Dezember 2017

An Grundschulen fehlen über 1000 Schulleiter und rund 20.000 Lehrer

Viele Lehrerstellen bleiben unbesetzt

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An den Grundschulen fehlen bundesweit rund 1000 Schulleiter. Das hat ein Umfrage der Bildzeitung unter den Kultusministern der Länder ergeben. Der Lehrerverband schätzt sogar, dass an jeder zehnten Schule die Leitungsstelle unbesetzt ist. Das wären bei über 15.000 Grundschulen dann mehr als 1500.

Zudem fehlen wohl rund 20.000 Grundschullehrer, so der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes und Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger. Gegenüber der Zeitung erklärte er: „Tatsache ist, dass viele Stellen schon längere Zeit unbesetzt bleiben und auch Zweit- und Drittausschreibungen keinen Erfolg haben.“

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlies Tepe, sagte: Der Job ist stressig, lohnt sich finanziell kaum und wird mit immer mehr Aufgaben überfrachtet. Es fehlt der Ausgleich durch Geld und Leitungszeit, manchmal fehlt sogar das Sekretariat.“

In Deutschland gibt es rund 42 000 Schulen, 800 000 Lehrer und 11 Millionen Schüler.

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Verlosung: 3 x „Kochen und Backen mit Kindern“

Alles, was Kinder gerne essen und über Ernährung wissen sollten

Kochen und Backen mit Kindern

Kinder und Eltern sollten keine Gelegenheit verpassen, gemeinsam zu kochen und zu backen. Denn Ernährung ist die Grundlage unseres Lebens. Darüber wollen Kinder schon früh jede Menge erfahren. Beim gemeinsamen Zubereiten von Speisen, entsteht aus der Küche ein Spiel- und Lernort, der alle Sinne gleichzeitig anspricht. Es duftet nach Kräutern und Gewürzen, Obst und Gemüse leuchten in bunten Farben und der Deckel klappert auf dem Topf. Vor allem gibt es jede Menge zum Schnippeln und Kneten, zum Schmecken und Ausprobieren! In diesem Buch finden Sie eine Fülle kindgerechter Rezepte. Hier können die Kinder richtig mitkochen. Leicht nachvollziehbare Illustrationen und die reiche Bildsprache helfen Kindern, die noch nicht lesen können, Grundlagen und Zubereitungsweisen Schritt für Schritt zu verstehen. Jedes Gericht hat seine eigene Geschichte. Zutaten, Zubereitung und Herkunft, Tipps und Anregungen bieten Gesprächsstoff und wichtiges Basiswissen zu unserer Ernährung. Und ganz nebenbei lernen die Kinder vor allem noch eines: Dass gemeinsames Kochen und Backen ein riesen Vergnügen für die ganze Familie ist!

Mit freundlicher Unterstützung des Oberstebrink Verlags verlosen wir 3 x „Kochen und Backen mit Kindern“.

Kochen und Backen mit Kindern
Alles, was Kinder gerne essen und über Ernährung wissen sollten
Manon Sander
Oberstebrink, ISBN: 9783934333482

Weitere Informationen: www.oberstebrink.de

 

Die Verlosung ist am  3.1.2018  abgelaufen.

kinderzeit.de und der Oberstebrink Verlag bedanken sich für die vielen Einsendungen und gratulieren folgenden Gewinnern:

  • Kindertagesstätte Christkönig
  • DRK KITA Rotsteinkinder
  • Betriebskindergarten der Universitätskliniken Ulm

CREATIVA - 14. bis 18. März 2018 - Messehallen Dortmund

Ostereier basteln auf der Messe

Vom 14. bis 18. März 2018 werden die Hallen der Messe Dortmund wieder bunt. Es präsentieren sich rund 700 Aussteller auf der CREATIVA, Europas größter Kreativmesse. Für die Besucher gibt es zahlreiche Mitmachaktionen und Kreativ-Workshops, Aussteller präsentieren und verkaufen ihre Kreativprodukte. Dieses Jahr findet das erste Mal die CAKE DREAMS, Internationale Messe für kreatives Backen statt, ergänzend zu den Schwerpunkten „CREATIVA professional“, „CREATIVA PerlenExpo“, „CREATIVA LandGarten“ und „CREATIVA Puppen & Bären“.
 
Die CREATIVA wird  2018 mit der Show zum DORTEX Design-Award eröffnet. Aufgerufen zur Teilnahme am Award ist jeder, der selbst Entwürfe mit kreativen Techniken umsetzt. Die Entwürfe der Preisträger werden am 14. März 2018 auf der Aktionsbühne in Halle 4 präsentiert. Der DORTEX Design-Award wird in sechs Kategorien von einer Fachjury verliehen, und für den kreativsten Nachwuchs unter 18 Jahre gibt es den Sonderpreis „Best Youngster“. Die Sieger erhalten neben dem Titel „Preisträger DORTEX Design-Award“ außerdem Preisgelder im Wert von insgesamt 10.000 Euro. Bis zum 4. Februar 2018 können sich Interessierte auf der Webseite des DORTEX Design-Award bewerben, indem Sie Fotos von bis zu drei Kreationen einsenden.

Ein neuer Schwerpunkt der CREATIVA ist am Samstag und Sonntag die internationale Messe für kreatives Backen:
die CAKE DREAMS. Sie richtet sich an alle Besucher, deren Herz für Backen und Tortenverzieren schlägt. Die Besucher können sich auf Workshops mit zahlreichen nationalen und internationalen Tortenkünstlern und auf Blogger und Influencer aus der Szene freuen.

Passend zum Thema Tortendesign findet 2018 zum dritten Mal das Queens´ Battle auf der CREATIVA statt.
In dem Wettbewerb kreieren Tortenkünstlerinnen fünf Tage lang lebensgroße und essbare Kleider. Gestartet ist der erste deutsche Live-Wettbewerb für essbare Mode 2016 mit Hochzeitskleidern zum Vernaschen. In diesem Jahr dreht sich alles um das Thema Rokoko. Am Messesonntag werden die Kleider von  einer Internationalen Fachjury prämiert.

Weitere Messeschwerpunkte
Hochwertige  handgefertigte Puppen und Variationen werden von den Ausstellern des Messeschwerpunktes „Puppen & Bären“ präsentiert. Die beeindruckenden Exponate lassen in diesem Jahr wieder die Herzen der Liebhaber, Künstler und Sammler höher schlagen.

Bei dem „CREATIVA LandGarten“ geht es um Gartenkultur und ländliche Lebensart. Neben ländlichen Delikatessen, Garten- und Landhaus-Accessoires sowie Pflanzen und Floristik rundet ein passendes Rahmenprogramm mit Vorführungen das Angebot ab.

Die „CREATIVA PerlenExpo“ ist der Treffpunkt für Hersteller, Designer und Perlenbegeisterte. Hier präsentieren bekannte Perlenkünstler ihre Schmuckstücke. In Workshops und Kursen geben sie zudem Tipps und Ratschläge.

Bei der „CREATIVA professional“ können sich die Besucher in Vorträgen über das kreative Handwerk im Beruf informieren und kostenlos bei den Workshops mitmachen. Auch in der Themenwelt Regional KREATIV SEIN werden Mitmachaktionen angeboten. Hier präsentieren sich Vereine aus der Region mit ihren kreativen und nachhaltigen Netzwerken.

Interessierte, die sich im Kreativsektor selbstständig machen wollen, können sich für den StartUp Day im Rahmen der CREATIVA anmelden. Hier bekommen sie Tipps und Informationen von Experten und Gründern aus der Start-up-Szene. Die Anmeldung erfolgt über die Webseite der CREATIVA, und die Teilnahme ist im Eintrittspreis der Messe enthalten.

Quelle: Pressemitteilung CREATIVA

Mehr Informationen auch zu Eintrittspreisen zur Anfahrt finden Sie hier.

Spielwarenmesse - 31. Januar bis 4. Februar 2018 - Messezentrum Nürnberg

Die Trends der Spielwarenmesse 2018

pielwarenmesse

Explore Nature, Team Spirit und Just for fun

Alle wollen wissen, was 2018 die Spielwarenwelt bestimmen wird. Das internationale TrendCommittee der Spielwarenmesse eG hat folgende drei Trendströmungen der Branche für das kommende Jahr identifiziert: Explore Nature, Team Spirit und Just for Fun. Auf rund 1.000 m² macht die TrendGallery auf der Spielwarenmesse, die vom 31. Januar bis 4. Februar 2018 in Nürnberg stattfindet, die Trends erlebbar und bietet den Fachbesuchern die dazu entsprechenden Produkte.

Explore Nature – die Tier- und Pflanzenwelt entdecken
Computer, Smartphone oder Fernseher – sie sind ein fester Bestandteil in der Freizeit der Kinder. Der Natur wird immer weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei gibt es direkt vor der Haustür Spannendes zu entdecken. Der Trend „Explore Nature“ soll Kindern die Natur wieder näher bringen und sie dazu animieren, sie besser kennenzulernen und zu erforschen. Dazu zählen zum Beispiel Produkte wie Lupen oder Ferngläser, die die Kinder auf Entdeckungstour schicken, oder Pflanzsets, mit denen sie selbst zum kleinen Gärtner werden.

Team Spirit – gemeinsam zum Spielsieg
Kooperation, soziale Interaktion und Flexibilität – der Gemeinschaftsgedanke nimmt in unserer Gesellschaft in jeder Altersklasse eine zunehmend wichtigere Rolle ein. Produkte des Trends „Team Spirit“ verfolgen den Spielansatz, zusammen Problemstellungen zu lösen. Hierfür muss viel miteinander gesprochen, sich mit den Meinungen Anderer auseinandergesetzt und auch der ein oder andere Kompromiss gefunden werden. Nur in der Gruppe kann das Spiel gewonnen werden.

Just for Fun – Spiele mit Spaßfaktor
Spielen sollte in erster Linie Spaß machen. Lerneffekte, die Spielen ohnehin mit sich bringt, müssen dabei nicht immer im Vordergrund stehen. Im Trend „Just for Fun“ dreht sich alles um die Freude am Spiel, Spielen um des Spielens willen. Produkte dieses Trends kommen häufig ohne komplizierte Regeln aus und können auch nach der eigenen Phantasie verändert werden. In der Gruppe oder allein lassen sie sich schnell und spontan spielen. Gleichzeitig ist oft Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit gefragt.

In der TrendGallery auf Entdeckungstour durch die Neuheiten
Die TrendGallery in Halle 3A ist der perfekte Anlaufpunkt, um sich über Trends und Neuheiten der Spielwarenbranche zu informieren. Hier können die Fachbesucher die Trends 2018 erleben und bekommen gleich die passenden Produkte präsentiert. Außerdem sind die Produktneuheiten sowie die Gewinner des ToyAwards auf der rund 1.000 m² großen Fläche zu finden. Für das entsprechende Handelswissen sorgen die Fachvorträge im Toy Business Forum mit täglich wechselnden Tagesthemen.

Spielwarenmesse 2018 mit neuer Sonderschau: Toys meet Books

Die Spielwarenmesse erhöht ihre Attraktivität für eine wachsende Zielgruppe durch ein besonderes Highlight: Toys meet Books. Die neue Sonderschau führt vorwiegend Buchhändler aus der DACH-Region (Deutschland, Österreich und die Schweiz) an die Spielware heran. An hochfrequentierter Position im Eingang Mitte zeigen ihnen ausgewählte Hersteller auf, wie sie wichtige Zusatzumsätze generieren. Fachvorträge von Handelsprofis, geführte Touren über die Messe und ein produkt- und veranstaltungsspezifischer Guide runden das umfangreiche Angebot ab.

Mehr Informationen auch zur Anreise und den Eintrittspreisen unter www.spielwarenmesse.de

Eine Übersicht mit allen Highlights der Spielwarenmesse 2018 steht unter www.spielwarenmesse.de/highlights zur Verfügung.

Die Spielwarenmesse ist nur für Fachbesucher geöffnet. ErzieherInnen oder LehrerInnen brauchen eine Bestätigung des Trägers der Einrichtung, dass die genannte Person berechtigt ist für die Einrichtung Spielwaren zu ordern.

Quelle: Pressemitteilung Spielwarenmesse
Foto Eingang: Spielwarenmesse eG/Lennart Preis

Foto Messegelände: Christian Hartlmaier/Spielwarenmesse
Foto Lego: Christian Horn/Spielwarenmesse eG

Junge Digital Natives lesen gerne Print

Neue Kinder-Medien-Studie

Wortgefecht

Sechs Verlage haben in der neuen Kinder-Medien-Studie erstmals untersuchen lassen, welche Medien die 7,17 Millionen Kinder zwischen vier und 13 Jahren in Deutschland konsumieren. Die Studie beleuchtet außerdem, wie und wie oft sie diese Medien nutzen, wie sie generell ihre Freizeit gestalten, ob es Unterschiede im Online- und Offline-Verhalten gibt und welche Rollen Eltern und Freunde spielen.

Die Schlüsselergebnisse der repräsentativen Untersuchung zur Frage „Young Digital Natives – wie digital sind sie wirklich?“ mit über 2.000 Interviews:

  • Digital ist attraktiv, aber: 72 Prozent aller deutschen Kinder zwischen vier und 13 Jahren lesen auch 2017 privat noch mehrmals pro Woche von Papier.
  • Der Reiz des Gedruckten: Kinderbücher und -magazine erreichen mehr Sechs- bis 13-Jährige als YouTube und Spielekonsolen.
  • Zusammen offline statt allein online: Kinder lieben es nach wie vor, mit Freunden im Freien zu spielen und mit der Familie aktiv zu sein.
  • Frühe Ungleichbehandlung: Bereits zwischen vier und 13 Jahren haben Jungen mehr Geld zur Verfügung als Mädchen. Beide Geschlechter investieren in Süßigkeiten und Lesestoff.
  • Gedrucktes Vertrauen: Offline dürfen viele Kinder schon früh selbstständig Konsumentscheidungen treffen, online kontrollieren Eltern länger, was heruntergeladen und angesurft wird.
  • Print wirkt: Eltern bewerten Kindermagazine positiver als andere Medien. Sie sehen in ihnen eine „sinnvolle Beschäftigung“, bei der Kinder etwas lernen können.

Seiten umblättern statt auf Touchscreen und Tastatur tippen: 

72 Prozent aller deutschen Kinder zwischen vier und 13 Jahren lesen auch im digitalen Zeitalter mehrmals pro Woche von Papier. Das geht aus der Kinder-Medien-Studie 2017 hervor – der neuen repräsentativen Untersuchung des Medienkonsums und -nutzungsverhaltens von Kindern in Deutschland. Die Ergebnisse wurden heute erstmals von den sechs Medienhäusern Blue Ocean Entertainment AG, Egmont Ehapa Media GmbH, Gruner + Jahr, Panini Verlags GmbH, SPIEGEL-Verlag und ZEIT Verlag präsentiert. Für die Studie wurden 1.647 Doppelinterviews mit jeweils einem Kind im Alter von sechs bis 13 Jahren und einem Erziehungsberechtigten sowie 394 Interviews mit einem Erziehungsberechtigten für die Vier- und Fünfjährigen geführt. Die Antworten ergeben ein detailliertes Bild der Lebensrealität der 5,79 Millionen Sechs- bis 13-Jährigen sowie der 1,38 Millionen vier- und fünfjährigen Vorschüler in Deutschland.

Klassische Lesen und die Nutzung von Internet und Apps sind gleichwertig 

Der Studie zufolge schauen 61 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren mehrmals pro Woche in Bücher, 55 Prozent lesen Kinderzeitschriften und Comics. Damit liegt das klassische Lesen gleichauf mit Freizeitbeschäftigungen wie Internet und Apps nutzen (62 Prozent) – und deutlich vor digitalen Unterhaltungsformen wie YouTube (34 Prozent), Spielekonsolen (28 Prozent) oder DVDs und Blu-Rays (15 Prozent). Im Vorschulalter (vier und fünf Jahre) spielen Internet/Apps (4 Prozent) und YouTube (9 Prozent) praktisch noch keine Rolle. Neben Fernsehen (93 Prozent) und Radio (41 Prozent) sind es auch hier vor allem Printmedien wie Bücher (68 Prozent), Kinderzeitschriften und Comics (44 Prozent), mit denen sich der ganz junge Nachwuchs mehrheitlich auseinandersetzt. Auffällig: Trotz der Konkurrenz durch neue Medien ist „Bücher und Zeitschriften lesen und anschauen“ der Studie zufolge vom Vorschüler bis zum 13-jährigen Jugendlichen bei den Freizeitbeschäftigungen signifikant beliebter als „Digitale Spiele spielen“, „Chatten/Telefonieren“ oder „Filme ansehen“. Erheblichen Anteil am Erfolg des klassischen Lesematerials haben Kinderzeitschriften. Sie erreichen 56,6 Prozent der Vier- bis Fünfjährigen und sogar 71,5 Prozent der Altersgruppe sechs- bis 13 Jahre – insgesamt rund 4,92 Millionen Kinder in Deutschland. Bei den jüngeren Kindern besonders beliebt sind „Benjamin Blümchen“, „Winnie Puuh“ und „Prinzessin Lillifee“. Die Reichweiten-Top-3 der Altersklasse sechs bis 13 Jahre führt „Disney Lustiges Taschenbuch“ an, gefolgt vom „Micky Maus Magazin“ und „Just Kick-it!“.

Eltern fördern das Lesen

Die Zuwendung zu gedrucktem Lesestoff wird von den Eltern positiv gesehen und gefördert. Im Vergleich zu anderen Medien wie Fernsehen, Internet oder Radio bewerten mehr Eltern Kindermagazine generell als „sinnvolle“ Beschäftigung. Eine große Mehrheit der Eltern ist überzeugt, dass beim Lesen der Zeitschriften der Nachwuchs noch etwas lernen und Inhalte in seinem Tempo aufnehmen kann. Außerdem würde die Kreativität der Kinder angeregt und sie würden motiviert, selbst aktiv zu werden. Den anderen Medien schreiben deutlich weniger Eltern solche positiven Bewertungen zu.

Kinder bleiben in ihrer Freizeit auch gerne offline

Trotz der Digitalisierung ihrer Welt: Kinder bleiben in ihrer Freizeit auch gerne offline. Sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen werden Aktivitäten wie „Mit Freunden zusammen sein“ und „Im Freien spielen“

bevorzugt genannt. Bei den jüngeren Mädchen (bis neun Jahre) kommen Puppen und Stofftiere als Spielobjekte hinzu, bei den Jungen im gleichen Alter Konstruktionsspielzeuge und Spielfiguren in ihren Spielwelten. Später, zwischen zehn und 13 Jahren, wird für die Jungen „Sport treiben“ relevant, für beide Geschlechter zudem „Chillen und Ausruhen“.

Moderne Technik ist Teil des Kinderlebens geworden. 

37 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen besitzen bereits ein eigenes Smartphone oder Handy. Bei den Zehn- bis 13-Jährigen haben 84 Prozent ihr eigenes mobiles Endgerät. Unabhängig vom eigenen Handy verschicken die meisten Zehn- bis 13-Jährigen SMS (61 Prozent) oder WhatsApp-Nachrichten (68 Prozent), wobei die Nutzung dieser Kommunikationskanäle mit zunehmendem Alter steigt. Auf Social-Media-Plattformen wie Facebook ist dagegen nur eine Minderheit (29 Prozent) der zehn- bis 13-jährigen Kinder in Deutschland vertreten.

Kinder stecken einen Großteil ihres Taschengelds nach wie vor in Printmedien

Obwohl sie mit ihren Freunden übers Handy vernetzt sind, stecken Kinder einen Großteil ihres Taschengelds nach wie vor in Printmedien wie Zeitschriften, Magazine und Comics. Abgesehen von Süßigkeiten, Eis und Knabbersachen gibt es in der Altersgruppe von sechs bis 13 Jahren keine andere Produktgruppe, in die der Nachwuchs mehr vom ersten eigenen Geld investiert. Interessant dabei: Jungen haben sowohl im Vorschulalter als auch im Alter bis 13 Jahren bereits mehr Geld zur Verfügung als jeweils gleichaltrige Mädchen. Die Summe an „verfügbarem Geld“ (Taschengeld und Geldgeschenke) beträgt bei Mädchen im Vorschulalter monatlich knapp 17 Euro (pro Jahr ca. 202 Euro), bei Jungen dagegen 20 Euro (pro Jahr 241 Euro). Ein Unterschied, der auch in der Altersgruppe von sechs bis 13 Jahren erhalten bleibt: Mädchen bekommen dann pro Monat im Schnitt gut 41 Euro (pro Jahr 497 Euro), Jungen hingegen fast 44 Euro (pro Jahr 526 Euro).

Kinder zwischen sechs und 13 Jahren bestimmen selbst, was sie offline tun

Was sie tun, wie sie aussehen und wofür sie ihr Geld ausgeben – das darf ein Großteil der Kinder in Deutschland zwischen sechs und 13 Jahren bereits selbst bestimmen. Im Gegensatz zum Vorschulalter, wo diese Entscheidungen mehrheitlich noch von den Eltern getroffen werden, geben 74 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen ihr Taschengeld ganz selbstständig aus (95 Prozent bei den Zehn- bis 13-Jährigen). 64 Prozent entscheiden selbst, wie sie ihr Zimmer einrichten (Zehn- bis 13-Jährige: 87 Prozent), 60 Prozent, wie sie ihre Freizeit gestalten (Zehn- bis 13-Jährige: 86 Prozent). Nur bei Kleidung und Style haben die Eltern noch etwas länger ein Wörtchen mitzureden: Hier hat etwa die Hälfte (49 Prozent) der Sechs- bis Neunjährigen die Entscheidungshoheit, bei den Zehn- bis 13-Jährigen steigt der Anteil auf 82 Prozent.

Eltern behalten sich bei Online-Aktivitäten länger ein Mitspracherecht vor

Wenn es darum geht, was gelesen, geschaut, im Netz angesurft und heruntergeladen wird, behalten sich Eltern länger ein Mitspracherecht vor. Die wenigsten Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren dürfen eigenständig Apps downloaden (12 Prozent) oder ohne Aufsicht im Internet surfen (19 Prozent). Bei Büchern und Zeitschriften hat diese Altersgruppe dagegen schon mehrheitlich (63 Prozent) die Wahl, was sie lesen möchte. Kinder haben nicht nur auf ihren eigenen Konsum zunehmend erheblichen Einfluss. Auch bei Angelegenheiten, die die ganze Familie betreffen – wie Unternehmungen, Supermarktbesuche oder der Auswahl des Urlaubsorts – reden sie mit. Bereits im Vorschulalter (vier und fünf Jahre) dürfen 69 Prozent der Kleinen mitentscheiden, wenn es etwa um gemeinsame Freizeitaktivitäten der Familie geht. Diese Mitspracherechte steigen in den meisten Familien mit zunehmendem Alter weiter an. Wenn es um Einkäufe speziell für das Kind geht – sei es Spielzeug, Kleidung oder Lebensmittel – sind die Kinder häufig die wichtigste Informationsquelle.

Mehr Informationen auf www.kinder-medien-studie.de

Quelle: Pressemitteilung Kinder-Medien-Studie
Foto: © Mike Haufe www.fotolia.com

didacta - 20. bis 24. Februar 2018 - Messe Hannover

Die ganze Welt der Bildung

didacta

Vom 20. bis 24. Februar 2018 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Hannover zusammen. Die didacta in Hannover, die alle drei Jahre als "Bildungsgipfel im Flachland" alle Entwicklungen rund um Erziehung, Bildung und Qualifizierung abbildet, präsentiert sich 2018 erstmals in den Messehallen 11 bis 13 und fokussiert mit dem erweiterten Ausstellungsschwerpunkt "didacta DIGITAL" die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung.

Mit vier zentralen Themenfeldern "Frühe Bildung", "Schule / Hochschule", "Berufliche Bildung / Qualifizierung" sowie "didacta DIGITAL" wird die didacta in Hannover im kommenden Frühjahr alle Aspekte des lebenslangen Lernens aufgreifen und mit innovativen Angeboten die Zukunft der Bildungsbranche mitgestalten. Zum unverzichtbaren Branchentreffpunkt wird die didacta in Hannover auch aufgrund des umfangreichen Fort- und Weiterbildungsprogramms mit mehr als 1.500 Veranstaltungen aus allen Bildungsbereichen. Ideelle Träger der Messe sind der Didacta Verband e. V. und der Verband Bildungsmedien e. V.

Frühe Bildung - Entwicklungs-, Teilhabe- und Aufstiegschancen schaffen

Ergebnisse der Bildungsforschung bestätigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre: Spielt Bildung bereits in der frühen Kindheit eine zentrale Rolle, haben Kinder beste Voraussetzungen, um später wichtige Entwicklungs-, Teilhabe- und Aufstiegschancen zu ergreifen.

Kinder haben Rechte - dazu gehört auch das Recht auf Bildung. Sie kommen bereits mit Lust am Entdecken und Gestalten zur Welt. Wie sich diese uneingeschränkte Offenheit der Kinder und ihre Kompetenzen als Reichtum der frühen Kindheit bewusster wahrnehmen, bewahren und fördern lassen, zeigt die didacta 2018 auf vielfältige Weise.

Aufgrund der neuen Hallenbelegung der didacta, die "lebenslanges Lernen" erlebbar macht, präsentieren sich Unternehmen und Verbände des Ausstellungsbereiches "Frühe Bildung" 2018 in Halle 11. Dort stellen sie aktuelle Trends vor und erörtern wichtige Weichenstellungen für die frühkindliche Bildung.

Schule / Hochschule - Orte, an denen das Lehren und Lernen zueinander finden

Wie es gelingen kann, sich Wissen nutzbar zu machen, um dadurch wieder neues Wissen hervorzubringen, zeigt die didacta 2018 in den Hallen 11, 12 und 13 - damit Kinder und junge Erwachsene leidenschaftliche Lerner und Entdecker bleiben.

Denn: Nicht nur die fortschreitende Digitalisierung bietet neue Chancen. Schulen und Hochschulen müssen sich mehr denn je der Frage stellen, welches Wissen und welche Kompetenzen zukünftig Relevanz haben und wie sich die digitalen Möglichkeiten für neue Lernwege nutzen lassen. In Hannover zeigt die didacta 2018 zahlreiche Wege zu einer gelingenden Bildung.

Berufliche Bildung / Qualifizierung - Die Gesellschaft profitiert vom erfüllten Berufsleben ihrer Mitglieder

Mit der neuen Hallenbelegung der didacta in Hannover wird der Themenkomplex "Berufliche Bildung / Qualifizierung" erstmals in Halle 13 dargestellt. Sowohl die berufliche Erstausbildung als auch die berufliche Weiterbildung sind dort die zentralen Themen. Beides hat hohe Relevanz. Zum einen ist die berufliche Qualifizierung die Basis einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft, zum anderen steht sie im Zentrum der beruflichen Entfaltung eines Menschen.

In einer sich immer dynamischer entwickelnden Arbeitswelt, in der ganze Berufsfelder vor gravierenden Veränderungen stehen und zeitgleich neue Aufgabengebiete entstehen, wird die didacta 2018 in Hannover mit Informationen über zertifizierte Trainingsangebote, wegweisende Ausbildungskonzepte, neue Strategien der Personalarbeit und vieles mehr für Orientierung sorgen.

didacta DIGITAL - Digitale Technologien eröffnen Chancen für das Bildungswesen

Wie in nahezu allen Gesellschaftsbereichen sorgt die Digitalisierung auch bei der Bildung für völlig neue Perspektiven. Alle daraus resultierenden Aspekte werden auf der didacta 2018 in Halle 13 im Themenbereich "didacta DIGITAL" gezeigt. Besucher und Besucherinnen können hier die neuen Lehr- und Lernmittel selbst testen. Die Chancen digitaler Lernmedien liegen da, wo ein Mehr an Wissen oder Kommunikation entsteht und Schülerinnen und Schüler beim selbständigen Lernen unterstützt werden.

Im Fokus steht das Zusammenspiel von Pädagogik und Technik. Neue Technologien verbessern die Bildungsqualität nicht automatisch. Die Bildung in der digitalen Welt gelingt nur, wenn digital gestützte Angebote pädagogischen Ansprüchen folgen. Inhalte und Technologien müssen so zusammengefügt werden, dass sie einen Mehrwert für Bildungsprozesse bieten.

Quelle: Pressemitteilung didacta

Mehr Infos auch zu Eintrittspreisen und zur Anreise finden Sie hier.

Verlosung: 3 x „Mit Philipp spielen und lernen - Lirum larum Wörterspiel!“

Mit Philipp spielen und lernen - Lirum larum Wörterspiel!

Mit Philipp als Freund und Begleiter machen sich Kinder in den Spielen und Übungen dieses Heftes auf eine fröhliche Entdeckungsreise in die Welt des Hörens und Sprechens. Es geht um die Förderung sprachlicher Kompetenzen, die einen spielerischen und Erfolg versprechenden Zugang zum Lesen und Schreiben eröffnen werden. Doch zunächst dreht sich alles um Klang und Sang, eingepackt in eine Vielzahl von motivierenden Szenen, Aufgaben und Anregungen, sowie um Gruppenspiele, die auch Kinder alleine nachhaltig beschäftigen. Viele Übungen erklären sich weitgehend von selbst. Doch da es um Sprache geht, spielen auch Erwachsene entscheidend mit: als Moderatoren, als deutlich artikulierende „Vorsprecher“ und aufmerksame Zuhörer.

Mit freundlicher Unterstützung des Oberstebrink Verlags verlosen wir 3 x "Lirum larum Wörterspiel!".

Mit Philipp spielen und lernen - Lirum larum Wörterspiel!
Norbert Landa, Hanne Türk
Oberstebrink, ISBN: 9783934333772

Weitere Informationen: www.oberstebrink.de

Illustrationen: Hanne Türk

 

Die Verlosung ist am  27.12.2017 abgelaufen.

kinderzeit.de und der Oberstebrink Verlag bedanken sich für die vielen Einsendungen und gratulieren folgenden Gewinnern:

  • Kneipp-Kita Spandau
  • Evangelischer Kindergarten Halle Saale
  • Grundschule Teuschnitz

Sprachförderung mit allen Sinnen

Sprache und Wahrnehmung

Immer mehr Kinder zeigen Auffälligkeiten in ihrem Sprachvermögen und Kommunikationsverhalten. In vielen Fällen ist zu beobachten, dass Sprachentwicklungsstörungen eng mit fehlenden sprachlichen Vorbildern und Wahrnehmungsdefiziten verbunden sind. Die Fähigkeit zum Erwerb der Muttersprache ist zwar angeboren, setzt aber voraus, dass die Kinder durch eine entsprechende Resonanz der Erwachsenen ermutigt und gefördert werden. Die Lust am sprachlichen Ausdruck wird sich vor allem dann entwickeln, wenn beim Kind die Bewegungs- und Sinneskoordination voll ausgebildet ist.

Es werden auf der praktischen Ebene eine Vielzahl an Methoden und Mitteln vermittelt, um diesen sensiblen Bereich des Spracherwerbs und der Sprachentwicklung spielerisch zu begleiten.

Inhalte:

  • Kinder wollen sprechen – Sprachpotentiale entdecken und optimieren
  • Mit der Sprache spielen – Spielideen, Wahrnehmungsübungen und sinnliche Anregungen
  • Eltern sprechen mit – Tipps, Hilfen und Anregungen für die Familie
Kursnummer: 13-2018
Kursleitung: Mira Mantke
Uhrzeit: 9.30 – 16.30 Uhr
Kosten (€): 235,-
Ort:

Pädagogische Ideenwerkstatt BAGAGE
Habsburgerstraße 9
79104 Freiburg

Datum: 22. / 23. Februar 2018

Weitere Informationen auf www.bagage.de

Foto: © photophonie www.fotolia.com

Die Spielekartei Sprachförderung

Wortgefecht

Unser ganzes soziales Leben basiert auf Sprache. Sie ist unser wichtigstes Werkzeug für ein friedliches und harmonisches Zusammenleben. Diese Spielesammlung hilft schon den Kleinsten, ihre Sprechmotorik zu trainieren und die Zusammenarbeit im Spiel durch Sprache zu koordinieren. Die spannenden und originellen Spielideen unterstützen die natürliche Sprachentwicklung und helfen Ihnen Schwächen gezielt zu trainieren.

Die Spielekarteien der Gesellschaft für ganzheitliches Lernen e.V. – das sind rund 50 bewährte Spiele aus dem langjährigen Erfahrungsschatz der Gesellschaft für Ganzheitliches Lernen e.V. Sie fördern Kinder in ihrer Entwicklung auf vielfältige, kreative Weise und sind unmittelbar in der Praxis einzusetzen.

Praktische Karteikarten, klare Spielbeschreibungen, übersichtliche Darstellung (Spielart, Alter, Teilnehmerzahl, Zeit, Material) und zusätzlich zu jedem Spiel die Kompetenzbereiche – alles auf einen Blick!

Dr. Charmaine Liebertz ist Heilpädagogin und Lehrerin. Sie war zehn Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Heilpädagogik an der Universität Köln. Lernen muss für sie im Einklang von Körper, Herz, Geist und Humor geschehen. Dafür setzt sie sich in der Gesellschaft für ganzheitliches Lernen e.V. ein, die sie 1996 gründete und die seit 2009 als zertifiziertes Fortbildungsinstitut anerkannt ist.

Die Spielekartei Sprachförderung
Charmaine Liebertz
Burckhardthaus
ISBN: 9783944548234
14,95 €

Mehr unter: www.burckhardthaus-laetare.de

Diagnose Legasthenie

Hilfen, Strategien und Folgen

Viele Fragen schießen Jans Mutter durch den Kopf, als die Kinderpsychologin ihr die  Diagnose mitteilt: „Wir haben bei Ihrem Sohn eine Legasthenie festgestellt.“ Sicherlich wird sie beraten, denn jetzt gibt es viel zu tun: Die Schule muss informiert werden, damit die Lehrer bei der Benotung Rücksicht auf Jans Schwäche nehmen können. Die Eltern wollen sich einer Selbsthilfegruppe anschließen, um sich im Gespräch mit anderen Eltern Entlastung und Tipps zu holen. Jan soll eine Legasthenie-Therapie erhalten. Die muss beantragt und eine geeignete Stelle für die Therapie gefunden werden – und, und, und …

Unter Legasthenie versteht man eine spezifische Schwäche beim Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens bei (mindestens) durchschnittlicher Intelligenz.

Das bedeutet: Legastheniker sind keinesfalls „dumm“, sie sind auch absolut nicht ungeeignet für die Regelschule oder weiterführende Schulen. Sie sind normal intelligente, manchmal sogar hoch intelligente Kinder. Sie haben einen Bereich, in dem sie schwach sind. (Wer hat den nicht?) Aber sie haben das Pech, dass dieser Bereich in unserer Gesellschaft, unserem Schulsystem sehr, sehr wichtig ist. Wären sie in einem anderen Kontinent geboren – vielleicht als kleine Chinesen – wohl niemand würde diese Schwäche überhaupt bemerken.

Versagen ohne erkennbaren Grund

Neben einer normalen Intelligenz ist für die Diagnose einer Legasthenie weiterhin wichtig, dass keine erkennbaren Gründe für das Versagen beim Lesen- und Schreibenlernen vorliegen – wie zum Beispiel ein Seh- oder Hörfehler oder eine „unzureichende Beschulung“ – wie sie etwa dann vorliegt, wenn ein Kind krankheitsbedingt nur selten am Unterricht teilnehmen kann. Natürlich darf auch eine psychiatrische Erkrankung (zum Beispiel Schizophrenie) oder eine große psychische Belastung (etwa Trennung der Eltern) nicht als Ursache für das Versagen des Kindes infrage kommen.

Einfach ausgedrückt handelt es sich also bei der Legasthenie um ein unerklärliches isoliertes Versagen im Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens.

Und wenn sich doch eine Erklärung für das Versagen finden lässt?

Neben diesem unerklärlichen Versagen beim Lesen- oder Schreibenlernen ist auch ein „erklärliches“ Versagen denkbar – und das ist von einer Legasthenie abzugrenzen. Stellen wir uns einmal vor, ein Kind ist im ersten Schuljahr sehr lange krank – hier entstehen natürlich große Lücken im Schulstoff, und Lernprobleme sind oft unausweichlich. Ähnlich wird es einem Kind ergehen, das beispielsweise durch die Trennung seiner Eltern psychisch stark belastet ist. Dieses Kind ist sicherlich nicht aufnahmebereit für das Lernangebot in der Schule. Auch ein früher Schulwechsel – etwa durch einen Umzug der Familie – kann einen solchen Belastungsfaktor darstellen, der dem Kind einen reibungslosen Schriftspracherwerb erschwert.

Diese und noch viele weitere „besondere Lebensumstände“ können Ursachen für Probleme beim Lesen- und Schreibenlernen sein. In der Regel verschwinden diese Lernprobleme allmählich, wenn sich die Belastungssituation des Kindes entspannt. Wir sprechen darum in diesen Fällen von „vorübergehender Lese-Rechtschreib-Schwäche“ und nicht von einer echten Legasthenie. Eine solche „vorübergehende Lese-Rechtschreib-Schwäche“ kommt bei etwa 10 % unserer Kinder vor.

Was geschieht bei unterdurchschnittlicher Intelligenz?

Noch eine weitere Gruppe von Kindern hat Lese-Rechtschreib-Probleme – und auch die gehören nicht in die Kategorie der Legastheniker. Das sind Kinder mit einer „allgemeinen Minderbegabung“. Hier handelt es sich um Kinder, deren Intelligenz im Grenzbereich liegt. Ihre intellektuelle Grundausstattung reicht nicht aus, dass sie in der Regelschule problemlos mithalten können. Diese Kinder haben aber nicht nur beim Lesen und Schreiben Probleme. Ihnen fallen die meisten Bereiche des schulischen Lernens und Arbeitens enorm schwer – meist über die gesamte Schulzeit hinweg. Wir sprechen in diesem Fall von einer „allgemeinen Lese-Rechtschreib-Schwäche“. Diesen Kindern ist zu wünschen, dass sie in der Regelschule vermehrt sonderpädagogischen Beistand und Förderung erhalten, sodass sie von echter Inklusion profitieren können.

Die „echte“ Legasthenie

Von einer Legasthenie, die den eingangs genannten strengen Kriterien (mindestens durchschnittliche Intelligenz, überdauernde Probleme beim Schriftspracherwerb, für die keine äußeren Ursachen auffindbar sind) genügt, sind etwa 5 % unserer Schulkinder betroffen. Statistisch gesehen sitzt demnach in jeder Schulklasse mit durchschnittlich 25 Schülern ein legasthenes Kind. Die Tatsache, dass Jungen etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Mädchen, mag an geschlechtstypischen Unterschieden liegen: Mädchen sind den Jungen generell in der sprachlichen Entwicklung überlegen (Jungen sind dafür in anderen Bereichen, zum Beispiel der räumlichen Vorstellung, den Mädchen voraus).

Wie die Diagnose erfolgt

Ein Wort vorweg: Kein Lehrer – auch nicht der erfahrenste und engagierteste – kann eine Legasthenie sozusagen auf den ersten oder zweiten Blick bei einem seiner Schüler diagnostizieren. Sicher kann ein wachsamer Lehrer aber Hinweise auf das Vorliegen einer Legasthenie finden und die Eltern ermutigen, diesen Hinweisen nachzugehen und ihr Kind fachärztlich untersuchen zu lassen. Vor allem: Kein Lehrer kann zweifelsfrei feststellen, dass ein Kind kein Legastheniker ist. Und doch hört man oft, dass Lehrer bestreiten, ein Kind könne Legastheniker sein („Denn er macht ja keine typischen Fehler“ oder „Ich habe noch viel schwächere Rechtschreiber in der Klasse“).

Tatsächlich glaubte man lange, dass Legastheniker immer ganz typische Fehler machen – etwa das Verwechseln von „b“ und „d“ oder „p“ und „q“ oder das Vertauschen der Reihenfolge von Buchstaben (etwa „Rabne“ statt „Raben“). Sicher unterlaufen legasthenen Schülern unter anderem auch solche Fehler. Aber bei der Vielzahl der Fehlertypen, mit denen sich Legastheniker plagen müssen, gibt es keine sogenannten „typischen Fehler“.

Legastheniker machen keine „typischen Rechtschreibfehler“.
Sie machen nur wesentlich mehr Fehler als andere Kinder.

Legastheniker haben auch kein „stabiles Fehlerprofil“. Das heißt: Sie machen nicht immer die gleichen Fehler. Ein Wort, das heute falsch geschrieben wird, kann morgen auf ganz andere Weise falsch geschrieben werden. Und übermorgen kann das Wort sogar richtig geschrieben werden, wobei keinerlei Garantie besteht, dass mein Kind nicht am folgenden Tag einen ganz anderen Fehler in dieses Wort „einbaut“.

Für eine Mutter, die Tag für Tag übt und hofft, dass all diese Mühen endlich Früchte tragen, dass das Kind doch einmal behält, was man stundenlang gepaukt hat, ist eine solche Situation natürlich zum Verzweifeln. Und manchmal fragt sie sich wahrscheinlich insgeheim: „Ist mein Kind vielleicht tatsächlich zu dumm zum Schreiben?“

 Wie wir schon gehört haben, ist mangelnde Intelligenz bei einem Legastheniker sicher nicht die Ursache der Lernprobleme. Denn es ist ja gerade der große Unterschied zwischen der guten Intelligenz des Kindes und seinen schwachen Leistungen im Lesen oder Schreiben, der diese Störung definiert.

Gleich vorweg: Die typischen Legasthenie-Ursachen gibt es nicht. Legasthenie ist nicht vergleichbar mit einer Krankheit aus dem Bereich der Medizin (zum Beispiel einem Herzinfarkt), die bei jedem Patienten immer die gleichen Ursachen hat und auch immer die gleichen Symptome hervorruft. Legasthenie zeigt keine typischen Symptome (also Rechtschreibfehler) – und sie hat auch keine einheitlichen Ursachen.

Die Ursachen der Legasthenie

Die wissenschaftliche Klärung der Faktoren, die an der Entstehung einer Legasthenie beteiligt sind oder sein können, ist noch im Fluss. Eines aber ist sicher: Bei jedem Kind gibt es für die Legasthenie ein ganzes Bündel individueller Ursachen. Diese Ursachen sind biologischer Natur und hängen mit der Reifung des zentralen Nervensystems (ZNS), also mit der Hirnentwicklung, zusammen. Durch Besonderheiten oder Anomalien in der Reifung des ZNS werden bestimmte Funktionen (etwa im Bereich der sprachlichen Verarbeitung) nur eingeschränkt ausgebildet. Erst das Zusammenfallen verschiedener solcher „Teilleistungsschwächen“ führt dann dazu, dass ein Kind für das Lesen- und Schreibenlernen unzureichend ausgestattet ist.

Doch worin liegen nun die eigentlichen Ursachen für diese biologischen Besonderheiten der Legastheniker? Hier gibt es zum einen den genetischen Faktor. Wir finden bei etwa 40 % unserer legasthenen Kinder im näheren familiären Umfeld weitere Personen, die ebenfalls gravierende Probleme mit dem Schriftspracherwerb haben oder hatten. Vererbt wird hier nicht die Legasthenie an sich, sondern die „Disposition“, also eine erhöhte „Anfälligkeit“ für Störungen im schriftsprachlichen Bereich.

Auch die Umwelt – in diesem Falle die Anregung der Sprachentwicklung durch das Elternhaus, die Förderung des Interesses, der Motivation und der Kompetenz im Umgang mit Sprache und Schriftsprache – spielt (wie immer in der menschlichen Entwicklung) eine Rolle. Jedoch sind diese Einflüsse lediglich von zusätzlicher Bedeutung. So kommt es nicht von ungefähr, dass auch Kinder, die in einem sprach- und lesebegeisterten Umfeld aufwachsen und hier optimale Anregung und Förderung erfahren, eine Legasthenie ausbilden können. Andererseits gelingt es Kindern, die in ihrer Entwicklung mit sehr wenig förderlicher Anregung von außen auskommen müssen, glücklicherweise vielfach, mit dem Lesen- und Schreibenlernen gut zurechtzukommen.

Wenn Ihr Kind eine Legasthenie ausbildet, ist das mit Sicherheit nicht in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Sie zu wenig oder falsch geübt hätten.

So kann es für Ihr Kind fatal sein, wenn Sie – obwohl der Erfolg ausbleibt – weiter und weiter üben. Sollte der geringste Verdacht bestehen, dass Ihr Kind speziell mit dem Lesen und dem Schreibenlernen nicht zurechtkommt, führt kein Weg an einer gezielten Diagnostik beim Schulpsychologen bzw. beim Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie vorbei.

Was tun bei Legasthenie-Verdacht?

Legasthenie-Verdacht sollten Sie nicht erst dann schöpfen, wenn‘s im dritten oder vierten Schuljahr Fünfen und Sechsen im Diktat hagelt. Verlassen Sie sich schon in den ersten Schuljahren auf Ihren Eindruck: Lesen Sie das erste Jahreszeugnis genau – auch zwischen den Zeilen. Steht da, dass Ihr Kind auch weiterhin fleißig üben muss, um mit den Lernwörtern oder dem flüssigen Lesen zurechtzukommen? Steht unter den meisten geübten oder ungeübten Diktaten, Ihr Kind solle noch mehr üben? Haben Sie bei all dem das Gefühl „Mehr üben geht doch gar nicht mehr“?

Verlassen Sie sich nicht auf den „Knoten“, der irgendwann „platzen“ wird. Zwingen Sie Ihr Kind und sich selbst nicht zum täglichen (erfolglosen) Üben. Holen Sie sich Gewissheit. Je weniger Druck und Misserfolg Ihr Kind erleiden muss, umso weniger werden seine Persönlichkeit und sein Selbstwertgefühl angegriffen.

Natürlich werden Sie als Erstes untersuchen lassen, ob Ihr Kind richtig hört und sieht. Das Hören testet der HNO-Arzt, eine weiterführende Diagnostik ist in der Pädaudiologie möglich. Auch Störungen des Sehens müssen natürlich frühzeitig erkannt werden. Augenveränderungen verursachen zwar keine Legasthenie, aber es gibt Veränderungen der Augen, die eine Schwäche beim Lesen zur Folge haben und damit eine Legasthenie vortäuschen können. Deshalb sollte eine genaue augenärztliche Untersuchung erfolgen mit Überprüfung der Akkommodation.

Was testet der Kinder- und Jugendpsychiater?

Eine Untersuchung auf Legasthenie beinhaltet zwei Bereiche: den medizinischen und den psychologischen. Im Rahmen der medizinischen Diagnostik wird unter anderem die körperliche Entwicklung des Kindes begutachtet. Zum Beispiel wird die Hirnaktivität über ein EEG erfasst. Insgesamt soll über diesen medizinischen Teil der Untersuchung geklärt werden, ob sich bestimmte körperliche (neurologische, physiologische etc.) Ursachen für das Lernproblem erkennen lassen.

Die psychologische Diagnostik besteht im Wesentlichen aus der Durchführung psychologischer Tests. Hier wird zum einen die Intelligenz des Kindes überprüft, dann natürlich die Leistungen im Rechtschreiben und Lesen. Not- falls wird auch die Konzentrationsleistung noch gesondert überprüft. Solche Tests geben objektive Informationen über den Leistungsstand eines Kindes. Denn sie wurden an sehr großen, repräsentativen Stichproben „geeicht“ und erlauben es deshalb, die individuelle Leistung eines Kindes vor dem Hintergrund dieses Bezugsrahmens einzuordnen.

Testergebnisse werden in Prozenträngen (PR zwischen 0 und 100) angegeben. Der Rang gibt den Prozentsatz von Kindern gleicher  Klassenstufe an, die in diesem Test gleich gut oder schwächer abschneiden. Erzielt ein Kind einen Prozentrang von PR = 10, bedeutet das, dass 90 % der Kinder dieser Klassenstufe  besser  abschneiden  als  das  getestete  Kind.  Mit  einem PR = 50 liegt ein Kind also genau im Mittelfeld und erbringt eine durchschnittliche Leistung. Der Normalbereich erstreckt sich von PR = 16 bis PR = 84. Daneben finden wir in kinder- und jugendpsychiatrischen Gutachten vielfach auch T-Werte; hier liegt der Normalbereich zwischen T = 40 und T = 60.

Was geschieht beim Intelligenztest?

Es gibt viele verschiedene Testverfahren zur Feststellung der Intelligenz und Ermittlung des Intelligenzquotienten eines Kindes. In den ausführlichen Verfahren, deren Durchführung deutlich mehr als eine Stunde dauert, werden.

Viele verschiedene Aspekte der Intelligenzleistung gründlich überprüft. So erfasst beispielsweise ein aktuelles Verfahren, die „Wechsler Intelligence Scale for Children (WISC-IV)“, die folgenden vier Bereiche: 1. Sprachverständnis, 2. wahrnehmungsgebundenes logisches Denken, 3. Arbeitsgedächtnis und 4. Verarbeitungsgeschwindigkeit. Damit ist eine umfassende Beschreibung der kognitiven Grundausstattung eines Kindes gewährleistet. Kürzere Testverfahren, z. B. der CFT 1-R oder CFT 20-R, messen hingegen nur spezielle Aspekte der Intelligenz, etwa das schlussfolgernde Denken.

Selbstverständlich ist bei der Überprüfung der Intelligenz den ausführlichen Verfahren der Vorzug zu geben, weil diese neben dem IQ (Intelligenzquotient) noch viele weitere Informationen über die intellektuelle Grundausstattung des Kindes liefern. Das Ausmaß an Intelligenz, über die eine Person verfügt, wird meist als IQ angegeben. Hier liegt der „Normalbereich“ zwischen 85 und 115, der genaue Mittelwert beträgt 100. Natürlich gibt es auch Intelligenzquotienten unter 85, hier sprechen wir von Minderbegabung. Bei einem IQ über 115 ist die Begabung überdurchschnittlich, ab IQ = 130 finden wir den Bereich der Hochbegabung.

Was geschieht beim Rechtschreibtest?

Die Rechtschreibkompetenz eines Kindes wird meist mit sogenannten Lückentexten überprüft. Hier soll das Kind diktierte Wörter eintragen. Die Wörter sind dabei nach Schwierigkeitsgrad, Fehlerträchtigkeit und sonstigen Kriterien ausgewählt, sodass die Auswertung nicht nur quantitative Ergebnisse liefert („Wie gut ist mein Kind im Rechtschreiben?“), sondern auch qualitative

Angaben („Wo liegen die Fehlerschwerpunkte meines Kindes?“). Relativ neu sind Testverfahren, die sich nicht eines Lückentextes bedienen, sondern die Rechtschreibung in einem Fließtext überprüfen. Einen solchen Fließtext können wir uns wie ein ganz normales Diktat vorstellen, dessen Besonderheit aber darin besteht, dass es „geeicht“ wurde. So haben Tausende von Kindern dieses Diktat geschrieben. Sie bilden den Bezugsrahmen, vor dem dann die Leistung unseres Testkindes eingeordnet werden kann. Der Vorteil eines Fließtextes besteht darin, dass hier wesentlich mehr Fehlerquellen erfasst werden können als im Lückentext. So fallen auch Kinder auf, die „Wortschlangen“ schreiben, also die Wortgrenzen nicht erfassen, aber auch Kinder, die schwierige Wörter richtig – dafür aber leichtere Wörter (wie etwa „nich“ statt „nicht“) falsch schreiben. Daneben erlaubt der Fließtext auch eine solidere Überprüfung der Rechtschreibleistung bei Kindern mit starken Aufmerksamkeitsschwankungen.

Was geschieht beim Lesetest?

Es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Tests. Denn beim Lesen lassen sich verschiedenste Aspekte der Lesefertigkeit prüfen: lautes Vorlesen, leises Lesen, Lesegeschwindigkeit, Lesegenauigkeit etc. Hier gilt es zu bedenken, dass das leise Lesen der „natürlichen Lesesituation“ am ähnlichsten ist. Außerdem ist in der deutschen Sprache die Lesegeschwindigkeit eines Kindes wesentlich aussagekräftiger als die Lesegenauigkeit (also die Angaben über die Lesefehler, die ein Kind macht). Eine solide Testung der Leseleistung eines Kindes sollte sich wiederum an den Stufen der Entwicklung orientieren: So sollte die alphabetische Strategie erfasst werden, etwa über das Lesen von

„Unsinnswörtern“ (z. B. „lomas“, „ruson“). Hier zeigt sich, ob das Kind hinreichend genau und sicher liest und ob auch die Buchstabe-Laut-Verbindungen gut verfügbar sind. Dann sollte über das möglichst schnelle Lesen echter Wörter („Haus“, „Baum“ etc.) die Geschwindigkeit im Sinne der orthographischen Strategie überprüft werden. Schließlich lässt sich auch das Leseverständnis differenziert überprüfen, einerseits in Bezug auf das Verständnis einzelner Sätze, andererseits auch mit Blick auf das sinnentnehmende Lesen ganzer Texte. Eine solche Testung ermöglicht die umfassende Beurteilung der Lesekompetenz eines Kindes und zeigt auch an, auf welchem Niveau sinnvolle Übungen ansetzen können.

Was sagen uns die Testergebnisse?

Durch die psychologische Diagnostik erhalten wir Informationen über die intellektuelle Grundbegabung des Kindes und darüber, wie das Kind in verschiedenen Leistungsbereichen abschneidet. Zwei Beispiele sollen verschiede- ne Befundbilder verdeutlichen:

Bei Timo (3. Klasse) wurde ein IQ von 98 festgestellt, er ist demnach durchschnittlich intelligent. Im Rechtschreiben erzielt er einen Prozentrang von 54, die- se Leistung liegt ebenfalls im Durchschnittsbereich. Intelligenz und Rechtschreibleistung passen also gut zusammen. Es ist keine überraschende Diskrepanz zwischen Intelligenz und Rechtschreibleistung feststellbar.

Jana (3. Klasse) ist mit einem IQ von 104 ebenfalls durchschnittlich intelligent. Im Rechtschreiben erreicht sie jedoch lediglich einen Prozentrang von 7. Im Lesen liegt der Prozentrang bei 9. Außerdem wurde noch ein Mathematiktest durchgeführt. Bei diesem schnitt Jana mit einem Prozentrang von 48 wieder durchschnittlich ab. Hier zeigt sich ein drastischer Unterschied zwischen Janas Intelligenz und ihren Leistungen im Lesen und Schreiben. Außerdem finden wir noch eine große Diskrepanz zwischen ihrer Lese-Rechtschreib-Leistung und ihrer Mathematikleistung. Jana hatte schon seit der ersten Klasse große Probleme im Lesen und Rechtschreiben. Diese Befunde sprechen für eine Legasthenie.

Jana leidet sehr unter ihrem ständigen Versagen beim Lesen und Schreiben. Die Probleme wurden von Jahr zu Jahr schlimmer. Während es zu Beginn der ersten Klasse „nur“ die Lese- und Schreibübungen waren, bei denen sie versagte, kamen allmählich die Proben in Heimat- und Sachkunde als große Hürde hinzu: Meist konnte sie die schriftlich gestellten Fragen nicht lesen, geschweige denn ihr Wissen schriftlich aufs Papier bringen. Dann kamen die Sachaufgaben in Mathematik. Jana hätte zwar die Rechnung spielend gekonnt, aber sie konnte ja noch nicht einmal die Aufgabe verstehen. So war die Lage:

Jana war in Heimat- und Sachkunde schwach, obwohl die Themen sie brennend interessierten, Jana war in Mathematik schwach, obwohl sie gern und gut rechnete – und all das nur, weil sie in einem Bereich tatsächlich sehr schwach war: im Lesen und Schreiben. Aus Jana wurde allmählich eine Schulversagerin. Sie war in allen Kernfächern abgesackt, und eine Klassenwiederholung stand bevor. Welche Perspektive hat sie?

Was wird aus Legasthenikern?

Wie wir schon gehört haben, verwachsen sich die Lese-Rechtschreib-Probleme eines Legasthenikers nicht. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Leistungen im Lesen und Rechtschreiben sehr stabil sind. Das heißt: Die Kinder, die beispielsweise im zweiten Schuljahr die Schwächsten der Klasse sind, werden es auch in der achten Klasse sein. Die Kinder, die zu Beginn der Grundschulzeit die langsamsten Leser und Schreiber mit den meisten Fehlern sind, werden es mit großer Sicherheit auch noch zum Ende ihrer gesamten Schulzeit sein.

Sicherlich können Legastheniker, wenn sie die Schulzeit hinter sich gebracht haben, beruflich (und sicher auch privat) einer Beschäftigung mit Schriftsprache erfolgreich aus dem Weg gehen. Sie werden also nicht in Büros oder Ämtern zu finden sein. Trotzdem muss es uns zu denken geben, dass eine wissenschaftliche Untersuchung zu dem Ergebnis kam, dass 26 % der über viele Jahre beobachteten Legastheniker mit 26 Jahren arbeitslos waren. Außerdem finden wir bei Legasthenikern ein deutlich erhöhtes Risiko, in späteren Jahren depressiv oder straffällig zu werden. Dies liegt darin begründet, dass den betroffenen Kindern schon während der Grundschulzeit, also in einer sehr sensiblen Phase der Persönlichkeitsentwicklung, durch ständige Misserfolgserlebnisse der Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls massiv erschwert wird.

Legastheniker haben es schwer

Legastheniker sind von „Ausgliederung“ bedroht: In der Grundschule werden sie nicht selten gehänselt, zu Unrecht getadelt, mit Üben bestraft, bleiben trotzdem „sitzen“. Später bleibt ihnen unter Umständen trotz überdurchschnittlicher Intelligenz der Übertritt in eine höhere Schule verwehrt. Sicher wird niemand widersprechen, wenn gefordert wird, jedes Kind solle gemäß seiner Begabung (womit gemeinhin die Intelligenz gemeint ist) Zugang zu einer bestimmten Schulart finden. Wie lässt es sich jedoch begründen, wenn einem ausnehmend intelligenten Kind der Zugang zum Gymnasium verwehrt bleiben soll? Wenn es selbst in der Regelschule falsch zu sein scheint? Wenn es sich schließlich selbst für zu dumm hält, um in dieser Gesellschaft seinen Platz zu finden? Legastheniker finden keinen Platz. Darum brauchen sie unsere Hilfe – möglichst früh.

(Petra Küspert)

 

Textauszug aus:

Petra Küspert,
Neue Strategien gegen Legasthenie
Lese- und Rechtschreibschwäche: Erkennen, Vorbeugen, behandeln
Oberstebrink 2015
Hardcover, 192 Seiten
4-fbg. Abb. und Illustrationen
ISBN: 978-3-934333-12-3
19,90 €
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