2019

Wenn es mit dem Lernen nicht so richtig klappen will

Vom Umgang mit Entwicklungsproblemen

Es gibt Kinder, bei denen grundlegende Hilfestellungen nicht ausreichen. Wenn das Kind anhaltende Schwierigkeiten beim Lernen hat, dann sollten Sie nochmals die besonderen Stärken und Schwächen des Kindes beobachten. Falls dann noch Fragen offen sind, sollte ein Spezialist gezielt Untersuchungen und Entwicklungstests durchführen. Es könnte eine spezielle „Lernstörung“ vorliegen.

Durch solche ausführlichen Analysen können wir bei den meisten Kindern eine geistige Lernbehinderung ausschließen und ebenso eine Erkrankung des Gehirns oder der Sinnesorgane. Die meisten Kinder überraschen uns sogar mit erstaunlichen Fähigkeiten: Sie sind clever, phantasievoll und empfindsam. Sie haben „nur“ ein spezielles Entwicklungsproblem, das aber riesige Schwierigkeiten bereiten kann.

Solche Kinder haben weniger Lernerfolge als ihre Mitschüler, meist ein geringes Selbstbewusstsein und oft viel Frust. Sie sind nicht absichtlich schwierige Kinder, die bewusst ihre Lehrer und Eltern ärgern wollen. Ihr Problem nimmt allerdings oft so viel Raum ein, dass sie selbst denken, sie seien dumm und könnten nichts.

Den Eltern geht es oft nicht anders. Sie sind enttäuscht und manchmal verzweifelt. Sie machen sich viele Gedanken und haben in der Regel schon alle möglichen Tipps angewandt. Hilflosigkeit, Ärger und Selbstvorwürfe sind dann an der Tagesordnung.

Diese Probleme können nicht mit Erziehungsfehlern oder mangelndem Üben zu Hause erklärt werden. Im Gegenteil: Eltern von „gehandicapten“ Kindern sind meist besonders engagiert.

Oft bringt schon allein das Analysieren der Leistungsmöglichkeiten und des Verhaltens eine Entlastung. Kinder und Eltern wissen dann, auf welche besonderen Stärken sie bauen können und wie sie – in Zusammenarbeit mit Fachleuten – eine individuelle Förderung und Unterstützung aufbauen können.

Was gibt es nun für besondere Entwicklungsprobleme?

Ungefiltert sehen, hören, fühlen – was ist eine Wahrnehmungsstörung?

Bei vielen Kindern mit Lernproblemen tauchen die Begriffe „Wahrnehmungsstörung“ oder „Sensorische Integrationsstörung“ auf.

Was ist damit gemeint?

Wahrnehmungsverarbeitung ist die  Grundlage für Entwicklung und Verhalten. Jeder über unsere Sinnessysteme aufgenommene Eindruck ist eine Wahrnehmung, die das Gehirn verarbeiten muss.

Genau genommen hat jedes Kind mit einem Entwicklungsproblem in irgendeinem Bereich eine mangelnde Verarbeitung der Sinneseindrücke und somit eine „Wahrnehmungsstörung“.

Bei unseren Untersuchungen und Tests bekommen wir ein gutes Bild über die individuelle Informationsverarbeitung und das Zusammenspiel der Sinnessysteme. Lernt das Kind besser über den Körper- und Bewegungssinn, über den Gleichgewichtssinn, über die Hörwahrnehmung oder über die Seheindrücke? Gibt es in diesem Zusammenspiel Defizite?

Erst, wenn diese Fragen geklärt sind, können entwicklungsauffällige Kinder individuell – abgestimmt auf ihre persönlichen Bedürfnisse – gezielt unterstützt werden.

Unsere Erfahrungen mit „wahrnehmungsgestörten“ Kindern bringen uns zunächst immer wieder auf die wichtige Funktion des „Ordnungszentrums“ zurück. Jedes Kind hat es beim Lernen leichter, wenn es konzentriert ist und Reize filtern kann, ehe es sie weiter verarbeitet und speichert. Für die Förderung gehandicapter Kinder ist es besonders wichtig, die Aufmerksamkeitsfähigkeit zu trainieren.

Hyperaktiv oder verträumt? A•D•S – das Aufmerksamkeits•Defizit•Syndrom

Fabians Eltern sind sehr um ihn bemüht. Trotz vieler Hilfen bei der Organisation seines Schulalltags gab es immer wieder Ärger. Sein Hausaufgabenheft führt er mittlerweile gut und vergisst ganz selten, seine Hausaufgaben zu machen. Aber in seiner Klasse wird er – einmal in die Rolle des schwarzen Schafes gerutscht – für jeden Blödsinn verantwortlich gemacht. Auch, wenn er es gar nicht war. Er kann sich nicht konzentrieren und nicht stillsitzen.

Jannik besucht die zweite Grundschulklasse. Seit der Einschulung machen sich die Eltern immer größere Sorgen um ihn. Trotz Hilfestellungen von Eltern und Lehrerin kann Jannik immer nur ein paar Minuten lang aufpassen. Obwohl alle sich Mühe geben, erledigt er nur einen Teil der Aufgaben. Entweder zappelt er auf seinem Stuhl hin und her, oder er träumt vor sich hin. Wenn er etwas zum Unterricht beitragen möchte, ruft er einfach in die Klasse. Er kann einfach nicht abwarten.

Die Lehrerin wird mit Jannik immer ungeduldiger, weil er in den Pausen fast in jeden Streit verwickelt ist. Er lässt sich schnell provozieren, reagiert impulsiv, manchmal auch aggressiv.

Jannik hat keinen richtigen Freund. Zu Hause ist es ähnlich anstrengend. Es fällt ihm schwer, Regeln einzuhalten. Meist hört er nicht hin und vergisst alles, was für ihn nicht besonders spannend ist. Seine Eltern sind der Verzweiflung nahe.

Max hat ähnliche Probleme wie Fabian und Jannik. Mit unserer neurologischen und psychologischen Untersuchung haben wir ein „Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom“ festgestellt (ADS).

Diese Aufmerksamkeitsstörung ist gar nicht so selten: ca. 8-10% aller Kinder leiden darunter. Statistisch gesehen sind also zwei Kinder einer normalen Schulklasse betroffen.

ADS-Kinder zappeln nicht mit Absicht herum. Eigentlich möchten sie sich auch gar nicht auffällig verhalten oder vor sich hin träumen. Sie haben eine Störung in ihrem Aufmerksamkeitszentrum. Am liebsten würden sie genauso „funktionieren“ wie ihre erfolgreicheren Klassenkameraden.

Grund der Störung ist eine mangelnde Filterung eintreffender Reize im Steuerungszentrum. Die betroffenen Kinder nehmen viele Reizeindrücke auf einmal wahr und bekommen dadurch einen „Datensalat“, so dass sie Informationen nicht einordnen und wiederfinden können. Sie wirken sehr vergesslich, unkonzentriert, impulsiv und oft auch sehr unruhig. Einige Kinder mit ADS (oft sind es Mädchen) haben keinen übertriebenen Bewegungsdrang, sind eher verträumt und bekommen dadurch viele Informationen nicht mit. Durch ihre „inneren Bilder“ sind sie abgelenkt, schaffen es nicht, ihr Aufmerksamkeitszentrum gezielt einzuschalten, und verlieren sich in ihrer Gedankenwelt.

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass der Störung ein Ungleichgewicht der Überträgerstoffe an den Nervenenden zugrunde liegt – eine „Neurotransmitter“-Störung, die intensivere therapeutische Hilfen nötig macht.

Um diese Kinder vor einer „inneren Reizüberflutung“ und einem Durcheinander ihrer Sinneseindrücke zu schützen, sind Strukturierungsmaßnahmen besonders wichtig. So lernen die Kinder, sich und ihre Umwelt besser zu sortieren und ihre Stärken und Schwächen einzuordnen. Das ist nicht immer so einfach. Oft ist ein spezielles, zusätzliches Training für Kind und Eltern sehr hilfreich.

Max hat im Laufe eines Jahres gelernt, seine Aufmerksamkeits-Schwäche zu kompensieren. Seine besonderen Stärken und Begabungen sind jetzt für alle deutlich sichtbar. Seine Eltern und er haben bei der Gestaltung des „Tages- und Lernmanagements“ begeistert mitgemacht. Sie hatten immer wieder neue und gute Ideen. Zusätzlich hat Max an einem speziellen Trainingsprogramm für ADS-Kinder teilgenommen. Max erledigt jetzt seine Hausaufgaben in angemessener Zeit. Er hat viel mehr Freiraum, sich auf dem Fußballplatz auszutoben. In der Klasse muss er auch nicht mehr ständig den Kasper spielen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Es gibt längst nicht mehr so viel Ärger.

Bei einigen Kindern mit ADS gibt es trotz Trainings- und Therapiemaßnahmen immer wieder Schwierigkeiten. Um weiteren Frustrationen und Problemen in der Persönlichkeitsentwicklung vorzubeugen, sind dann Medikamente als zusätzliche Unterstützung unumgänglich. Sie gleichen die angeborene Störung im Neurotransmitter-Stoffwechsel gut aus.

Melissa (6 Jahre) wurde uns vor der Einschulung vorgestellt. Sie ist an allem interessiert. Sie spielt sehr phantasievoll und erfindet schon selbst kleine Geschichten. Sie ist sprachlich sehr gewandt und hat den Drang, immer und zu allem etwas zu sagen. Es kommt kaum jemand anderes zu Wort. Das führt im Kindergarten und zu Hause zu Problemen. Melissa will über alles bestimmen und kann Anweisungen ihrer Mutter oder der Kindergärtnerin nicht befolgen. Da sie immer dominieren will, findet sie keine Freundin und ist darüber ganz traurig.

Durch ihre Zappeligkeit geht sie vielen auf die Nerven. Je mehr Melissa erlebt, umso unruhiger und „chaotischer“ reagiert sie. So werden z. B. Kindergeburtstage für die Eltern zum Alptraum.

Melissa ist schnell durcheinander, weil sie alles auf einmal wahrnimmt und auch alles gleichzeitig machen möchte. Sie lässt sich zum Beispiel beim Malen keine Zeit, wird ganz hektisch und bringt alle Dinge, die ihr gerade einfallen, schnell zu Papier. Das Bild ist sehr phantasievoll und ausdrucksstark – nur etwas durcheinander.

Wir haben mit Melissa und ihren Eltern einen Plan entworfen, wie sie abwarten lernen und überlegter reagieren kann. Dafür muss sie zu Hause lernen, Regeln zu akzeptieren. Der Tagesablauf dient als „Orientierungsgerüst“ mit immer wieder gleichen Abläufen (Aufstehen, Anziehen, Zähneputzen, Essen). Hält sie sich an die Spielregeln, wird sie belohnt. Nach mehreren Wochen konsequenter Übung kann sie sich besser am Gespräch beteiligen und auch mal abwarten. Sie lernt, überlegter und ruhiger zu erzählen und akzeptiert zwischendurch auch mal einen Spielvorschlag ihrer Schwester.

In Gruppen von mehr als drei Kindern findet sie sich allerdings nach wie vor schwer zurecht. Sie dominiert, fühlt sich aber gleichzeitig immer ungerecht behandelt. Ihre Konzentrationsfähigkeit hält meist nur ein paar Minuten lang an.

Neben den beschriebenen „Trainingsmaßnahmen“ haben wir eine medikamentöse Therapie begonnen. Jetzt fällt Melissas Aufmerksamkeitsschwäche kaum noch auf. Sie kann alle Aktivitäten mitmachen, provoziert keinen Ärger mehr und freut sich auf die Schule, wo sie endlich lesen lernt.

(Mehr über ADS finden Sie in unserem „A•D•S-Buch – neue Konzentrationshilfen für Zappelphilippe und Träumer“, erschienen bei Oberstebrink.)

Schriepen ist schwer! – Was ist eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS)?

Adriana stopft sich mit Süßigkeiten voll – aus Frust über ihre ständigen Fünfer im Diktat. Dadurch, dass sie die Rechtschreibung auch mit viel Üben nicht in den Kopf bekommt, dass auch das Lesen noch sehr schleppend und mühsam ist, scheitert sie meist zusätzlich in Mathe wegen der Textaufgaben. Es ist zum Heulen!

Melanie leidet schon in der 1. Klasse an ihren Misserfolgen im Schreiben. Sie kann sich die Wörter nicht merken und erinnert sich an manche Buchstaben gar nicht mehr. Sie verdreht Silben und braucht unglaublich viel Zeit beim Schreiben.

Kevin besucht die 2. Klasse. Er geht seit einigen Wochen nicht mehr so gern in die Schule. Er beteiligt sich sehr lebhaft am Unterricht, hat aber große Probleme, fehlerfrei zu schreiben. Mittlerweile wird er beim Vorlesen öfter ausgelacht, weil er ins Stottern kommt. Er hat morgens Angst vor der Schule. Die Lehrerin ist, bis auf das noch sehr stockende Lesen, zufrieden mit ihm. Bei geübten Diktaten macht er nur wenige Fehler. Allerdings muss er diese Diktate zu Hause zehnmal so häufig üben wie sein Freund Sven. Wenn er Wörter noch nicht auswendig schreiben kann, macht er sehr viele Fehler. In der Regel verwechselt er ähnlich klingende Laute, wie K und G. Meist vergisst er einzelne Silben – besonders die Endungen – oder verdreht die Reihenfolge von Buchstaben. Langsilbige Wörter kann man bei ihm deshalb nur schwer entziffern.

Markus, mittlerweile in der 4. Klasse, wäre froh, wenn er endlich zaubern könnte und nicht ständig Diktat üben müsste. Trotz vieler Nachhilfestunden und wiederholtem Abschreiben der fehlerhaften Wörter im Diktat wird seine Note in Deutsch nicht besser. Er kann tolle Aufsätze schreiben. Leider werden diese wegen der Rechtschreibfehler auch nur mit einer schwachen Vier bewertet. Es ist zum Weglaufen.

Adriana, Melanie, Kevin, Justin und Markus sind altersgemäß entwickelt und verfügen über eine normale Intelligenz. Sie gehören zu den Kindern mit einer sogenannten „umschriebenen Teilleistungsschwäche beim Erlernen des Lesens und Schreibens“. Diese Lernschwäche nennt man auch „Lese-Rechtschreib-Schwäche“ oder „Legasthenie“.

Für solche Kinder ist es sehr schwierig, die Lautsprache in Schriftsprache umzusetzen. Etwa zehn Prozent aller Schüler haben Schwierigkeiten, das Lesen und Schreiben schnell zu lernen – bei ansonsten guten Leistungen in den anderen Fächern. Für die betroffenen Kinder ist es wichtig, dass das Teilleistungsproblem möglichst schnell erkannt wird. Nur so sind Folgestörungen, wie Schulunlust, schwaches Selbstbewusstsein und psychosomatische Beschwerden, zu vermeiden.

Bei genauem Hinsehen fällt den Eltern meist schon am Ende der ersten Klasse auf, dass ihr Kind besonders viel Mühe hat, richtig und lautgetreu zu schreiben. Das Lesen wird meist vermieden. Die Kinder lernen den Text aus dem Lesebuch schnell auswendig. Bei neuen mehrsilbigen Wörtern ist das Zusammenziehen der Silben sehr holprig. Sie sind noch so mit dem Erlesen einzelner Wörter beschäftigt, dass sie Mühe haben, einen ganzen Satz zu verstehen und den Sinn zu behalten. Sie schmökern nie in einem Buch mit viel Text.

An einem Beispiel aus unserer Praxis erkennen Sie, wie man eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) bei Kindern feststellen kann. Kinder mit dieser Schwäche sind nicht weniger intelligent als ihre Mitschüler. Sie kennen alle Begriffe und deren Bedeutung und sie kennen auch alle Buchstaben. Allerdings können sie – aufgrund ihrer Wahrnehmungsstörung – die einzelnen Buchstaben nicht richtig ordnen und verknüpfen.

Alle Kinder mit solch einer „Lese-Rechtschreib-Schwäche“ sind in sämtlichen anderen Berei­chen normal entwickelt. Dies zeigt u. a. der Intelligenztest. Die Kinder sind clever und können gut logisch denken. Nur im Rechtschreibtest erreichen sie im Vergleich zu ihren gleichaltrigen Mitschülern weniger als 15 Prozent der möglichen Punkte. Das heißt, mehr als 85% der Klassenkameraden haben bessere Rechtschreibleistungen.

Das Problem liegt in der Verarbeitung von aufgenommenen Informationen (siehe Kapitel 2). Viele „Legastheniker“ haben eine Störung in der Hörverarbeitung. Sie nehmen z. B. den Laut „o“ als „u“ wahr oder „g“ als „k“ und schreiben ihn so hin. Unglücklicherweise ist häufig darüber hinaus die Merkfähigkeit für Reihenfolgen nicht gut ausgeprägt, so dass sie Wortbilder in ihrem fotografischen Gedächtnis schlecht abspeichern können. Dies ist ein weiteres „Handicap“ auf dem Weg zur richtigen Rechtschreibung. Es wird dann z. B. aus dem Wort „Mus“ der Begriff „Nuss“. Markus las früher z. B. „ni“ statt „in“; oder „Musa“ statt „Maus“.

Kinder mit dieser Teilleistungsstörung brauchen gezielte Hilfen, um Kompensationsstrategien zu erlernen, mit denen sie ihre Schwäche ausgleichen können.

Das Beherrschen der Rechtschreibung wird auch durch spezielle Förderung nicht zu einer ihrer herausragenden Stärken. Die Kinder lernen aber, mit ihrer Schwäche umzugehen und Hilfsstrategien anzuwenden. Dazu sind aber besonders gute Aufmerksamkeitsleistungen nötig. Die Kinder brauchen eine gute Arbeitsstrukturierung, um besser zuhören und zuschauen zu können. Sie profitieren von festen Arbeitszeiten und Regelmäßigkeit beim Lernen.

Bei der Förderung vergisst man allerdings manchmal das Allerwichtigste: Den Ausgleich zum konzentrierten Lernen – das Unterstützen der Lernmotivation durch andere Aktivitäten, die Spaß machen, und bei denen die Kinder schnell Erfolgserlebnisse haben.

Denken Sie immer daran: Ohne Erfolgserlebnisse keine Erfolgsergebnisse.

9 + 5 = 16? Was ist eine umschriebene Rechenstörung (Dyskalkulie)?

Wenn ein Kind im Musik- oder Sportunterricht keine guten Leistungen zeigt, ist das für die meisten Eltern kein Grund zur Beunruhigung. Anders dagegen sind die Reaktionen auf schlechte Noten in „Deutsch“ oder „Mathematik“.

Sowohl das Kind als auch die Eltern sind enttäuscht. Sie machen sich Sorgen um die weitere Schulkarriere und die Zukunft ihres Kindes.

Dennis und Ines, sitzen häufig besonders lange an ihren Rechenaufgaben. Für Ines fingen die Schwierigkeiten schon in der 1. Klasse an, als die Aufgaben den 10er-Raum überschritten. Sie konnte nicht mehr schnell genug mit den Fingern rechnen. Auch jetzt, in der 3. Klasse, sind ihr Zahlenverständnis und ihre Mengenvorstellung eine Katastrophe. In Mathe muss sie sich alles noch mühsam erarbeiten. Sie braucht viel Anschauungsmaterial, sonst versteht sie die Aufgaben erst gar nicht.

Ähnlich wie bei der Lese-Rechtschreib-Schwäche gibt es Schulkinder, denen – bei sonst gutem Leistungsvermögen – das Rechnen sehr schwer fällt. Diese isolierte Lernstörung nennt man auch Dyskalkulie.

Den betroffenen Kindern fehlt eine Zahlen- und Mengenvorstellung. Sie haben einen schlechten räumlichen Orientierungssinn und brauchen z. B. beim Überschreiten des Zehners, wenn die Finger nicht mehr ausreichen, konkrete Anschauungshilfen, wie den „Zahlenstrahl“ oder auf einer Kette aufgereihte Perlen.

Obwohl ca. 1-4% aller Schulkinder davon betroffen sind, wird diese umschriebene Teilleistungsstörung in der Regel übersehen oder mangels Wissen ignoriert. Diese Kinder werden oft als minderbegabt eingestuft. Es scheint so, als ob mathematische Leistungen allen anderen Fächern voran als das Kriterium für allgemeine Intelligenz angesehen und Kinder mit diesem isolierten Lernproblem schlicht für dumm erklärt würden. Ihre allgemeinen guten Denkfähigkeiten werden dabei oft übersehen.

Neben der therapeutischen Unterstützung muss den Kindern deshalb immer von Neuem bestätigt werden, dass sie nicht dumm sind, sondern nur ein isoliertes Problem haben. Sie brauchen eine gute Selbsteinschätzung, um nicht durch Frustrationen in der Schule generell die Lernmotivation zu verlieren.

Das Wichtigste in Kürze

Spezielle Lernstörungen wie etwa die Lese-Rechtschreib-Schwäche sind kein Anzeichen für mangelnde Intelligenz, sondern für eine Teilleistungsstörung. Kinder mit solchen Schwächen sind meist in anderen Bereichen sehr gut entwickelt und haben Fähigkeiten, die Sie fördern und entwickeln können. Gemeinsam mit Fachleuten können Sie diesem Kind helfen, seine Schwäche zu akzeptieren und damit umzugehen. So können Sie das Selbstvertrauen des Kindes für die anderen Entwicklungsbereiche stärken.

Diesen Artikel haben wir aus folgendem Buch entnommen:

Auch das Lernen kann man lernen
Was Sie tun können, damit Ihr Kind gut und gern lernt
Aust-Claus, Elisabeth, Hammer, Petra-Marina
Oberstebrink
ISBN: 9783934333529
19,95 €

Mehr dazu auf www.oberstebrink.de



AWO veröffentlicht UN-Kinderrechtskonvention in Leichter Sprache

Kostenlose Broschüre

2019 ist ein Jahr der Menschenrechte. In diesem Jahr feiern die Kinderrechtskonvention ihren 30. und die Behindertenrechtskonvention in Deutschland ihren zehnten Geburtstag. Anlässlich dieser Jubiläen veröffentlichen der AWO Bundesverband und das Bundesjugendwerk der AWO die Übersetzung der Kinderrechte in Leichter Sprache.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat die Kinderrechtskonvention am 20. November 1989 verabschiedet. Der Kampf um und für Kinderrechte treibt die Arbeiterwohlfahrt seit vielen Jahren an. Seit 30 Jahren gibt es die weltweit geltende Kinderrechtskonvention. Es ist wichtig, dass Kinder ihre Rechte und auch Erwachsene die Rechte von Kindern kennen. Die AWO möchte durch die Übersetzung der Kinderrechtskonvention in Leichte Sprache dazu beitragen, dass mehr Kinder und erstmals auch Menschen mit Lernschwierigkeiten Zugang zur Kinderrechtskonvention haben.

Auch für das Bundesjugendwerk der AWO ist die Übersetzung der Kinderrechte eine wichtige Voraussetzung dafür, Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihre Rechte wahrzunehmen und durchzusetzen. Nur wer seine Rechte kennt und mit ihnen vertraut ist, kann selbstwirksam für sich und dann auch für andere eintreten. Die Übersetzung fördert die Eigenständigkeit von Kindern und Jugendlichen und schafft Bewusstsein für ein demokratisches Miteinander. Jeder Mensch hat das Recht, gehört zu werden und für die eigenen Bedürfnisse einzutreten.

In Deutschland engagieren sich viele Menschen für Kinderrechte und arbeiten daran, dass diese im Kinderalltag gelebt werden. Deswegen hofft die AWO, dass die Kinderrechtskonvention in Leichter Sprache viele Impulse zur Förderung, Wahrung und des Schutzes von Kinderrechten unterstützt. Sie wünscht sich, dass diese von vielen Verbänden, Initiativen und Institutionen als Instrument der inklusiven Menschenrechtsbildung eingesetzt wird, damit Deutschland kinderfreundlicher wird; damit Kinder ihre Rechte kennen und diese auch einfordern können. Aus diesem Grund setzt sich die AWO seit langer Zeit aktiv dafür ein, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern.

Die Übersetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Leichter Sprache ist kostenlos unter werbung@awo.org unter Angabe der gewünschten Menge zu bestellen (Bestellnummer: 12107). Versandkosten werden in Rechnung gestellt.

Lehrermangel in Grundschulen bis 2030 größer als bislang erwartet

Analyse der Bertelsmann Stiftung legt Planungsfehler offen

Der Lehrermangel in Grundschulen wird laut einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung im Laufe der nächsten sechs Jahre dramatischer als bislang angenommen. Im Jahr 2025 fehlen mindestens 26.300 Absolventen für das Grundschullehramt. Die Kultusministerkonferenz (KMK) ist in ihrer Prognose aus dem Oktober 2018 hingegen von lediglich rund 15.300 fehlenden Lehrkräften ausgegangen. Diese Diskrepanz ist auf einen stärkeren Anstieg der Schülerzahlen zurückzuführen. Ging die KMK im vergangenen Jahr noch davon aus, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in der Primarstufe im Jahr 2025 bei 3,064 Millionen liegen würde, zeigt eine Schülerzahlenprognose auf der Basis der aktuellen Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Bundesamts, dass die Zahl der Grundschulkinder rund 3,232 Millionen betragen dürfte. Dies entspricht einem Plus gegenüber der KMK-Schätzung von rund 168.000 Schülern.

 

Auch 2030 werden die Schülerzahlen absehbar höher liegen als von der KMK erwartet: Statt den von ihr geschätzten 3,019 Millionen muss dann im Primarbereich mit 3,181 Millionen Schulkindern gerechnet werden. Zu diesen Ergebnissen kommen die beiden Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn in ihrer für uns erstellten Analyse, in der sie die Prognose der KMK mit der Schülerzahlentwicklung vergleichen, die sich aus der jüngsten Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Bundesamts ableiten lässt. Wenn es bis 2025 nicht gelingt, die bis dahin entstandene Lehrkräftelücke zu schließen, droht der Lehrermangel bis 2030 fortzubestehen. Dem von der KMK bisher prognostizierten Absolventenüberschuss von 6.750 Grundschullehrkräften für die Jahre 2026 bis 2030 steht nach den jetzigen Berechnungen ein zusätzlicher Bedarf von 10.600 Lehrkräften entgegen – und schulpolitische Ambitionen wie der Ganztagsschulausbau sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Bertelsmann-Vorstand Jörg Dräger ordnet die neuesten Zahlen ein: „Die Bewältigung des Lehrermangels ist eine Herkulesaufgabe. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler wächst dynamischer als angenommen. Gleichzeitig dauert es noch etliche Jahre, bis die zusätzlich eingerichteten Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen auch mehr Absolventen hervorbringen. Wir brauchen daher schnelle Lösungen, um gute Bildung für alle gewährleisten zu können.

Überraschungen bei Bedarfsprognosen künftig vermeiden

Um dem Lehrermangel kurzfristig begegnen zu können, ist ein ganzes Bündel an Maßnahmen nötig. Eine entscheidende Rolle spielt die Qualifizierung von Personen ohne Lehramtsbefähigung für die Grundschule. Das betrifft neben Gymnasiallehrkräften auch die sogenannten Quereinsteiger, also Personen mit Fachstudium, aber ohne Lehramtsabschluss. Diese gelte es, so Dräger, umfassend berufsbegleitend zu qualifizieren und mit Mentorenprogrammen erfolgreich in die Kollegien zu integrieren. Auch sollten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um das Potenzial der bereits aktiv tätigen Grundschullehrkräfte auf freiwilliger Basis besser auszuschöpfen: Angehende Ruheständler könnten so ermuntert werden, länger zu unterrichten. Unterstützungsmaßnahmen zur Vereinbarkeit von Lehrerjob und Familie können Lehrkräften in Teilzeit ermöglichen, ihr Unterrichtspensum zu erhöhen. Dräger fordert zudem: „Zukünftig sollten die Bedarfsprognosen jährlich aktualisiert werden, um schneller auf die demographische Entwicklung reagieren zu können.“ Nur so ließen sich Überraschungen vermeiden und mehr Zeit für politische Reaktionen gewinnen.

Trotz Lehrermangel Ganztagsschulausbau vorantreiben

Die Berechnungen zum Lehrerbedarf gehen bei Klassengröße und Unterrichtsversorgung von einer Aufrechterhaltung des Status quo aus. Dräger fordert, andere bildungspolitische Ambitionen nicht aus den Augen zu verlieren: „Auch der Ganztagsschulausbau wird weitere Lehrkräfte erfordern. Gerade sozial benachteiligte Kinder profitieren von guten Ganztagsschulen, in denen Lehrkräfte auch außerhalb des Pflichtunterrichts zum Einsatz kommen.“

Dr. Dirk Zorn, Bertelsmann Stiftung

Wie wir werden, wer wir sind

Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz

Im Einstieg seines Buches legt der Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt Joachim Bauer ganz im Sinne der Bindungstheorie viel Gewicht auf die Bindung zu einer Person. Dabei lässt er zunächst die Bedeutung von Bindung in anderen Kulturen, in denen Kinder etwa in Familien- und Dorfverbänden mit Bezug zu mehreren Personen und vor allem zu älteren Kindern aufwachsen außer acht. Im letzten Teil seines Werks verweist der Autor dann aber doch auf den wichtigen prägenden Einfluss der Kulturen.

Da der Aufbau des Selbst-Systems ein durchaus anfälliges Gebilde ist, wie es der Autor an vielen Beispielen von Fehlentwicklungen belegt, ist dringend ein achtsamer Umgang durch gut ausgebildetes und aktives Personal vor allem in den Einrichtungen geboten, die Kleinkinder besuchen. Denn hier geht es nicht nur um Füttern und Wickeln, sondern um eine der wichtigsten Zeiten in der kindlichen Entwicklung.

Bauer geht auf die heutigen Versuchungen der digitalen Welt ebenso ein, wie auf Verlockungen durch populistische Redenschwinger und analysiert die dahinter liegenden Bedürfnisse. Er warnt vor der Entwicklung, die Digitalisierung an Grundschulen und in Kindertageseinrichtungen voranzutreiben. Wer sich nicht auf die wirklich wichtigen Basisbereiche versteht, richtet mit der Digitalisierung in diesen Bereichen nur Schaden an. Er beschreibt treffend Entwicklungen und Versuchungen, spricht aber auch Lösungsvorschläge wie eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels in Kitas und eine Erhöhung der Ressourcen an Schulen an.

Im Ganzen hat Bauer hier wieder ein wichtiges und sehr lesenswertes Buch vorgelegt. Auch wenn seine Belege zeigen, dass es ungemein wichtig ist, viel Wert auf die ersten Lebensjahre zu legen, so lässt er die Erbanlagen, die nun einmal auch einen wesentlichen Teil unserer Persönlichkeit bestimmen, zu sehr in den Hintergrund treten. Trotz der Sichtbarmachung des Selbst-Systems im Gehirn und dessen Entwicklung, zeigt sich noch nicht, welche genaue genetische Ausstattung den glücklicheren Menschen entstehen lässt und in wie weit auch bei günstigen Bedingungen im Elternhaus nicht auch selbstzerstörerische Tendenzen auftreten können. Dies wird sicher noch weiterer detaillierter Beobachtungen von Kindern und Jugendlichen bedürfen, gerade unter dem Gesichtspunkt, dass sich Erziehungsstile gewandelt haben und Eltern immer kindzentrierter erziehen. Bauers Buch ist eine Bereicherung und bietet gute Ansätze, um in der Politik über geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Kita- und Schullandschaft wie auch über Hilfen für überlastete Eltern (und das sind eigentlich alle) nachzudenken.

Bibliographie:

Joachim Bauer
Wie wir werden, wer wir sind
Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz
Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten
München 2019
ISBN: 978-3-89667-620-7
22 €

Jetzt Anträge beim Förderfonds des (DKHW) stellen

Bis zu 10.000 Euro Projektförderung möglich

Für Projekte der Kinder- und Jugendarbeit besteht noch bis zum 30. September 2019 die Möglichkeit, Anträge bei den Förderfonds des Deutschen Kinderhilfswerkes (DKHW) zu stellen und bis zu 5.000 Euro zu erhalten. In Ausnahmefällen können Projekte sogar mit bis zu 10.000 Euro gefördert werden. Ziel der Förderfonds ist die Verbesserung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen unter dem Aspekt der Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen sowie die Bekanntmachung der Kinderrechte. Anträge können Vereine, freie Träger, Initiativen, Elterngruppen, Kinder- und Jugendgruppen sowie Schülerinitiativen für noch nicht begonnene Projekte stellen.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat in den letzten fünf Jahren durch seine Förderfonds 1.983 Projekte mit insgesamt rund 6.116.000 Euro unterstützt. Durch die Fonds erhalten Projekte, Einrichtungen und Initiativen finanzielle Unterstützung, welche die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, zum Grundsatz ihrer Arbeit gemacht haben. Dabei geht es vor allem um Beteiligung in Bereichen demokratischer Partizipation, um Chancengerechtigkeit und faire Bildungschancen für benachteiligte Kinder, gesunde Ernährung oder kinder- und jugendfreundliche Veränderungen in Stadt und Dorf, auf Schulhöfen, Kita-Außengeländen oder Spielplätzen. Sinnvoller Freizeitangebote und Möglichkeiten zur Entwicklung einer kulturellen Identität, zu kultureller Bildung und Medienkompetenz zu schaffen, sind ebenso Förderschwerpunkte.

So Fördert das DKHW zum Beispiel Projekte, die das demokratische und politische Engagement von Kindern und Jugendlichen unterstützen, deren Mitbestimmung an Prozessen in Jugendeinrichtungen, Schule und Stadtteil ermöglichen, den Zugang zu Medien verbessern bzw. den kompetenten Umgang mit diesen befördern, oder Kinder und Jugendliche bei der kreativen Auseinandersetzung mit für sie relevanten Themen fördern. Ferner sollen Projekte Unterstützung erhalten, die bewegungsfördernde und interessante Spielorte im Wohnumfeld oder auf dem Schulgelände schaffen oder der Vernetzung, Sicherung bzw. Rückgewinnung von Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten dienen. Voraussetzung für eine Bewilligung ist auch hier, dass die Kinder und Jugendlichen an der Planung und Durchführung des Projektes aktiv beteiligt werden.

Weitere Informationen zu den Förderfonds des Deutschen Kinderhilfswerkes unter www.dkhw.de/foerderfonds.

Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen

Kinder leiden unnötig unter Kopfschmerz

Evaluation belegt Wirksamkeit eines Programms zur Kopfschmerzprävention in der Schule

Über 70 % der Schülerinnen und Schüler in Deutschland leiden unter wiederkehrendem Kopfschmerz. Migräneattacken und Kopfschmerz vom Spannungstyp ließen sich häufig vermeiden. Das folgt aus der Begleitforschung zur bundesweiten „Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen“. Die Initiatoren von „Aktion Mütze“ erproben seit 2014 eine Unterrichtseinheit zur Kopfschmerzprävention in siebten Klassen. Nun haben sie erste Analysen zur Wirksamkeit ihres Programms vorgelegt.

Sechs Monate nach Durchführung der Unterrichtseinheit haben sich bei 66,5 % der kopfschmerzbetroffenen Schülerinnen und Schüler, die das erworbene Wissen anwenden, die Beschwerden verbessert. Bei den Befragten, die das bereitgestellte Arbeitsheft „Mütze hat den Kopfschmerz satt“ weiterhin nutzen, berichten sogar 87,7 % von einer Verbesserung.

Im Rahmen des Programms „Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen“ werden weiterführende Schulen bundesweit eingeladen, kostenfreies Unterrichtsmaterial für ihre siebten Klassen zu bestellen. Die Unterrichtseinheit vermittelt Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern das nötige Wissen, um Migräneattacken, Kopfschmerz vom Spannungstyp und Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch wirksam vorzubeugen.

Um dauerhaft leistungsfähig und schmerzfrei zu arbeiten, ist das Gehirn auf die regelmäßige Aufnahme vollwertiger Kohlenhydrate angewiesen. Darum spielen Essen und Trinken bei der Prävention von Kopfschmerzen eine wichtige Rolle. Regelmäßige Schlafenszeiten sorgen ebenfalls für einen ausgeglichenen Energiehaushalt. Auf der anderen Seite müssen Belastungen, sei es durch Arbeit, Sport oder die Nutzung von Bildschirmmedien, vernünftig dosiert werden. Ein übervoller Terminkalender begünstigt das Auftreten von Kopfschmerzen – selbst dann, wenn ausschließlich schöne und spannende Beschäftigungen geplant sind. Das Erlernen einer Entspannungstechnik hilft auch dann zur Ruhe zu kommen, wenn Sorgen, Anstrengung und Zeitdruck unvermeidbar sind.

Kein Auslöser sorgt allein für einen Anstieg von Kopfschmerzbeschwerden. Nicht allen Belastungen können wir aus dem Weg gehen. Deswegen lernen die Schülerinnen und Schüler bei „Aktion Mütze“, sich genau zu beobachten und herauszufinden, was bei ihnen Kopfschmerzen auslöst oder vorbeugen hilft. Begleitet von der sympathischen Figur „Mütze“ erstellen sie einen individuellen Plan für ihr Verhalten im Alltag. Bei Beschwerden können die Kinder und Jugendlichen mithilfe eines Kopfschmerzfragebogens bestimmen, unter welcher Art von Kopfschmerz sie vermutlich leiden.

Die wichtigsten Inhalte der Unterrichtseinheit vermittelt auch der „Mütze“-Comicfilm, der kostenfrei im Internet anzusehen ist. Damit können selbst Kinder, Jugendliche und Familien erreicht werden, die nicht an „Aktion Mütze“ teilnehmen. Viele der „Aktion Mütze“ fördernden Krankenkassen stellen ihren Versicherten außerdem das Mut- und Mitmachheft „Mütze hat den Kopfschmerz satt“ kostenfrei zur Verfügung. Diesen Ratgeber können Familien zuhause gemeinsam durcharbeiten. Aktion Mütze“ wird noch bis 2020 fortgeführt.

Mütze hat den Kopfschmerz satt – Der Comicfilm gegen Migräne und Kopfschmerzen

Weitere Informationen

Quelle: Pressemitteilung Zentrum für Forschung und Diagnostik bei Implantaten, Entzündungen und Schmerzen (ZIES) gemeinnützige GmbH

Klein, leicht und praktisch – die Dusy-Werkbank

Die Dusy-Werkbank ist so klein, dass die Kinder sie leicht an jeden Ort drinnen oder draußen transportieren können. Gerade draußen gibt es viel Platz zum Hantieren. Geräusche verhallen und Sägemehl muss nicht gefegt werden. Die niedrige Bank steht immer stabil. Zwei Kinder können daran von allen Seiten arbeiten: stehend mit der Kraft aus dem ganzen Körper, kniend und sitzend für kleine, feine Arbeiten.

Die Lieferung der Werkbank erfolgt mit zwei Schraubzwingen, die zum Festspannen in die Bohrungen gesteckt werden. Zusammen mit den Aussparungen und Kerben gibt es viele Möglichkeiten auch runde Werkstücke sicher zu spannen. Größere Kinder schaffen das selbst. Erwachsene sollten dennoch überprüfen und nachziehen. Durch Drehen der Bank finden sich viele Möglichkeiten, um etwa größere Äste auch mit Gurten zu sichern. 

Die Werkbank ermöglicht das sichere Gestalten, Forschen und Konstruieren mit freien Materialien. Dadurch werden Motorik, Kreativität, Selbstwirksamkeit und Kooperation gefördert.

Ab 4 Jahre.
Inhalt/Material: Holzwerkbank, 2 Schraubzwingen aus Metall mit Kunststoffgriff.
Maße: Werkbank 75 x 35 cm, 25 cm hoch.
UVP 335 €.

Wann ist Saison und wo liegt Region?

Unterrichtsmaterialien für Grundschulen

Gibt es überhaupt noch die Saison? Eine gewisse Zeit im Jahr, während der wir nur bestimmte Obst- und Gemüsearten kaufen können? Wann immer wir in einen Supermarkt oder ein Feinkost-Geschäft gehen bekommen wir jedes Obst und Gemüse angeboten. Es herrscht eine unglaubliche Vielfalt an Gemüse- und Obstprodukten aus aller Welt.

Meist fließen allerdings die zusätzlichen Kosten für den Transport oder den Energieaufwand für die Gewächshaushaltung in die Kalkulation des Endpreises, der uns erst an der Supermarktkasse daran erinnert, dass wir gerade etwas Saisonunübliches gekauft haben.

Die Alternative können (Bio-)Obst- und Gemüseangebote aus der Region sein. In Deutschland wird fast das ganze Jahr geerntet, somit stehen auch bei uns das ganze Jahr schmackhafte Lebensmittel aus der Region zur Verfügung.

Sich am Saisonkalender zu orientieren, ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll: Er zeigt, wann frische, geschmackvolle und gesunde Ware mit vielen Vitaminen zu bekommen ist, die nicht schon lange, umweltbelastende Reisen hinter sich hat. Dies führt dazu, dass einiges an Geld gespart werden kann, denn schließlich fallen Kosten für aufwändige Produktion, Lagerung und Transport nicht erst an.

Empfohlene Fächer

Sachunterricht, fächerübergreifende Ausweitung möglich

Lehrplanbezug

Aufgrund der Vielzahl der länderspezifischen Lehrpläne für die Grundschule werden in diesem Material exemplarisch die Pläne von Hamburg, Mecklenburg Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Bayern zugrunde gelegt.

Kinder lieben Theater

Ein Handbuch für Inszenierungen in Kindergarten und Schule

Kinder spielen gerne Theater. Diesem Wunsch öffnen sich Kindergärten, Schulen, Gruppen leider viel zu selten. Denn gerade im Theaterspiel erfahren die Kinder eine ganze Menge über sich und ihre Umwelt. Nicht die perfekte Aufführung, sondern Rollenspiele und eine freiere Entfaltung der Persönlichkeit stehen im Mittelpunkt.

Die Kinder bringen hier auf kreative Art zum Ausdruck, was sie bewegt. Sie können Phantasien, Wünsche und Ängste, die guten und weniger guten Seiten der eigenen Person ausspielen. Sie lernen, sich selbst besser zu begreifen und sich anderen begreiflich zu machen. Wie fühle ich mich, wenn ich zornig, traurig oder glücklich bin? Wie verhalte ich mich dann, wie sehe ich aus, wie klinge ich? Und wie wirke ich auf andere? Es wird leichter, sich und das Gegenüber wahrzunehmen und einzuschätzen, dann entsprechend zu agieren und zu reagieren.

Natürlich hat das Theaterspiel auch darüber hinaus einen positiven Einfluss auf die kindliche Entwicklung: Es unterstützt die Entwicklung des Sozialverhaltens, fördert Sprache, Kreativität und Motorik. Kinder haben Spaß daran, sich zu verwandeln, neue Wirklichkeiten zu erfinden und sich darin zu erproben. Theater bietet einen Freiraum für „kindliche Anarchie“ – und zugleich einen schützenden Rahmen, der den ungestümen Spieltrieb eingrenzt.

Denn Theater funktioniert nur, wenn gemeinsam festgelegte Spielregeln eingehalten werden. Theater ist eine Abmachung: Das Spiel wird hier Ernst; man tut, als wäre alles echt – aber nur, bis der Vorhang fällt.

„Kinder machen Theater“ ist ein Handbuch für ErzieherInnen, LehrerInnen, GruppenleiterInnen und alle, die sich fürs Theaterspielen mit Kindern interessieren. Thomas Joseph Landa und Norbert Landa zeigen hier auf eindrückliche Weise, wie man mit Kindern Theater spielt. Das Buch enthält neun verschiedene Stücke mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Alles ist dabei: von den vorbereitenden Spielen über die Auseinandersetzung mit dem Stück bis hin zur Aufführung, vom Bau der Kulissen über das Basteln der Kostüme bis zur Musik. Dabei sind die Mittel, die zum Einsatz kommen, einfach. Und im Mittelpunkt steht immer das gemeinsame Tun.

Dass die Beispiele praktisch umzusetzen sind, zeigt sich schon alleine daran, dass sie realen Inszenierungen entnommen sind. Für das Buch haben die Autoren sogar einzelne Stücke inszeniert und mit der Kamera dokumentiert. Die Fotos zeigen dabei deutlich, mit wie viel Faszination und Freude die Kinder bei der Sache sind. Die Beschreibungen sind detailliert und lassen deshalb keine Fragen offen. Dazu gehören auch Schnittmuster und Bastelvorlagen für Kostüme, Kulisse und Requisiten.

Dabei vermittelt das Buch Grundsätzliches, das sich auch leicht auf andere Inszenierungen übertragen lässt. So ist es eine perfekte Grundlage für all jene, die mit Kindern die Inszenierung von kleinen bis großen Theaterstücken planen.

Landa & Landa
Kinder machen Theater – Spiele und Stücke, Kostüme und Kulissen
Ein Werk- und Spielbuch für Kindergarten, Schule und Gruppen
160 Seiten
Burckhardthaus-Laetare
ISBN: 978-3-944548-28-9
12,95 €

Weitere Informationen zum Buch, Inhaltsverzeichnis und Leseprobe.


Schulstart mit dem Blauen Engel

Schul- und Aktionsmaterialien zu Recyclingpapier

200 Millionen Schulhefte werden jedes Jahr in Deutschland verkauft, und nur jedes zehnte davon ist aus Recyclingpapier. Dabei schneidet Recyclingpapier mit Abstand am besten ab, wenn es um Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz geht. Denn die Herstellung von Papier belastet die Umwelt stark. Sie benötigt viel Holz, Energie und Wasser und Chemikalien bei der Herstellung.

Warum ist Recyclingpapier mit dem Blauen Engel besser für die Umwelt?

  • Papier mit dem Blauen Engel besteht zu 100 Prozent aus Altpapier. Das schont unsere Wälder. Jeder fünfte Baum, der weltweit gefällt wird, wird für die Papierherstellung genutzt. Wälder speichern CO2 und sind deshalb wichtig für den Klimaschutz. Gleichzeitig bleibt so der Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen erhalten.
  • Recyclingpapier spart CO2, weil für Frischfaserpapier Zellstoff aus anderen Ländern importiert werden muss – durch den Transport wird CO2 emittiert.
  • Die Herstellung von Recyclingpapier spart bis zu 70 Prozent Wasser und 60 Prozent Energie gegenüber Frischfaserpapier.
  • Ein Kilo Recyclingpapier spart gegenüber Frischfaserpapier drei Kilowattstunden Energie ein – damit lässt sich so viel Wasser erhitzen, dass man rund 210 Tassen Kaffee kochen könnte.
  • Der Blaue Engel garantiert, dass dem Papier bei der Herstellung keine schädlichen Chemikalien oder optischen Aufheller zugesetzt werden.

Etwa 90 Prozent des Papiers hat eine kurze Lebensdauer und landet schon nach kurzer Nutzung wieder im Abfall.

Tipps für eine längere Lebensdauer von Papier

  • Papier so lang und so oft wie möglich nutzen. Beidseitig ausdrucken und einseitig bedrucktes Papier z.B. als Schmierpapier oder Notizzettel verwenden.
  • Papier ein zweites Mal nutzen. Zum Beispiel das Zeitungspapier als Geschenkpapier, Papierflieger oder Origami, der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
  • Papier richtig recyceln: Aufkleber, Etiketten oder Folien vom Papier abtrennen und in den Restmüll entsorgen. Ebenfalls in den Restmüll gehören stark verschmutztes oder beschichtetes Papier, Kassenzettel sowie Hygienepapiere. Durch die richtige Mülltrennung kann Papier gut wieder recycelt werden.

Kostenlose Materialien zum Schulstart

Info-Broschüren, Unterrichtsmaterialien für Lehrerinnen und Lehrer, Plakate und andere Kommunikationsmaterialien rund ums Thema Recyclingpapier in den Schulen gibt es unter www.blauer-engel.de

Quelle: Umweltbundesamt

www.umweltbundesamt.de