aktuellen mathematikdidaktischen Diskussion der letzten Jahre zu einem zweifachen Paradigmenwechsel. Erstens: Auch Mathematiklernen wird als selbstgesteuerter Prozess verstanden, in dem das lernende Kind sein Wissen aktiv konstruiert und in sein vorhandenes individuelles Erfahrungsnetz einbindet. Dies geschieht auf der Grundlage individueller Erfahrungen und in sozialer Interaktion sowie in Auseinandersetzung mit der Umwelt. Es kann folglich nicht mehr darum gehen, dass individuelle Denkweisen von Erwachsenen zu Lernpfaden für Kinder gemacht werden. Zweitens zeigen sich sowohl im Elementar- als auch später im Primarbereich veränderte Sichtweisen bezüglich der Lerninhalte: Es geht nicht mehr vordergründig darum Sach- und Fachwissen zu vermitteln und einzuüben, sondern um die Förderung allgemeiner Kompetenzen, wie die Freude am Problemlösen und am Erforschen von Mustern. Genau dies regt mathematische Denk- und Handlungsweisen an und lässt die kleinen Matheforscher in die mathematische Welt eindringen. Konkret heißt dies also, darüber nachzudenken, welche Ansätze und Konzepte zur Gestaltung früher mathematischer Bildung zeitgemäß sind, denn Mathematik im Elementarbereich bedeutet nicht, Kindern schon vor der Schule die Zahlen oder das Rechnen „beizubringen“. Es meint m.E. auch nicht, die sogenannten mathematischen Vorläuferfähigkeiten zu trainieren. Aber was genau sind eigentlich mathematische Vorläuferfähigkeiten? Und was brauchen Kinder dann, um die mathematische Welt zu erobern und in der Grundschule später erfolgreich Mathematik lernen zu können?

 

Eigentlich beinhaltet die Antwort auf diese Fragen nicht wirklich das WAS? (den Inhalt) sondern eher das WIE? (den Prozess). In der frühen mathematischen Bildung geht es nämlich darum, dass Kinder vielfältige mathematischer Basiskompetenzen in ihrem Alltag erwerben dürfen. Das heißt, dass Kinder Vorgänge in ihrer Alltagswelt mit ihren bisherigen mathematischen Erfahrungen in Einklang bringen. Sie sollten demnach verschiedene Möglichkeiten erhalten erste mathematische Erfahrungen zu sammeln, die dann ein stabiles Fundament für jegliches weiteres Mathematiklernen bilden. Man kann diese Basiskompetenzen auch mathematische Vorläuferfähigkeiten nennen, nur dann erwecken sie m.E. den Anschein, dass sie vor dem eigentlichen Mathematiklernen entwickelt werden müssten. Also erst die Vorläuferfähigkeiten trainieren und dann richtig Mathematik lernen. Solche mathematischen Kompetenzen gehören jedoch perse zur Mathematik dazu und ermöglichen den Kindern immer Mathematik in ihrer Welt zu entdecken. Mathematik im Elementarbereich bedeutet also das mathematische Tun und Denken der Kinder anzuregen, „heraus zu kitzeln“, zu begleiten und weiter zu entwickeln. Hierfür bedarf es neben einer professionellen pädagogischen Fachkraft, ein anregungsreiches mathematisches Lernumfeld, gehaltvolle Aktivitäten und Interaktionsprozesse sowie ein ganzheitliches und komplexes Verständnis von Mathematik. Darauf möchte ich im Folgenden eingehen, bevor ich die mathematischen Basiskompetenzen näher erläutere.

 

Mathematik als Wissenschaft der Muster

Die Auffassungen zur Frage „Was ist eigentlich Mathematik?“ haben sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. In der Mathematik geht es darum, Regelmäßigkeiten, Wiederholungen, Beziehungen und Strukturen zu erkennen und zu beschreiben. Mathematik ist demzufolge die Wissenschaft schöner und nützlicher Muster und Strukturen, die sich aktiv und interaktiv auf spielerische Weise erschließen und anwenden lassen. Versteht man Mathematik in diesem Sinne, dann werden die entscheidenden Grundideen der mathematischen Bildung im Elementarbereich klar: Mathematik lässt sich mit Kindern im Alltag entdecken, z.B. in der Symmetrie eines Marienkäfers oder einer Schneeflocke oder im Muster einer Eisenbahnbrücke. Mathematik zu betreiben, hat viel mehr mit kreativem Denken, mit gemeinsamem Forschen und Entdecken sowie mit vielfältigen Anwendungen zu tun als mit dem Einüben von Rechenprozeduren oder den sogenannten Vorläuferfähigkeiten.

Mathematik ist demzufolge kein statisch abgeschlossenes System von Definitionen, Formeln und Beweisen, sondern eine sich dynamisch entwickelnde Wissenschaft, in der Problemlöseprozesse, mathematisches Tätigsein und entdeckendes Lernen eine wesentliche Rolle einnehmen. Mathematik ist folglich mehr als die Beschäftigung mit Zahlen, das Zählen und das Rechnen von Aufgaben. Sie umfasst einerseits Inhaltsbereiche, wie Formen und Veränderung (Geometrie); Zahlen und Operationen (Arithmetik); Größen und Messen (Größenbereiche) sowie Daten, Zufall und Wahrscheinlichkeiten (Stochastik) und schließt andererseits wesentliche Prozessziele mit ein: Kreativ sein und Probleme lösen; Kommunizieren und Argumentieren; Begründen und Prüfen sowie Ordnen und Muster nutzen. Hinzu kommen mathematische Denk- und Handlungsweisen, wie z.B. das Klassifizieren und Vergleichen. Das mathematische Lernen im Kindergarten- und später auch im Grundschulalter soll genau diesem komplexen und ganzheitlichen Verständnis von Mathematik Rechnung tragen

 

Mathematische Basiskompetenzen

Nachdem wir nun die Spezifik der frühkindlichen mathematischen Bildung skizziert und das komplexe Wesen der Mathematik als Wissenschaft der Muster thematisiert haben, sollen nachfolgend exemplarisch einige wesentliche mathematische Basiskompetenzen vorgestellt werden. 

Frühe mathematische Bildung umfasst Möglichkeiten zum/zur:

  • Eins-zu-eins-Zuordnung (z.B. den Tisch decken, etwas austeilen)
  • Zählen und Abzählen (z.B. die anwesenden Kinder zählen)
  • Erkennen von Mengeninvarianz (Unveränderbarkeit von Mengen)
  • Reihenfolgen bilden (Seriationen)
  • Simultanerfassung (auf einen Blick erfassen, wie viele es sind)
  • Nutzung des visuellen Gedächtnisses (z.B. beim Memory-Spiel)
  • räumlichen Orientierung (z.B. rechts von, links von, oben, unten, …)
  • Figur-Grund-Unterscheidung (z.B. auf Wimmelbildern)
  • Auge-Hand-Koordination (z.B. beim Ball fangen, auf der Linie entlang schneiden)
  • Vergleichen, Sortieren (Klassifizieren) und Ordnen
  • Anzahlen mit allen Sinnen erfassen (z.B. hören, ertasten)
  • Entdecken von Zahlen in der Umwelt (z.B. bei einer Matheforscher Erkundungstour)
  • indirekten Rechnen (z.B. dreimal 5 Hampelmänner machen)
  • Erfassen und Wahrnehmen von Größen (Längen, Gewichte, Zeitangaben, Volumen, Geld, Flächeninhalte beim Puzzeln)
  • Anwenden von Zahlenwissen (mit Zahlen kann man sagen wie viele es sind, rechnen, Maßangaben machen, etwas codieren, …)
  • Erkennen von Teil-Ganzes-Beziehungen (z.B. Mädchen und Jungen einer Kitagruppe)
  • Erkennen von Mustern (vgl. nachfolgende Beispiele)

 

Abschließend möchte ich noch einige praktische Beispiele für Muster (und somit Mathematik) in der Lebenswelt der Kinder geben, bei welchen kleine Matheforscher viele der oben genannten mathematischen Basiskompetenzen erwerben können.

Naturwissenschaft und Technik

  • Pfotenabdrücke (Fährten) von Tieren erkunden
  • den Tagesablauf und somit den Tag-und-Nacht-Rhythmus erleben
  • Muster , Gesetzmäßigkeiten, Wiederholungen im Zeitablauf (4 Jahreszeiten, 7 Tage, 12 Monate, …) erkennen
  • symmetrische Eigenschaften von Schmetterlingen, Marienkäfer, … erkunden
  • Anordnung und Anzahlen von Blättern bei Blüten und Bäumen erforschen
  • Spinnennetze, Schneeflocken genau beobachten und selbst zeichnen
  • Eisenbahnbrücken, Fensteranordnungen, Fußbodenbeläge, Straßenpflaster untersuchen
  • Insektenhotels bauen
  • Verpackungsmaterialien (Eierkartons, Toffifeepackungen, Muffinbleche, …) sammeln und erforschen
  • Autofelgen, Automarken-Symbole erkunden

Musik

  • Muster im Rhythmus und in der Melodie von Liedern und Musikstücken hören
  • rhythmisches Klatschen, Stapfen, Spielen eines Instrumentes
  • Tanzschritte, z.B. in Kreistänzen, Muster bei Formationstänzen

Sprache und Literacy

  • Reimwörter (z.B. Hand, Sand, Wand, Land, …) finden
  • gleiche Wortstrukturen und Silbenmuster (z.B. Abendbrot –Schmetterling; abwaschen- aufräumen) erkennen
  • Reihenfolgen in Märchen und Geschichten (z.B. auch Kettengeschichten) herausfinden 

Gesundheit und Ernährung

  • Garnieren von Speisen und Anrichten nach Mustern
  • Symmetrie des eigenen Körpers untersuchen
  • auf die Reihenfolge beim Zähneputzen achten 

Kunst und Ästhetik

  • Parkettierungen von Fußböden genau anschauen
  • Hausfassaden und Fenster (z.B. Kirchenfenster) betrachten
  • Mandalas malen
  • Kunstwerke von Künstlern wie Paul Klee, Victor Vasarely, Wassily Kandinsky, … anschauen und nachmalen

Bewegung & Sport

  • Symmetrische Anordnung von Spielfeldern untersuchen
  • Gleichförmige Abläufe beim Werfen, Springen, … bemerken
  • Muster und Figuren beim Eiskunstlaufen, Bodenturnen, … erkennen

Mathematische Kompetenzen zielen auf einen verständnisvollen Umgang mit Mathematik und auf die Fähigkeit, mathematische Begriffe als „Werkzeuge“ in einer Vielzahl von Kontexten einzusetzen. Es geht darum, dass Kinder mit Hilfe von Mathematik Probleme lösen und die Welt erkunden können. Mathematik im Grundschulalter ist also weit mehr als das Erlernen der Kulturtechnik des Rechnens. Kinder im Grundschulalter brauchen demzufolge ebenso wie Kinder im Kindergartenalter herausfordernde Lerngelegenheiten, in denen sie auf individuelle und kreative Weise Mathematik treiben können. Dazu geeignet sind Alltagssituationen und Spiele aber vor allem auch offene mathematische Spiel- und Lernfelder wie sie beim Numeracy-Ansatz in der Präsentation vorgestellt werden.

 

Impulse für die Praxis:

  • Sammeln Sie schöne und interessante Fotos und Bilder (z.B. von Kalendern)! Welche (mathematischen) Muster entdecken Sie?
  • Stellen Sie Muster aus selbst gewählten Materialien (Natur- oder Alltagsmaterialien, Legematerial, …) nach einer bestimmten Regel her! Lassen Sie die Regeln von Ihren kleinen Matheforschern entdecken und die Muster fortsetzen. Dann lassen Sie die Kinder selbst mit diesen Materialien Muster erfinden, legen und aufmalen.
Über die Autorin

Dr. Mandy Fuchs arbeitet als Referentin und Autorin für innovative Bildung und Pädagogik. Sie war viele Jahre selbst im aktiven Schuldienst tätig – zunächst als Grundschullehrerin, später als stellvertretende Schulleiterin. Darüber hinaus war Dr. Mandy Fuchs als Mitarbeiterin und Dozentin in der Lehrerausbildung an der Technischen Universität Braunschweig und der Wilhelmsuniversität Münster tätig, worauf ihre Promotion zum Themenfeld Hochbegabung in der Grundschule aufbaut. Als Inhaberin einer Professur arbeitete die Referentin auch mehrere Jahre im Bereich der frühkindlichen Bildung und Erziehung an der Hochschule Neubrandenburg und bildete dort zukünftige Kindheitspädagogen aus. Zahlreiche Publikationen verfasste sie u.a. zu Themen wie mathematische Begabungen im Kindesalter, frühkindliche Potenzialentfaltung oder Individualität und Kompetenzorientierung bei Kindern.

Hinweise, Feedback und Anregungen gern an: kontakt@mandyfuchs.de

Literaturhinweise und Tipps für weitere Informationen und Materialien zum Thema:

Wald, Tiere und Gemüse: Mit Naturgruppen löst die Kita Umkirch ihr Raumproblem

(c) Ackerdemia

 

Das ganze Jahr draußen in der Natur verbringen? Das können die Kinder in einer Wald-, einer Tier- und einer Gartengruppe der Kita Umkirch in Baden-Württemberg. Wie es dazu kam, wie das funktioniert und welche Tipps Kitaleiterin Beate Rupp-Kappler für andere hat, erfahrt ihr in unserem Kita-Porträt.

Insgesamt 16 Gruppen mit 300 Kindern zwischen einem und sechs Jahren hat Kitaleiterin Beate Rupp-Kappler aktuell unter ihren Fittichen: zehn im Hauptgebäude, drei in einer Außenstelle und – das ist das Besondere an der Kita Umkirch – drei unter freiem Himmel! 2011 übernahm sie die Leitung der Kita, deren Träger die kleine Gemeinde nahe der französischen Grenze in Baden-Württemberg ist. Ihre erste Aufgabe war es, die zwei Kitas des Ortes zusammenzuführen. „Damals gab es noch einen Trend zu weniger Kindern“, erinnert sich Rupp-Kappler. 2013 zog die Kita mit nur neun Gruppen in das heutige Gebäude. Doch schon zwei Jahre später reichte der Platz nicht mehr aus. „Wir waren einfach voll. Die Zahl der Kinder entwickelte sich anders als angenommen.“

 

Drinnen kein Platz? Ab nach draußen!

Doch die Kitaleiterin hatte eine Idee: Eine Waldgruppe könnte ihr Problem lösen! Kurzerhand informierte sie sich und hospitierte bei einer Kita, die viel Zeit im Wald verbringt. Schließlich fand sie eine Viertelstunde Fußweg entfernt ein Waldstück in Gemeindeeigentum und die Gemeinde kaufte einen Waldwagen. „Am Anfang waren die Eltern unsicher. Aber ich habe gesagt: Wir müssen uns ein, zwei Jahre Zeit lassen. Wenn es bis dahin nicht läuft, dann war es ein Flop.“ Das Gegenteil war der Fall: Das Konzept sprach sich rum, und plötzlich gab es sogar eine Warteliste.

Als die Kita weiter wuchs, wurde eine Außenstelle eröffnet und die nächste Naturgruppe sollte her. „Ich wollte nicht noch einmal das Gleiche machen“, erklärt Rupp-Kappler. „Der Wald war noch aus der Not geboren – aber ich wollte schon immer Tiere!“ Der Bürgermeister war gleich begeistert, und so startete 2016 die tiergestützte Gruppe. „Wir haben über den Kleintierzuchtverein zunächst mit Hühnern begonnen.“ Mittlerweile gehören außerdem ein Hund und vier Ziegen zum Ensemble. Es gibt Ferien- und Wochenendpläne, dann kümmern sich die Eltern mit ihren Kindern um die Tiere. „Ich träume ja noch von Schweinen …“, sagt Rupp-Kappler schmunzelnd.

 

Selbst angebautes Gemüse zum Mittag

Doch 2018 stand erstmal etwas anderes auf dem Programm: „Der Andrang wurde immer größer, das Haupthaus kann nicht weiter ausgebaut werden, also haben wir gesagt: Wir wagen es noch mal, eine Naturgruppe zu gründen.“ Bei einem Kita-Leitungs-Kongress erhält Beate Rupp-Kappler einen Flyer von der GemüseAckerdemie und weiß sofort: Genau, das ist es! „Das gibt es doch sonst nicht. Klar, mal ein kleines Beet, aber keinen Kindergarten, der seine Felder bestellt“, schwärmt sie. Das Team der GemüseAckerdemie bezog sie gleich zu Beginn bei der Suche nach einer geeigneten Ackerfläche ein. Ende 2018 startete dann die Gartengruppe.

„Das Ackern ist toll: Wie bei den Tieren tragen die Kinder die Verantwortung für etwas, das wächst. Das ist auch mein Anspruch, den Kindern etwas mitzugeben. Wo kommt eine Zucchini, eine Tomate her?“ Die reiche Ernte verkochen die Erzieher*innen mit den Kindern in einem Dutch-Oven direkt auf der Feuerstelle. Was übrig bleibt, nehmen die Eltern mit nach Hause. „Es ist toll, dass es Gemüse gibt, das man so noch gar nicht gekannt hat. Ich sage nur: Palmkohl! Und zu sehen, dass die Kinder das alles auch probieren!“

Am eindrücklichsten ist Beate Rupp-Kappler aus dem ersten AckerJahr der trockene Sommer in Erinnerung geblieben: „Ich hätte das nie im Leben gedacht: Wir mussten kein einziges Mal gießen!“ Direkt nach der Pflanzung habe es noch geregnet, sodass die Pflanzen gut versorgt waren und die Saat aufging. „Ich war wirklich sprachlos. Ohne Düngen, ohne alles. Die Kinder haben nur gehäckelt und gemulcht – das hat gereicht!“ (*Wie genau das funktioniert, erklären wir unten in unserem AckerTipp!)

Ob das auch dieses Jahr klappt? „Es hat jetzt seit fünf Wochen nicht geregnet“, erzählt Rupp-Kappler. Anfang Mai steht der erste Pflanztermin für die neue AckerSaison an – in der aktuellen Situation werden andere Kinder dabei sein als sonst. „Die Erzieher*innen haben den Acker schon umgegraben und wir bepflanzen ihn dieses Mal mit den Kindern aus der Notbetreuung.“

 

Ein Konzept zum Nachahmen

Alle drei Naturgruppen sind ganzjährig draußen und verfügen jeweils über einen beheizbaren Waldwagen. Die Kinder werden täglich bis halb zwei betreut. „Bei der Gartengruppe handelt es sich sogar um eine ganz autarke Gruppe. Die Kinder werden dorthin gebracht und auch dort wieder abgeholt“, erklärt Rupp-Kappler. „Als der Wahnsinns-Sturm tobte, haben wir die drei Gruppen natürlich ins Gebäude geholt. Aber sonst sind sie immer draußen.“

An der Kita Umkirch ist das Naturgruppen-Konzept aufgegangen. Selbst bei der Finanzierung ihrer Ideen sei Beate Rupp-Kappler auf Unterstützung gestoßen: „Es war ja klar, dass wir weitere Gruppen brauchen und dass der Gemeinderat Geld zur Verfügung stellen muss. Ich habe dann die Finanzierung von Umbaumaßnahmen dagegengehalten – die wären deutlich höher ausgefallen.“

Das Raumproblem wurde gelöst, ein ganz besonderes Angebot ist entstanden und Eltern sowie Kinder sind überzeugt. Tipps für Nachahmer*innen hat die Kitaleiterin auch in petto: „Einfach den Mut zu haben, es zu probieren! Und dem zwei Jahre Zeit zu geben. Es ist toll, den Kindern auf diese Weise etwas mitzugeben und so einen Beitrag zu ihrem ökologischen Bewusstsein zu leisten.“ Unterstützung sei außerdem das A und O. „Die Fortbildungen und Materialien für die Kinder von der GemüseAckerdemie fand ich total wichtig. Klar, einige Erzieher*innen haben auch schon vorher ein wenig gegärtnert. Aber das ist nicht vergleichbar.“

 

AckerTipp: Hacken und Mulchen für wassersparenden Gemüseanbau

Im Boden befinden sich feine, senkrechte Tunnel durch die Feuchtigkeit verdunstet. Beim regelmäßigen Hackenwerden diese sogenannten Kapillaren durchtrennt und die Feuchtigkeit bleibt in den unteren Bodenschichten: Sie steht den Wurzeln zur Verfügung und ein Wässern der Pflanzen ist nur selten nötig.

Zusätzlich können die Beete gemulcht werden. Achtung, hier ist nicht von Rindenmulch die Rede, sondern zum Beispiel von altem Laub, Rasen- oder Strauchschnitt. Dieses Mulchmaterial kann um die Pflanzen herum auf den Beeten gesammelt werden. Viele Gemüsepflanzen, wie Kürbis und Tomaten, lieben so eine dicke Mulchschicht, da sie Nährstoffe enthält und vor Wind und Kälte schützt. Außerdem verhindert sie das Austrocknen des Bodens und Unkrautwuchs.

 

Ackerdemia e. V. und das Bildungsprogramm GemüseAckerdemie

„Eine Generation, die weiß, was sie isst” – genau so lautet das Ziel des gemeinnützigen Vereins Ackerdemia, der 2020 mit seinem vielfach ausgezeichneten Bildungsprogramm GemüseAckerdemie fast 650 Kitas und Schulen in ganz Deutschland auf den Acker schickt. Innerhalb eines Jahres bauen die Kinder dabei bis zu 30 verschiedene Gemüsearten eigenständig an und lernen alles rund um Natur, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit. Ackerdemia unterstützt Schulen und Kitas mit einem umfangreichen Service bei der Einrichtung, Durchführung und nachhaltigen Etablierung des Bildungsprogramms.

Sie möchten ab dem Sommer gemeinsam mit Ihren Kita-Kindern an der GemüseAckerdemie teilnehmen? Dann melden Sie sich zeitnah unter kita@ackerdemia.de und sichern Sie sich einen der letzten bezuschussten Plätze für dieses Jahr.

www.gemueseackerdemie.de