2020

GemüseAckerdemie: 5 Tipps für den Gemüseanbau mit Kita-Kindern

Katharina Kühnel / Ackierdemia

 

Wo kommt eigentlich unser Essen her? Das ist den meisten Kindern heute nicht mehr klar. Ein eigener Acker in der Kita schafft Abhilfe – doch nicht nur das: Die Kinder bewegen sich in der Natur, erwerben neues Wissen rund um Gemüse und setzen sich mit gesunder Ernährung auseinander. Sie entwickeln Sozialkompetenzen, handeln verantwortungsbewusst und ihre Wertschätzung für Lebensmittel steigt. Mit diesen 5 Tipps der GemüseAckerdemie können Sie in Ihrer Kita losackern!

„Darf ich das probieren?“ – „Ich hab ‘ne Riesenzucchini gefunden! Boah ist die dick!“– „Komm, wir machen das zusammen!“ – „Blauer Kohlrabi, oh, wie cool!“  Gesprächsfetzen von aufgeweckten Kindern auf einem Acker des Bildungsprogramms GemüseAckerdemie. Die Ernte ist für die Kinder immer etwas ganz Besonderes, nachdem sie sich monatelang zusammen mit ihren Erzieher*innen um ihr Gemüse gekümmert haben – von der Aussaat im Frühjahr bis zum Mulchen des Ackers im Herbst: Beim Pflanzen, Jäten, Gießen und Ernten lernen sie Verantwortung zu übernehmen, die Initiative zu ergreifen, im Team zu arbeiten, sich gegenseitig zu helfen und stolz auf sich zu sein. Die Kinder bewegen sich regelmäßig an der frischen Luft, essen ihr selbst angebautes Gemüse direkt vom Acker und erleben den natürlichen Verlauf eines AckerJahres mit allen Sinnen. So werden sie spielerisch für einen nachhaltigen und wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln und zu einer gesunden Ernährung motiviert.

Die Fähigkeit selbständig zu handeln, entfaltet sich bei Kindern am besten, wenn Freiräume für sie geschaffen werden. Kinder übernehmen gerne Verantwortung – wenn man sie lässt. Eine sinnvolle Möglichkeit ihr Verantwortungsgefühl auf natürliche Weise entstehen und wachsen zu lassen, bietet ein Gemüsegarten direkt in der Kita.

Doch wie fängt man am besten an? Für alle, die das Ackern mit Kindern selbst austesten wollen, hat die GemüseAckerdemie 5 wertvolle Tipps zum Anlegen eines Gemüsegartens zusammengestellt (siehe unten). Der Verein Ackerdemia e. V. bietet mit dem Bildungsprogramm GemüseAckerdemie „AckerKita“ ein ganzjähriges Angebot für alle Institutionen der frühkindlichen Bildung. Dabei wird ein GemüseAcker als naturnaher Lernort angelegt und die teilnehmenden Kitas werden intensiv betreut – von der Anbauplanung über Fortbildungen bis zu wöchentlichen Informationen rund um den Acker. So können auch Erzieher*innen ohne gärtnerisches Vorwissen erfolgreich einen Gemüsegarten bewirtschaften. Das Konzept lässt sich individuell in den bestehenden Alltag von Kitas und Schulen integrieren.

Sie möchten 2020 gemeinsam mit Ihren Kita-Kindern an der GemüseAckerdemie teilnehmen? Dann melden Sie sich zeitnah unter kita@ackerdemia.de und sichern Sie sich einen der letzten bezuschussten Plätze für dieses Jahr. Weitere Infos unter: www.gemueseackerdemie.de

5 Tipps für den Gemüseanbau mit Kita-Kindern

  1. Eine geeignete Ackerfläche finden

Eine geeignete Ackerfläche sollte möglichst auf dem Kitagelände oder in fußläufiger Umgebung liegen, damit sowohl Kinder als auch Eltern und Erzieher*innen täglich Veränderungen beobachten, reifes Gemüse ernten und den Acker erleben können. Es ist ebenso möglich, mehrere kleinere Teilflächen auf dem Kitagelände verteilt zu nutzen oder mit ein paar Kübeln zu starten. Wichtig ist, dass mindestens zwei bis drei Stunden am Tag Sonne auf die Fläche scheint. Falls der Boden stark verwurzelt, durch Schadstoffe belastet oder versiegelt ist, sind Hochbeete eine gute Alternative.

  1. Beete mit Wegen anlegen

Für den Gemüseanbau mit Kindern sollten zwischen den Beeten Wege angelegt werden (mindestens 40cm breit). Pflanzen Sie pro Beet maximal zwei Reihen, damit die Kinder von allen Seiten gut an das Gemüse herankommen und es pflegen können.

  1. Vielfalt im Anbau – die Mischung macht’s!

Wir empfehlen eine Mischung aus Saatgut (z.B. Radieschen), Pflanzgut (z.B. Kartoffeln) und Jungpflanzen (z.B. Salat). Dadurch lernen die Kinder eine Vielfalt an Anbaumöglichkeiten kennen. Erfahrungsgemäß sind Jungpflanzen etwas robuster und wachsen besser an. Sehr kleine Samen (genannt Feinsämereien), wie Möhren oder Radieschen, können vor dem Aussäen mit Sand gemischt werden – so fällt den Kindern das gleichmäßige Verteilen der Samen leichter.

  1. Altbekannte und neue Gemüsesorten anpflanzen

Eine Kombination aus beliebten und bekannten Kulturen (z.B. Gurken, Tomaten) und unbekannteren (z.B. Palmkohl, Mangold) weckt die Neugierde der Kinder, und sie lernen die Sortenvielfalt von Gemüse kennen. Schwarze Tomaten, violette Kartoffeln oder gepunkteter Mais stoßen bei ihnen auf großes Interesse und machen erlebbar, wie vielfältig unsere Lebensmittel sind.

  1. Mulch als Düngung

Zur Stärkung des Ackerbodens bedarf es keiner künstlichen Düngemittel. Rasen- und Heckenschnitt kann als Gründüngung direkt auf den Acker aufgebracht werden. Auch Fall-Laub und anderes naturbelassenes organisches Pflanzmaterial eignet sich bestens, um es großzügig auf der gesamten Ackerfläche zu verteilen. Das verbessert durch die Nährstoffzufuhr die Bodenqualität und beeinflusst das Pflanzenwachstum positiv. Im Sommer schützt der Mulch vor Austrocknung und reduziert je nach Material oft auch den Unkrautwuchs. Im Winter hält er den Boden warm, bietet dem Bodenleben Nahrung und schützt die Pflanzen vor Frost.

 

Ackerdemia e.V. und das Bildungsprogramm der GemüseAckerdemie

„Eine Generation, die weiß, was sie isst” – genau so lautet das Ziel des gemeinnützigen Vereins Ackerdemia, der 2020 mit seinem vielfach ausgezeichneten Bildungsprogramm GemüseAckerdemie mehr als 650 Kitas und Schulen in ganz Deutschland auf den Acker schickt. Darüber hinaus entwickelt Ackerdemia e. V. weitere Angebote, um auch private Haushalte und Unternehmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Lebensmitteln zu motivieren.

www.gemueseackerdemie.de

Mit „Frisch auf den Tisch“ für eine gesunde Ernährung

(c) Dusyma

 

„Frisch auf den Tisch“ ist ein Spiel mit 110 runden Bildkarten aus Birkensperrholz. Die Kärtchen zeigen viele verschiedene Obst- und Gemüsesorten. So können sich Kinder ab drei Jahren spielerisch Wissen über Herkunft, Art und Aussehen von Lebensmitteln aneignen.

 

 

Wovon leben wir? Das Bewusstsein um die Bedeutung unserer Ernährung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Dagegen wissen viel zu wenige Menschen, woraus ihr Essen besteht. Mit dem Spiel „Frisch auf den Tisch“ erfahren die Kinder jede Menge wissenswertes über Obst und Gemüse. Es vermittelt elementares Wissen um Herkunft, Art und Aussehen von Lebensmitteln.  Dabei erfahren die Kinder auch, welche Produkte heimisch sind und welche aus anderen Ländern importiert werden müssen.  So lässt sich mit „Frisch auf den Tisch“ ein wichtiger Grundstein für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unserer Erde und für eine gesunde Ernährung schaffen.

Das Spiel besteht aus 110 runden Bildkarten, auf denen verschiedene Obst- und Gemüsesorten naturgetreu abgebildet sind. Diese können auf fünf Sortiertafeln gelegt und zugeordnet werden, wofür Farb- und Themenkarten zur Verfügung stehen. Durch die realistische Fotodarstellung der Nahrungsmittel auf den Bildkarten und die Vielseitigkeit hat das Spiel einen hohen pädagogischen und ästhetischen Wert.

Für 1 und mehr Spieler.

Ab 3 Jahre.

Inhalt/Material: 110 runde Bildkarten, 5 Sortiertafeln mit Einteilung, 7 x 2 Farbkarten, 10 x 2 Themenkarten, aus Birkensperrholz.

Maße: Bildkarten Ø 6 cm, Farb- und Themenkarten 6 x 6 cm, Sortiertafel 14 x 28 cm, Holzkasten mit Schiebedeckel 31 x 17 x 10,4 cm .

UVP: 215 Euro

"Ich kann kochen!"–Rezept: Belegtes Brot mit Kräuterbutter

"Ich kann kochen!"

 

Mit Kindern zu kochen, ist gar nicht so kompliziert wie man vielleicht denken mag. Die Ideen der Bildungsinitiative "Ich kann kochen!" der Sarah Wiener Stifung und der Barmer lassen sich einfach und unkompliziert im Kita-Alltag nachkochen. Ab sofort stellen wir regelmäßig Rezepte für kleine und große Köche vor. Zum Auftakt gibt es selbst geschüttelte Butter und Brot.

 
Zutaten für 12 Kinder:
  • 1 Becher Sahne à 200 ml
  • 1 Bund Basilikum
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • Salz + Pfeffer
  • 500 g Mini-Strauchtomaten
  • 12 Scheiben Vollkornbrot
Küchenwerkzeuge:
  • ein Schraubglas mit Deckel
  • kleine Schüssel
  • Knoblauchpresse
  • Küchenmesser
  • Schneidebretter
  • Brotmesser
  • Buttermesser

Rezept für Belegtes Brot mit Kräuterbutter

 
Schritt 1: 

Die Sahne gründlich durchschütteln, dann öffnen. Ein sauberes Schraubglas zu maximal zwei Dritteln mit Sahne füllen. Glas fest verschließen und kräftig schütteln, sodass ein klatschendes Geräusch entsteht.

Die Kinder können reihum immer abwechselnd schütteln. Es sollten keine Pausen entstehen.

Schritt 2:

Nach einigen Minuten verfestigt sich die Masse. Wichtig ist, jetzt nicht aufzuhören, sondern weiter zu schütteln, bis ein richtiger Butterklumpen im Glas entstanden ist. Diesen können Sie herausnehmen und verarbeiten.

Die Buttermasse mit dem Löffel beim Abgießen zurückhalten. Auch ein Haarsieb hilft beim Abschütten. Die Flüssigkeit ist Buttermilch, probieren Sie diese!

Schritt 3:

Das Basilikum abspülen, trockenschütteln und die Blätter abzupfen. Besonders schöne Blätter zum Garnieren der geschmierten Brote beiseitelegen. Die restlichen Blätter mit den Händen fein zerkleinern und zur Butter geben.

Schritt 4:

Die Knoblauchzehe schälen, pressen und ebenfalls zur Butter geben. Leicht salzen und pfeffern. Alles gründlich vermischen.

Das Mischen gelingt gut mit Hilfe einer Gabel.

Schritt 5:

Die Tomaten waschen, abtrocknen, halbieren und den Strunk herausschneiden. Die halbierten Tomaten auf einem Teller mit den Basilikumblättern garnieren.

Tomaten lassen sich mit einem Wellenschliff-Messer leichter aufschneiden. Auch das Anpieksen der Schale hilft.

Schritt 6:

Die Brotscheiben zusammen mit der Basilikumbutter und den Tomaten servieren.

Die Brotscheiben zusammen mit der Basilikumbutter und den Tomaten servieren. Jedes Kind darf sich sein Brot selbst streichen und die Tomaten mit der Schnittfläche nach unten auf das beschmierte Butterbrot legen.

 

Anmeldung und weitere Informationen zu "Ich kann kochen!"

Wenn auch Sie als Erzieherin und Erzieher oder pädagogische Fachkraft die Kinder in Ihrer Einrichtung für das Kochen und eine vielseitige Ernährung begeistern wollen, melden Sie sich unter www.ichkannkochen.de/mitmachen für eine kostenfreie Fortbildung der Initiative Ich kann kochen! an. Das gemeinsame Angebot von Sarah Wiener Stiftung und BARMER vermittelt deutschlandweit Erzieherinnen und Erziehern, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern die Grundlagen des pädagogischen Kochens mit Kindern. Um direkt in die Praxis zu starten, können Sie einmalig eine Lebensmittelförderung der BARMER von bis zu 500 Euro für eigene Koch-Projekte in Ihrer Einrichtung beantragen.

 

Ich kann kochen! Drei Fragen an Sarah Wiener

© Sarah Wiener Stiftung | Ute Grabowsky

 

Mit "Ich kann kochen!" machen Sarah Wiener Stiftung und BARMER seit 2016 pädagogische Fach- und Lehrkräfte in kostenfreien Fortbildungen fit für das Kochen mit Kindern. Stiftungsgründerin und Köchin Sarah Wiener spricht im kinderzeit–Interview über die Initiative sowie die besondere Rolle von Kitas und Grundschulen bei der praktischen Ernährungsbildung.

 

Frau Wiener, warum können immer weniger Kinder kochen?

Die Antwort ist leicht: Weil es ihnen niemand mehr beibringt! In immer weniger Familien wird noch frisch gekocht. In Küchenschränken dominieren Konservendosen und Fertiggerichte, an jeder Straßenecke gibt es Currywurst und Pizza und abends bringt der Lieferservice das Essen. Herd und Ofen bleiben kalt – und Kinder ahnungslos. Das ist eine sehr traurige Entwicklung. Die Koch- und Esskultur ganzer Generationen geht verloren. Mit unserer Initiative Ich kann kochen! möchten wir das ändern. Wenn schon kleine Kinder wieder mehr über Lebensmittel, deren Herkunft und Zubereitung wissen, verändert es ihren Blickwinkel auf das, was sie sich in den Mund stecken. Sie können Frische und Vielfalt einfordern und selbstbestimmt essen. Dazu müssen wir das Kochen wieder in ihren Alltag holen! 

 

Was lernen die Pädagoginnen und Pädagogen bei den "Ich kann kochen!"–Fortbildungen?

Die Grundlagen des pädagogischen Kochens, also wie man Kinder ganz praktisch und ohne erhobenen Zeigefinger für vielfältiges Essen begeistert. Dazu gehört natürlich auch etwas Theorie – wie entwickelt sich der Geschmack, was muss ich bei der Hygiene beachten – aber vor allem ganz viel Praxis: Schneidetechniken für kleine Hände, kindgerechte Rezepte, all das wird direkt in der Küche ausprobiert. Unsere Fortbildungen geben viele Anregungen, wie praktische Ernährungsbildung auch mit wenig Zeit oder auch ohne Küche in den Einrichtungen stattfinden kann. Für das Kochen mit Kindern muss man kein Küchenexperte sein und es braucht nicht viel! Für uns ist wichtig: Es soll allen Spaß machen und Genuss bringen. Darum heißen die Teilnehmenden unserer Fortbildung am Ende auch GenussbotschafterInnen.

Die eintägigen Fortbildungen sind im Übrigen kostenfrei und auch im Anschluss gibt es im Online-Portal für GenussbotschafterInnen von Rezepten, über Praxistipps, Hintergrundinformationen zu Kinderernährung bis hin zu einem Einsteiger-Kochkurs ganz viele Tipps und Materialien, um direkt mit den Kindern zu starten.

 

Warum sind Kitas und Grundschulen ideale Orte, um Kinder für das Kochen zu begeistern?

Heute nehmen Kinder einfach viele Mahlzeiten in diesen Einrichtungen ein. Das bietet auch ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Wir beobachten immer wieder, wie viel Kommunikation beim Kochen und gemeinsamen Essen stattfindet: Da wird gestaunt, gelacht und gelobt! Ein weiterer Vorteil ist, dass wir in der Kita, der Grundschule oder dem Hort sehr viele Kinder, und zwar aus ganz unterschiedlichen Familien, erreichen können. Und ganz wichtig: Dort arbeiten Menschen, die pädagogisch ausgebildet sind und wissen, wie man Wissen und Fertigkeiten kindgerecht vermittelt. Sie können in verschiedenen Situationen – vom selbstgerührten Nachtisch bis zur eigenen Kräuterernte vom Fensterbrett – ihren Schützlingen spielerisch und nachhaltig das breite Feld der Ernährungskompetenz vermitteln. Und keine Angst: Jede Pädagogin und jeder Pädagoge und, auch wenn er oder sie nicht kochen kann, bekommt das hin! Für viele Rezepte braucht es noch nicht einmal einen Herd.

 

So klappt`s mit Kindern in der Küche – 5 Tipps für Erwachsene

  1. Trauen Sie den Kindern in der Küche etwas zu.
  2. Starten Sie mit bekannten und für Kinder leicht zu verarbeitenden Lebensmitteln. Weiche Lebensmittel z. B. eigenen sich hier besonders gut für den Start, weil sie leicht zu schneiden sind.
  3. Haben Sie Geduld und seien Sie entspannt – auch wenn das Ei mal neben der Schüssel landet.
  4. Zwingen Sie die Kinder zu nichts. Kochen soll keine negative Erfahrung sein.
  5. Bleiben Sie dran: Zeigen Sie Kindern regelmäßig, wie viel Spaß das Zubereiten von Lebensmitteln macht.

 

Anmeldung und weitere Informationen zu Ich kann kochen!

Wenn auch Sie als Erzieherin und Erzieher oder pädagogische Fachkraft die Kinder in Ihrer Einrichtung für das Kochen und eine vielseitige Ernährung begeistern wollen, melden Sie sich unter www.ichkannkochen.de/mitmachen für eine kostenfreie Fortbildung der Initiative "Ich kann kochen!" an. Das gemeinsame Angebot von Sarah Wiener Stiftung und BARMER vermittelt deutschlandweit Erzieherinnen und Erziehern, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern die Grundlagen des pädagogischen Kochens mit Kindern. Um direkt in die Praxis zu starten, können Sie einmalig eine Lebensmittelförderung der BARMER von bis zu 500 Euro für eigene Koch-Projekte in Ihrer Einrichtung beantragen.

 

"Tag der kleinen Forscher": Ist Wasser gleich Wasser?

Von der Quelle bis ins Meer – Wasser neu entdecken!

Christoph Wehrer / Stiftung Haus der kleinen Forscher

 

Es wird nass beim „Tag der kleinen Forscher“ 2020, dem bundesweiten Mitmachtag der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Am 16. Juni folgen Mädchen und Jungen den Wegen des Wassers und entdecken dabei die vielen Besonderheiten dieses für uns so alltäglichen Elements. Ganz nach dem Motto: „Von der Quelle bis ins Meer – Wasser neu entdecken!“. Als kleine Einstimmung auf den „Tag der kleinen Forscher“ stellen wir ab sofort jeden Monat ein Wasser-Experiment für den Kita-Alltag vor.

 

Experiment: Ist Wasser gleich Wasser?

 
Material:
  • viele kleine Trinkgläschen
  • Flaschen oder Karaffen mit unterschiedlichem Trink-, bzw. Mineralwasser
  • Mindestens 5 unterschiedliche Wasser: Leitungswasser, gekauftes Sprudelwasser, Wasser aus der nächsten Quelle, Heilwasser…
So geht’s:

Wasser schmeckt ja nach Inhaltsstoffen – auch ohne Zucker und Aromen – sehr unterschiedlich. Führen Sie eine Wasserverkostung oder gar ein Wasser-Geschmacksmemo-Spiel durch! Dazu verkosten die Kinder verschiedene „Wassersorten“, ohne dass sie wissen, welche das jeweils sind.

Stellen Sie verschiedenes Trinkwasser bereit. Lassen Sie die Kinder von allen Wassern kosten. Wie unterschiedlich schmeckt das Wasser? Um sich nicht zu vertun, können Sie in der Vorbereitung unter die Gläser schreiben, mit welchem Wasser sie gefüllt sein werden. Füllen Sie sie kurz vor der Verkostung, ohne dass die Kinder sehen, aus welcher Quelle das Wasser kommt. Alternativ können Sie die unterschiedlichen Wasser vorher in ähnliche Flaschen füllen und die Flaschen beschriften. Dann brauchen Sie nur ein Glas pro Kind, das hintereinander mit den verschiedenen Wassern gefüllt werden kann.

Die Kinder können auch versuchen, das gleiche Wasser an seinem Geschmack wieder zu erkennen. Dazu brauchen Sie je zwei Gläser mit dem gleichen Inhalt. Finden die Mädchen und Jungen die zusammen passenden Gläser?

Fragen:
  • Welches Wasser schmeckt euch am besten / am wenigsten?
  • Könnt ihr den Geschmack beschreiben?
  • Können ihr sagen, was euch daran gut / schlecht schmeckt?
  • Was glaubt ihr, woher das jeweilige Wasser kommt: Ist es aus einer Flasche oder einer Leitung? Ist es aus einer Heilquelle?
Wissenswertes:

Das Wasser aus dem Wasserhahn, den Seen oder auch aus Wasserflaschen ist nicht nur Wasser im Sinne der chemischen Verbindung H2O. Bei seinem Weg durch Erde und Gestein nimmt das Wasser naturgemäß verschiedene Inhaltsstoffe auf, zum Beispiel Calcium, Magnesium, Salze oder Kohlensäure. Wasser aus Heilquellen enthält besonders viele dieser Inhaltsstoffe und wird deshalb oft zur Linderung von Beschwerden eingesetzt.

 

Kostenloses Aktionmaterial zum "Tag der kleinen Forscher"

Das Aktionsmaterial zum Tag der kleinen Forscher mit Ideen und Anregungen zum gemeinsamen Forschen und Entdecken können pädagogische Fach- und Lehrkräfte aus Kitas, Horten und Grundschulen kostenfrei online unter tag-der-kleinen-forscher.de bestellen. Für jede Einrichtung steht ein Aktionspaket zur Verfügung. 

 

Über die Stiftung "Haus der kleinen Forscher"

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich für gute frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) – mit dem Ziel, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Partner der Stiftung sind die Helmholtz-Gemeinschaft, die Siemens Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung und die Deutsche Telekom Stiftung. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Gastbeitrag: Wie die Digitalen Medien in unsere Kita kamen

Photo by stem.T4L on Unsplash

 

„Was sollen wir denn damit in der Kita? Das hat bei kleinen Kindern nichts verloren! Die Kinder sitzen doch eh schon viel zu viel vor den Geräten, da brauchen wir das nicht auch noch in der Kita!“ Vor zweieinhalb Jahren, als wir Tablets für unsere Kita Zauberwind in Hüffelsheim in Rheinland-Pfalz bestellten, bekamen meine Kolleginnen und ich viele solcher Reaktionen.

Es begegneten uns viele Vorurteile, und wir hatten sowohl bei den Mitarbeiterinnen als auch bei den Eltern viel an Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich hoffte, dass sich diese schnell auflösen. Und siehe da: Die Kolleginnen trauten sich schneller an die Tablets, als ich mir vorstellen konnte. Und das altersunabhängig. So bedienten bereits nach kurzer Zeit auch ältere Mitarbeiterinnen die Tablets per Sprachsteuerung und entdeckten mit den Kindern, wie per Spracheingabe, Texterkennung und Gestensteuerung digitale Literacy stattfinden kann.

Bei den Eltern gab es ähnliche Vorbehalte, welche sich jedoch schnell auflösten, als wir mithilfe der digitalen Medien die Arbeit in der Kita auf eine ganz neue und aufregende Art transparenter durch Videos und eBooks gestalteten. Es gab nur positive Stimmen, da die Eltern die Wichtigkeit des Themas direkt verstanden.

Wichtig war mir von Beginn an, die Tablets alltagsorientiert einzusetzen. Sie sollten keinen Sonderstatus haben, also nicht nur in bestimmten Projekten oder von bestimmten Personen eingesetzt werden dürfen. Die digitalen Medien in unserer Kita werden nicht nur speziell für die pädagogische Arbeit mit den Kindern genutzt, sondern auch von den Pädagog:innen, beispielsweise für Dokumentationsarbeiten oder als Nachschlagewerk.

 Was mache ich eigentlich mit einem Tablet in der Kita?

So kamen etwa an einem Tag Kinder zu mir mit dem Wunsch, ein Bild eines Dinosauriers abzumalen. Ich war noch auf der Suche nach einem Buch, als die Kinder sagten, ich solle doch auf dem Tablet „googlen“ (Anm. d. Red. oder eine andere Suchmaschine bedienen.) Dort fanden wir dann schnell entsprechende Bilder, die abgemalt werden konnten. Aus dem digitalen Medium wird somit ein Werkzeug für den Alltag, wie eine Schere zum Schneiden oder ein Stift zum Malen. Kinder arbeiten in Begleitung an den Tablets, wobei manche mit der Zeit auch lernten, eigenständig an Geburtstagen Fotos zu machen.

Die Kinder in der Kita Zauberwind können mit ein wenig Unterstützung eigenständig Videos drehen und diese dann auf einen TV streamen. So haben wir beispielsweise die Geschichte des Stankt Martin in einem Rollenspiel dargestellt, gefilmt und vorgeführt. Durch diese ziel bezogene und bewusste Nutzung lernen die Kinder frühzeitig einen gesunden Umgang mit den digitalen Medien. Sie erfahren, dass diese weit mehr Möglichkeiten bieten als nur Spiele zu spielen, und manche zeigen schon ihren Eltern, was man so alles pädagogisch Wertvolles mit digitaler Unterstützung machen kann.

Kinder können schnell eigenständig kreative Inhalte produzieren. Das hat einen ganz besonderen Effekt für alle beteiligten.

Digitale Medien müssen bei der Nutzung nicht nur einen Mehrwert bringen, zu einem Ziel zu gelangen. Es geht vielmehr darum, wie schnell und wie kreativ kann ich zu einem Ziel kommen und darüber hinaus. So würde ich den „Mehrwert“ eher als Reiseziel beschreiben, welches ich entweder mit der Kutsche oder z.B. dem Flugzeug erreichen kann.

Aufgrund dieser Arbeit bewarben wir uns 2017 erfolgreich als Konsultationskindertagesstätte beim rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, was mich und mein Team mit viel Stolz und Freude erfüllt. Seitdem arbeiten wir eng mit dem Ministerium zusammen. Dieses fördert und unterstützt uns dabei, in anderen Kindertagesstätten über digitale Medien aufzuklären und dort für mehr Gelassenheit im Umgang mit digitalen Medien zu werben. Denn es gibt so viele fruchtbare Möglichkeiten und Herausforderungen in diesem Bereich. Ich finde, wir müssen unseren Kindern schon früh aufzeigen, dass die Welt, in die sie hineinwachsen, digital sein wird, und sie sowohl mit den Chancen als auch mit den Gefahren vertraut machen. Wir müssen außerdem erkennen und lernen, dass die Lebensrealität unserer Kinder bereits jetzt schon stark digital geprägt ist und es in Zukunft noch wesentlich mehr sein wird.

Bei all diesen Möglichkeiten ist der wichtigste Aspekt jedoch der, dass die Kinder lernen, digitale Medien als Werkzeug zu sehen und somit auch das „Weglegen“ lernen. So liegen die Tablets einfach nur in den Gruppen und werden nur dann benutzt, wenn sie benötigt werden.

Martin Mucha ist Kitaleiter der Kindertagesstätte Zauberwind in Hüffelsheim, Rheinland-Pfalz. Ursprünglich erschien sein Gastbeitrag auf dem Blog des Medienkompetenz-Projektes DigiKids.
Auch im DigiKids Podcast spricht Martin Mucha über seine Erfahrungen mit digitale Medien in der Kita

Über DigiKids

DigiKids ist ein Modellvorhaben der Techniker Krankenkasse (TK) und der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) e. V. Als ein Medienkompetenz-Projekt setzt es bereits im Kindergarten an. Ziel ist es, Kinder zu befähigen, sich in digitalen Lebensräumen souverän zu bewegen, anstatt von ihnen beherrscht zu werden. Gleichzeitig beabsichtigt DigiKids, die Verbindung der Kinder zur analogen Welt zu erhalten, zu stärken und weiterzuentwickeln sowie Eltern und Pädagog:innen in diesen Prozess einzubinden und mit Schulungen in ihrem Handeln zu unterstützen. 

Mehr Infos gibt es unter digikids.online

 

 

Interview: Partizipation im Kita-Alltag

Photo by cottonbro from Pexels

 

Für Kita-Demokratie und Partizipation ist es nie zu früh. Über Probleme diskutieren, Kompromisse finden, den Alltag aktiv mitgestalten – dazu haben Kinder ein Recht. Doch wie gelingt das eigentlich? Ein Gespräch mit Rüdiger Hansen vom Institut für Partizipation und Bildung in Kiel.

 
Partizipation, die Beteiligung an wichtigen Entscheidungen ist ein Menschenrecht, das auch für Kinder gilt. Aber was lernen die Kinder, wenn sie den Kita-Alltag mitgestalten dürfen?

Rüdiger Hansen: Diese Frage wird mir oft gestellt. Trotzdem verweigere ich mich zunächst einer Antwort. Es ist nämlich der Kern der Menschenwürde, über seine eigenen Angelegenheiten selbst entscheiden zu können. Da stellt sich die Frage nach einem „pädagogischen“ Zweck erstmal gar nicht. Es gibt für mich einen „funktionalen“ Aspekt, den ich hier nennen würde. Und zwar schützen demokratische Rechte vor allem die Schwächeren im System. Deshalb ist die Demokratisierung der Kindertagesstätten ein wichtiges Mittel, um Machtmissbrauch entgegen zu wirken. Alle anderen Aspekte wie die Stärkung der Kinder, die Erhöhung von Eigenverantwortung oder Akzeptanz von gemeinsam verabschiedeten Regeln sind schön und wichtig, aber nur „Beiwerk“ zu diesem grundlegenden Menschenrecht.

 

Bei welchen Themen können Kinder besonders gut beteiligt werden?

Rüdiger Hansen: Auch diese Frage wird häufig gestellt und ich halte auch sie nicht für einen guten Einstieg. Demokratie kann nicht häppchenweise realisiert werden. Damit machen wir das Thema „Partizipation von Kindern“ nur unnötig klein. Aus meiner Sicht geht es um nicht weniger als einen grundlegenden Paradigmen-Wechsel in der Pädagogik. Wir sollten uns nicht fragen, wo wir die Kinder gnädiger Weise beteiligen können. Wir müssen uns vielmehr fragen, bei welchen Themen es zu rechtfertigen ist, dass wir die Kinder nicht beteiligen, welche guten Gründe es dafür geben kann. Und für dieses Umdenken braucht es Zeit und viel Geduld. 

 

Aber ich kann doch als Kita-Leitung nicht von einem Tag auf den anderen einen Paradigmen-Wechsel einführen. Es ist doch ein langer Weg, der mit kleinen Schritten beginnen muss.

Rüdiger Hansen: Der erste Schritt ist, ein Ziel vor Augen zu haben. Aber natürlich gebe ich Ihnen recht, eine umfassende Beteiligung von Kindern ist ein stetiger Lernprozess – vor allem für die Erwachsenen. Und der beginnt oft mit einzelnen Projekten. Kinder entscheiden zum Beispiel über die Gestaltung eines Festes oder des Eingangsbereichs mit. Diese punktuelle Beteiligung dient aber vorrangig dazu, den Erwachsenen Erfahrungen gelingender Partizipation von Kindern zu ermöglichen. Sie müssen eine Bereitschaft entwickeln, den Kindern in möglichst vielen Bereichen (Entscheidungs-)Freiheiten einzuräumen. Die Kinder müssen hier viel weniger lernen. Wenn der Prozess angemessen gestaltet ist, mischen sie sich in der Regel hochkompetent ein und sind begeistert von diesen Möglichkeiten. Solche positiven Erfahrungen bestärken dann auch die Pädagog*innen die Demokratisierung der Kita voranzutreiben. Dieser Prozess ist aber ein dauerhafter und umfassender. Auch am Erhalt und der Weiterentwicklung der „großen“ Demokratie müssen wir schließlich ständig arbeiten.

 

Wo können sich Kindertagesstätten Unterstützung und Impulse bei diesem Prozess holen?

Rüdiger Hansen: Wir haben knapp 360 Multiplikator*innen für Partizipation und Engagement-Förderung qualifiziert. Viele von ihnen arbeiten auch trägerübergreifend und sind damit gute Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Demokratisierung der eigenen Kita. Eine Liste finden Sie auf unserer Homepage.

 

Sie sprachen schon von einem Paradigmenwechsel. Wie stark ist das Thema Partizipation in der Ausbildung an Fach- und Hochschulen angekommen?

Rüdiger Hansen: Ich kenne dazu kaum Untersuchungen. Meine Antwort basiert also nur auf den Rückmeldungen aus der Praxis. Und die sind sehr unterschiedlich. An manchen Fach- oder Hochschulen ist Partizipation ein zentrales Ausbildungsthema. Andere Fachkräfte kommen aus der Ausbildung und können mit dem Thema noch wenig anfangen. Grundsätzlich ist aber Partizipation ein Teil des Curriculums der Erzieher*innen-Ausbildung. Schließlich gibt es für die Kinder- und Jugendhilfe eindeutige gesetzliche Vorgaben. Wie intensiv das Thema aufgegriffen wird, hängt aber offensichtlich stark von den einzelnen Schulen und Lehrkräften ab. 

 

Kommen wir nochmal zurück auf die Kinder. Gibt es eine „Altersgrenze“, ab wann sich Kinder beteiligen können? 

Rüdiger Hansen: Nein, Partizipation kann mit der Geburt beginnen. Ich bin gerade wieder Großvater geworden und erlebe sehr anschaulich, wie stark ein Baby seinen Unmut kundtun kann. Hunger, Müdigkeit, volle Windel, Wunsch nach Nähe – um das auszudrücken, braucht es keine Worte. Die Aufgabe der Erwachsenen ist es, in der Interaktion rauszufinden, was die Kinder mitteilen wollen und darauf angemessen zu reagieren. Was ich damit sagen will: Kinder sind schon früh in der Lage, ihren Willen zu äußern. Es ist an uns als Pädagog*innen oder Eltern auf diese Äußerungen einzugehen. Bei älteren Kindern wird das natürlich durch die zunehmende Sprachfähigkeit immer leichter. Wir sind jedenfalls in all den Jahren, in denen wir uns mit Partizipation beschäftigen, noch nie an die Grenzen der Kinder gestoßen; aber wir stoßen ständig an die Grenzen der Erwachsenen, die Partizipation nicht wollen oder nicht können. 

 

Gibt es Faktoren die Partizipation im Kita-Alltag erschweren? 

Rüdiger Hansen: Ich glaube nicht, dass es irgendwelcher äußeren Voraussetzungen bedarf, um Kinder zu beteiligen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass die Beteiligung der Kinder es erleichtert, auch mit schwierigen Situationen fertig zu werden. Aber natürlich erschwert es Beteiligung, wenn eine Erzieherin allein für 25 Kinder zuständig ist. Wie soll sie den Kindern unter solchen Umständen ermöglichen, verschiedenen Interessen nachzugehen, und gleichzeitig ihrer Aufsichtspflicht nachkommen? Da bleiben kaum Räume für Aushandlungsprozesse. 

Ein anderes Problem ist, dass es den Kita-Teams an Zeit mangelt, ihr pädagogisches Handeln miteinander ausführlich zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Wenn sich eine Kita demokratisieren möchte, dann müssen die Selbst- und Mitbestimmungsrechte, die den Kindern zugestanden werden, von allen Fachkräften geachtet werden. Dazu müssen sie über diese Machtabgabe ausführlich diskutieren und die Rechte der Kinder im Konsens verabschieden. Dennoch werden sich in der Umsetzung immer wieder neue Fragen ergeben, und es braucht Zeit für die immer weitergehende Auseinandersetzung mit Partizipation und Demokratie, für eine aktive Diskussionskultur unter den Kolleg*innen. Leider steht den Fachkräften genau dafür viel zu wenig Zeit im stressigen Kita-Alltag zu Verfügung. 

 

Wo liegen die Grenzen der Partizipation?

Rüdiger Hansen: Die Sicherheit der Kinder sollte immer vorgehen. Kleine Kinder können zum Beispiel die Gefahren von UV-Strahlen nicht einschätzen. Deshalb müssen die Erzieher*innen dafür sorgen, dass sie eingecremt werden oder schützende Kleidung tragen. Darüber können sie die Kinder nicht allein entscheiden lassen. Für solche Grenzen braucht es aber immer eine gute Begründung. Viele andere Grenzen entstehen aus meiner Sicht eher im Kopf der Erwachsenen. Ich habe noch nie erlebt, dass Kinder so lange barfuß durch den Schnee laufen wollen, bis sie Erfrierungen davontragen. Sie essen auch nicht dauerhaft nur noch Süßigkeiten. Sie testen zwar meist aus, ob die Erwachsenen es ernst meinen, dass sie nun plötzlich selbst entscheiden dürfen, was sie essen wollen; aber nach wenigen Tagen, wenn sie Vertrauen in ihre neuen Rechte gewonnen haben, ernähren sie sich in aller Regel recht ausgewogen. Ich habe ein großes Vertrauen in die Kompetenz von Kindern, gut für sich selbst zu sorgen. Dieses Vertrauen ist gewachsen, weil ich erlebt habe, wie Kinder die Freiräume genutzt haben, die Erwachsene ihnen eingeräumt hatten. Ich hoffe, dass das auch viele Fachkräfte in Kitas erleben können. Und natürlich gibt es auch Grenzen, wenn die eigene Freiheit die Freiheit von anderen berührt. Aber Partizipation in der Kita bedeutet schließlich nicht, dass alle Kinder machen, was sie wollen und plötzlich über die Erwachsenen bestimmen, sondern dass faire Aushandlungsprozesse zwischen allen Beteiligten stattfinden. Und das ist viel schwerer, als alles von oben herab zu bestimmen oder die Kinder machen zu lassen, was sie wollen. Aber ich sehe keine sinnvolle Alternative zu dem beschwerlichen Weg der Demokratie – auch in der Kita.

 

Über den Gesprächspartner

Rüdiger Hansen ist Diplom-Sozialpädagoge und Vorstandsmitglied im Institut für Partizipation und Bildung in Kiel. Er leitete mehrere Modellprojekte zum Thema Partizipation in Kindertageseinrichtungen und ist freiberuflich in der Fortbildung von pädagogischen Fachkräften tätig.

Das Institut für Partizipation und Bildung ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Ziel ist die Förderung und Ausweitung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch in Schule und Kommune. Die Expert*innen entwickeln, erproben, erforschen, vermitteln und verbreiten daher geeignete Wege der demokratischen Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.

Podcasts für Pädagog*innen: Ausgestorben (Teil 1)

Photo by cottonbro from Pexels

 

Fast alle Kinder lieben Dinosaurier und zwar so sehr, dass sie sich sogar die absurdesten altgriechischen Bezeichnungen merken und bald sämtliche Arten auseinanderhalten können. Und das ist auch gut so, wie eine wissenschaftliche Studie der Indiana University zeigt. Demnach könnte ein verstärktes Interesse für Dinosaurier ein Hinweis auf eine erhöhte Intelligenz des Kindes sein. So zeigen Nachwuchs-Paläontologen eine erhöhte Ausdauer beim Lernen, eine verbesserte Aufmerksamkeit und ein besonders gutes komplexes Denken. Die Forscher glauben, dass die Art und Weise, wie Kinder sich mit den vielen verschiedenen Dinoarten auseinandersetzen, sich positiv auf den strategischen Umgang mit Problemen im späteren Leben auswirkt. Das ist doch eigentlich ein ziemlich gutes Argument dafür, sich auch im gesetzten Erwachsenenalter einmal mit den Dinosauriern auseinanderzusetzen und sie vielleicht sogar zum Thema für einen Projekttag in der Kita zu machen. Doch wie frischt man eigentlich sein etwas eingestaubtes Dino-Wissen auf? 

Die Antwort ist einfach, mit dem äußerst hörenswerten Dinosaurier-Podcast "Ausgestorben".

Ausgestorben ist der erste deutschsprachige Podcast rund um das Thema Paläontologie. Einfach und unterhaltsam werden 14-tägig Themen aus der paläontologischen Forschung aufgegriffen und in 15 Minuten verpackt.

So klingt Ausgestorben

Kinder der Zukunft verändern den Kindergarten

(c) Dusyma

„Wir können davon ausgehen“, schreibt Antje Bostelmann in ihrem Beitrag, „dass die Digitalisierung weiterhin auf verschiedenen Wegen in die Bildungsarbeit Einzug hält. Von einer Fokussierung auf Tablets, über die Nutzung digitaler Spielzeuge, bis hin zu Makeraktivitäten werden Kindergärten und Schulen unterschiedliche Ansätze ausprobieren.“

Das Motto „vom Konsumenten zum Produzenten“ solle über allen pädagogischen Entwicklungen stehen und Leitsatz für die pädagogische Arbeit des Kindergartens sein. Unabhängig davon, welcher Weg von der pädagogischen Einrichtung gewählt werde, müsse es stets um die wichtigen Bildungsziele gehen: Dazu gehörten Informationskompetenz, Technikkompetenz, und Produktionskompetenz.

Dabei gehe es darum, hinter die Oberfläche zu schauen und dabei zu verstehen, wie Technik funktioniere, wie Technologien aufgebaut seien und wie digitale Entwicklungen unser Leben beeinflussen.

„Es braucht eine grundlegende ethische Debatte“, so Bostelmann, „auch unter Pädagogen, darüber, wie weit der Mensch die Hilfe der Technologien annehmen kann, ohne seine Selbstbestimmung aufzugeben.“ Der Ausgang dieser Debatte entscheide über die Herausforderungen, vor denen unsere Kinder künftig stehen würden. Kriterien dafür könnten Lernmaterial statt Spielzeug, Lernen statt Unterhaltung, Hilfen zum Verstehen, Nachhaltigkeit, Zulassung in Deutschland und Lernsoftware ja oder nein sein.

Im Kindergarten stehe das Lernen in der realen Welt im Vordergrund. „Die Kinder lernen die Welt kennen und verstehen. Sie tun dies in der freien Natur, durch Begegnungen mit authentischen Menschen und Schauplätzen, wie zum Beispiel bei einem Besuch im Rathaus, beim Bäcker oder der Feuerwehr und durch das Zusammensein mit anderen Kindern. Eine Verlagerung dieser frühkindlichen Lernanlässe in die digitale Welt ist für Bildungsinstitutionen nicht zulässig. Daher ist Lernsoftware im Kindergarten gar nicht und in der Grundschule sehr sparsam und sehr sorgfältig ausgewählt einzusetzen.“

Die Weiterentwicklung vorhandener Funktionsräume zu Lernwerkstätten, welche reale und digitale Materialien integrieren, wäre aus Sicht Bostelmanns ein erster Schritt. Darüber hinaus stelle Technik an die Raumausstattungen in Kindergarten und Schule besondere Anforderungen wie Alltagsintegration und einfaches Handling, Sicherheit und Stromversorgung.

Haus der kleinen Forscher: Nachhaltigkeit in der Kita

Christoph Wehrer / © Stiftung Haus der kleinen Forscher

 

Deutschlands Kitas und Horte haben großes Interesse daran, Nachhaltigkeit zu thematisieren und fördern – sowohl in der Organisation als auch in der pädagogischen Arbeit. Allerdings sind bisher nur wenige Kita- und Hortleitungen mit dem Konzept einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) vertraut. Das ergab eine repräsentative Befragung im Auftrag der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“.

Bildung für nachhaltige Entwicklung wurde jüngst von einer Forschungsgruppe des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung als eine von sechs „Kipp-Interventionen“ bezeichnet, die im Kampf gegen den Klimawandel eine positive Trendwende hervorrufen könnten. In Deutschlands Kitas gibt es dafür eine große Offenheit: Fast jede Kita- und Hortleitung in Deutschland (97 %) hat grundsätzlich Interesse am Themenfeld Nachhaltigkeit. Ähnlich schätzen die Leitungskräfte die Interessenlage der Erzieherinnen und Erzieher in ihren Einrichtungen ein.

Großes Interesse, aber kaum Ideen zu "Bildung für nachhaltige Entwicklung"

Auch wenn das Interesse groß ist, sind nur wenige Pädagog*innen in Kita und Hort mit dem Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ umfassend vertraut und können die Abkürzung BNE erklären (nur 30 Befragte konnten sagen, wofür BNE konkret steht). Auf der anderen Seite spielen der Erhebung zufolge in den Einrichtungen unterschiedliche Teilaspekte von Bildung für nachhaltige Entwicklung durchaus bereits eine wichtige Rolle. So geben 58 % an, sie würden Nachhaltigkeit bereits in ihren Einrichtungsalltag integrieren, indem sie beispielsweise auf eine regionale oder saisonale Verpflegung der Kinder achten. 49 % sagen, sie würden den Umgang mit Ressourcen (Natur, Wasser, Material) reflektieren. Außerdem teilen 69 % mit, sie setzten Projekte mit den Kindern um, die sich unmittelbar mit Nachhaltigkeit beschäftigen, z. B. zum Thema Abfallentsorgung.

„Die meisten Leitungskräfte haben aus den Aktivitäten zur Nachhaltigkeit jedoch noch kein ganzheitliches Bildungskonzept entwickelt. Das braucht es aber, wenn gute BNE gelingen soll, die über Mülltrennung hinausgeht“, so das Fazit von Ute Krümmel, BNE-Projektleiterin bei der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. 

 

Erklärfilm: BNE in Kita und Hort integrieren

Zwei Projektideen zum Thema Nachhaltigkeit von der Stiftung „Haus der kleinen Forscher

 
Projektidee 1: Gutes Material?

Werk- und Rohstoffe sind extrem wertvoll. Wie viel davon steckt z. B. in einem Getränkekarton? Untersuchen Sie mit den Kindern gemeinsam, woraus alltägliche Gebrauchsgegenstände bestehen.

Mehr zu dem Experiment: Materialerkundung

Projektidee 2: Gerecht verteilt?

Für Kinder ist Gerechtigkeit bereits ein großes Thema. Probieren Sie mit den Kindern zusammen mal, schwer teilbare Dinge fair aufzuteilen! Geht das überhaupt?

Mehr zu dem Experiment: Gerecht verteilt?

Über die Stiftung "Haus der kleinen Forscher"

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich für gute frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) – mit dem Ziel, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Partner der Stiftung sind die Helmholtz-Gemeinschaft, die Siemens Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung und die Deutsche Telekom Stiftung. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.