Januar 2012

Eine entspannte Auszeit im Snoezelraum

Der sog. "Snoezelraum" ("Snoezel" stammt aus dem Niederländischen und wird "snusel" ausgesprochen) wurde ursprünglich speziell für schwer behinderte Menschen eingerichtet. In diesem Raum soll ihnen eine entspannte, erholsame Atmosphäre geschaffen werden. Mittlerweile wird er auch in anderen therapeutischen Bereichen und bei der pädagogischen Arbeit mit Kindern, z.B. in Kindertageseinrichtungen, eingesetzt.

Der Snoezelraum ist eingerichtet mit Materialien, die ausgesuchte Sinneswahrnehmungen anregen sollen. Man kann dabei beispielsweise folgende Materialien einsetzen. Dringend beachten sollte man, dass die Materialien nicht leicht entflammbar sein sind:  

Weichbodenmatte
Vibrationsmatte
Kissen
Schaukelliege
Wasserblasensäule
Flüssigkeitsprojektor
Discokugel
Kassettenrecorder/CD Player
Decken
Hängematte
verschiedene Massagegeräte
Windspiel
Spiegel
Tücher
usw.

Beim Snoezeln ist es möglich, sich auf einzelne Sinneswahrnehmungen, wie z.B. nur das Tasten, zu konzentrieren. Die Sinne sollen hierbei nicht in der Breite, sondern in der Tiefe angesprochen werden.

Ermöglicht werden soll dies durch:
Selektives Anbieten der gewünschten Reize
Gleichzeitig sollen unerwünschte Reize reduziert werden (z.B. durch Abdunkeln des Raumes).
Das Reizangebot wird so geplant, dass es dem Kind angenehme, lustvolle Sinneswahrnehmungen ermöglicht.

Als Prinzip gilt dabei:
Dem Kind soll so weit wie möglich der nötige Freiraum und die Zeit gelassen werden, selber auszuwählen bzw. anzuzeigen, welche Reize es als angenehm empfindet.
Die Anregung sollte maßgeblich nicht von den Erziehern, sondern von den Dingen im Raum ausgehen.
Material und Umgebung sollen so einladend und anregend sein, dass die Kinder dadurch zur Eigenaktivität stimuliert werden.
Die Umgebung sollte die notwendige Ruhe ausstrahlen, um Entspannung zu ermöglichen, denn das Erleben der direkten Umgebung, das einfache "auf-sich-wirken-lassen" und das angenehm passive genießen / sich-fallen-lassen, sind bereits wichtige Ziele.

Ein Beispiel für einen Snoezelraum: Die Kita Bergmannshof
Die Kita Bergmannshof nahe der Rieselfelder in Münsters Norden besitzt einen solchen Snoezelraum. Zentrum des Raumes ist ein großes Wasserbett. An der Decke befindet sich eine elektrisch rotierende Discokugel, die von einem Farbprojektor angestrahlt wird, so dass in regelmäßigem Wechsel die Lichtpunkte der Discokugel an die Wand gestrahlt werden.

Im hinteren Bereich des Raumes steht eine Wasserblasensäule mit bunten Plastikfischen darin, die bei Betrieb der Säule mit den Wasserblasen um die Wette springen.

An der Wand ist ein Regal angebracht, auf dem in greifbarer Nähe verschiedene Massagematerialien, Lesebücher und ein Kassettenrecorder stehen.

Diese werden je nach Bedarf von den Erzieherinnen genutzt.
Die Kita Bergmannshof arbeitet in allen drei Kindergruppen integrativ. Gerade für die integrativ betreuten Kinder bietet der Snoezelraum gute Möglichkeiten zur Schulung und Förderung der Sinneswahrnehmungen.
Aber auch die regulär betreuten Kinder nutzen den Snoezelraum gerne: Beispielsweise ziehen sich in der Mittagspause, wenn die Kleinsten ihren Mittagsschlaf halten, die Vorschulkinder in den Snoezelraum zurück um dort zur Ruhe zu kommen, sich zu erholen, sich gegenseitig zu massieren oder von der Erzieherin massieren zu lassen und bei Entspannungsgeschichten die Seele baumeln zu lassen und ihre Sinne zu erkunden.
Das große Wasserbett ist hierbei das Zentrum des Raumes. Von dort aus kann man beispielsweise die Wassersäule mit den Fischen beobachten oder die Lichteffekte der Discokugel und des Farbprojektors an den Wänden und der Zimmerdecke bewundern. Auch ist es ein gemütlicher Ort um gemeinsam Geschichten vorgelesen zu bekommen oder einfach mittags ein bisschen zu dösen.

Wer möchte kann sich mit den Igelbällen die Füße oder den Rücken massieren lassen oder auch eine Kinderkassette zum Entspannen hören.
Die Möglichkeiten des Snoezelraumes sind vielfältig und werden regelmäßig und gerne von den Kindern der Kita Bergmannshof genutzt.

Autorin: Sonja Lobbe
Quelle: www.hoppsala.de

Essstörungen im Kindergarten

Grundsätzlich gilt: Kinder müssen nicht zum Essen erzogen werden. Essen ist eine natürliche Bedürfnisbefriedigung, verbunden mit sinnlichem Genuss und Wohlbefinden. Ob das Essverhalten eines Kindes als normal oder als auffällig angesehen wird, hängt mehr als andere Wahrnehmungen von der Einschätzung der Bezugspersonen ab.

Es ist festzustellen,  dass Essstörungen fast immer auf emotionale Spannungen oder Mangelerlebnisse hindeuten. Fühlt sich ein Kind zu wenig angenommen und beachtet,
kann es dies unbewusst über auffälliges Essverhalten mitteilen. Gleiches gilt für Kinder, die zu stark
reglementiert werden, so dass sie kaum selbstständig handeln und aktiv werden können. Diese Kinder sind oft antriebsarm und essen vermehrt, während sie sich gleichzeitig zu wenig bewegen.

Es gilt deshalb, immer auch die sozial-emotionale Komponente des Essverhaltens eines Kindes in den Blick zu nehmen. Wenn Kinder zu Hause sich selbst überlassen sind und unter einem Mangel an Zuwendung und Kommunikation leiden, hilft es nicht viel, die Essproblematik des Kindes isoliert anzugehen. Vielmehr müssen die gesamten Lebensumstände der Familie betrachtet werden, um
langfristig stabile Veränderungen erzielen zu können.

Dennoch ist es auch im Alltag der Kindertageseinrichtung wichtig, gute Rahmenbedingungen
zu schaffen. Um ein gesundes Essverhalten der Kinder zu fördern und so einen Beitrag zur
Prävention in Bezug auf Essstörungen zu leisten, sollten folgende Aspekte bedacht und umgesetzt werden:

In der Kindertageseinrichtung sollte die Freude am Essen gefördert werden.
Hilfreich ist es, die Kinder im Rahmen von "Kochtagen" in den Prozess der Zubereitung mit einzubeziehen, sie mitentscheiden und mithelfen zu lassen.
Die Kinder sollen erleben, wie sich Lebensmittel in wahre Leckerbissen verwandeln.

Fragen, die klären helfen, inwieweit ein Kind auffälliges Essverhalten zeigt:
- Seit wann und in welcher Häufigkeit zeigt das Kind Verhaltensauffälligkeiten beim Essen?  Wird es    durch dieses Verhalten im Tagesablauf eingeschränkt?
- Wie ist die emotionale Gesamtverfassung des Kindes? Wirkt es eher traurig und zurückgezogen oder    interessiert und glücklich?
- Welchen Eindruck machen die Eltern? Vertreten sie selbstbewusst ihre Meinung oder wirken sie eher  verschlossen? Sind sie selbst über- oder untergewichtig?
- Wie sieht das mitgebrachte Frühstück/Vesper des Kindes aus? Achten die Eltern auf gesunde    Ernährung?
- Welche Mengen verzerrt das Kind? Schlingt es das Essen herunter oder stochert es nur lustlos darin  herum? Wie oft und wie lange hält es sich bei freien Essenszeiten am Esstisch auf?
- Wie wird Esskultur in der KiTa gelebt? Welche Faktoren könnten das auffällige Essverhalten des  Kindes begünstigen?
- Hat das Kind Kontakte zu anderen Kindern in der Gruppe? Wird es akzeptiert oder ausgegrenzt?
- Zeigt das Kind noch andere (Verhaltens-) Auffälligkeiten?
- Wie verhalte ich mich als Erzieherin diesem Kind gegenüber? Fällt es mir auf Grund seiner   Essproblematik oder seines Wesens schwer, es anzunehmen? Bin ich als Erzieherin
 ein gutes Vorbild in Bezug auf das Essverhalten? Welche Möglichkeit habe ich, das Kind zu    unterstützen  und zu stärken?

Wichtig ist eine angenehme Atmosphäre beim Essen.
Hier kann ein liebevoll gedeckter und dekorierter Tisch einen Beitrag leisten.
Gemeinsame Rituale vor dem Essen helfen den Kindern, sich im Alltag zurechtzufinden. Sie geben Struktur und Sicherheit. Tischreime oder Lieder werden von den Kindern in der Regel sehr gut angenommen. Eine feste Sitzordnung am Esstisch ermöglicht der Erzieherin, auffällige Esser neben sich zu setzen und bei Bedarf zu unterstützen. Miteinander zu essen gibt Gelegenheit, Achtsamkeit und Rücksichtnahme zu üben.

Gute Tischmanieren wie nicht zu schmatzen, nicht mit vollem Mund zu sprechen oder nicht mit dem Essen zu spielen, sollten selbstverständlich sein. Dementsprechend sollten Kinder lernen, mit
Besteck umzugehen. Ein vielfältiges Nahrungsangebot ist wichtig. Die Erziehungspersonen entscheiden, welche Nahrung angeboten wird. Wenn von den Kindern neue Speisen abgelehnt werden, sollte die Erzieherin Geduld haben. Sie kann das Kind immer wieder ermuntern, etwas Neues zu probieren, zwingen sollte sie es hingegen nicht.

Getränke (Wasser, Tee) sollten in der Kindertagesstätte reichhaltig zum Essen und zu jeder
Tageszeit angeboten werden. "Verbotene" Lebensmittel gibt es nicht. Auch Süßes darf gegessen werden. Entscheidend ist, wann und wie viel davon. Das gemeinsame Essen am Tisch bietet auch die
Möglichkeit zur Förderung der Selbstständigkeit. Kinder lernen so beim Essen, ihr eigenes Maß zu finden und einzuhalten.

Essen findet am Tisch statt; alle Kinder bilden dementsprechend eine Tischgemeinschaft.
Wenn ein Kind nicht essen möchte, sollte es dennoch am Tisch sitzen und den anderen Gesellschaft
leisten. Für die Kinder ist es wichtig, wie sich die Erzieherin selbst am Esstisch verhält, wie sie ihre Vorbildfunktion ausfüllt. Die Erzieherin sollte langsam und genussvoll essen und bereit sein, von allem zu probieren. Aber auch sie darf bestimmte Dinge nicht mögen.

Auf ein störungsfreies Essen sollte geachtet werden.
Die Spielsachen der Kinder oder das Telefon der Erzieherin haben nichts auf dem Esstisch zu suchen.
Unterhaltungen hingegen sind erwünscht, denn sie sorgen für eine entspannte Atmosphäre.

Wenn ein Kind mit gutem Appetit gegessen hat, muss es nicht gelobt werden. Viel essen ist kein Verdienst und wenig essen kein Fehler.

Das Beendigen einer Mahlzeit sollte je nach Alter und Belastbarkeit der Kinder so gestaltet werden, dass man erst aufsteht, wenn alle zu Ende gegessen haben. Zu Ende heißt nicht: bis alle Teller leer
sind, sondern bis alle am Tisch satt sind. Ein gemeinsames Ritual kann das Essen beschließen.

Um dass Verhalten eines essgestörten Kindes zusätzlich positiv zu beeinflussen, sollten tägliche Bewegungsmöglichkeiten als Ausgleich zum oft bewegungsarmen Gruppenalltag genutzt werden.
Gleichzeitig ist zu bedenken, dass viele Kinder ihren Körper nicht mehr intensiv erleben, so dass es
wichtig ist, sie für die eigene Körperwahrnehmung zu sensibilisieren. Die fehlenden Körpererfahrungen erschweren nicht nur die Bewegungskoordination und die Ausbildung eines gesunden Selbstbewusstseins, auch die geistige Entwicklung wird beeinträchtigt.
Gerade übergewichtigen Kindern vermitteln sportliche Aktivitäten, aber auch Massagen und Stilleübungen wichtige Erfahrungen.

Auch eine Stärkung des Selbstwertgefühls ist bei übergewichtigen Kindern besonders wichtig. So sollten die Erzieherinnen dem Kind nicht das Aussehen, sondern die positiven Eigenschaften und Fähigkeiten spiegeln. Kinder fühlen sich dann ernst genommen und entwickeln die Fähigkeit, Verhaltensweisen positiv zu verändern.

Nicht zuletzt kann auch die Projektarbeit zum Thema "Gesundheit und Ernährung" dazu beitragen, dass Kinder lernen, ihren Körper zu achten, Körperempfindungen wahrzunehmen und gesund zu leben.

Bei Essstörungen ist es immer ratsam, dass der Kinderarzt hinzugezogen wird. Eine genaue diagnostische Abklärung zeigt, ob das Körpergewicht noch im Toleranzbereich liegt oder bereits behandlungsbedürftig ist. Auch wenn organische Ursachen seltener sind, müssen sie diagnostisch
ausgeschlossen werden. Zudem ist eine Abklärung der psychodynamischen Probleme und gegebenenfalls eine therapeutische Behandlung (z.B. Verhaltenstherapie, Familientherapie) zu veranlassen. Im Rahmen der Behandlung von Essstörungen ist der gemeinsame Wille der gesamten Familie notwendig, wenn sie sich auf ein geeignetes Therapieprogramm einlässt. Die Durchführung erfordert in der Regel viel Geduld und Verständnis, auch für mögliche Rückschläge. Übermäßiger
Erwartungsdruck belastet das Kind. Wichtig ist: Je früher eine Therapie beginnt, desto höher sind die Erfolgschancen.

Möglichkeiten der Einflussnahme:
- Die Freude am Essen fördern.
- Eine angenehme Atmosphäre schaffen.
- Gemeinsame Rituale pflegen.
- Eine feste Sitzordnung einhalten.
- Auf gute Tischmanieren achten.
- Die Bedeutung eines vielfältigen Nahrungsangebots berücksichtigen.
- Die Selbstständigkeit förden.
- Die Gemeinschaft der Kinder am Tisch unterstützen.
- Auf die eigene Vorbildfunktion achten.
- Ein störungsfreies Essen garantieren.
- Die Mahlzeit positiv beenden.

Auszüge aus der Broschüre:
Symptome und Ursachen sowie Interventionsmöglichkeiten im Rahmen des Tätigkeitsfeldes von Erzieherinnen
Die Broschüre wurde im Auftrag des Landesjugendamtes des Landes Brandenburg erstellt.
http://www.brandenburg.de/sixcms/media.php/bb2.a.5704.de/Verhaltensauffaellige_Kinder_Kita.pdf





Sicherheit im Internet

Das Internet ist zum wichtigsten Medium für Kinder und Jugendliche geworden. Neun von zehn Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren waren bereits im Netz unterwegs, 80 Prozent haben zu Hause Zugang zu einem Computer. Die Kids mailen, chatten, googeln, bauen Webseiten, laden Musik herunter. Das Sicher-Stark-Team hat eine neue Video-DVD-Serie mit dem Titel "So schützen Sie Ihr Kind vor den Gefahren des Internets!" herausgebracht.

Für viele Kinder und Jugendliche ist es die liebste Freizeitbeschäftigung: im Internet surfen. Eine tolle Sache, aber lauern im Netz nicht auch einige Gefahren und gibt es Möglichkeiten, Kinder davor zu schützen? 

Schon seit längerem melden sich die Experten und verweisen auf das Gefahrenpotential. Schlagzeilen wie "Tatort Chatroom", "Facebook und Datenschutz" oder "Virenangriff durch Computerspiel" machen die Runde. Die Folge: Eltern sind verunsichert. Oft kommt dazu Angst. Angst vor der Technik und dem Internet. Ursache dafür ist häufig eigene Unkenntnis, die man natürlich nicht gerne zugibt. Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber. 

Klar ist aber auch, Kinder kann man auf Dauer nicht vom Internet fernhalten. So haben z. B. schon viele Grundschulkinder ein Handy und fast jedes moderne Handy hat heute einen WLAN-Zugang und einen eingebauten Browser. 

Aber was können Erzeihungsberechtigte in dieser Situation tun? 
Der Schlüssel zur Lösung liegt in der Kommunikation mit den Kindern und in einer gezielten, umfassenden und verständlichen Information. Doch die Flut der Informationen ist groß und nahezu unüberschaubar. Das fand auch das Sicher-Stark-Team, dass seit 15 Jahren in Grundschulen im Bereich Gewaltprävention arbeitet.

Fast ein Jahr lang haben die Experten vom Sicher-Stark-Team alle wichtigen Informationen zu diesem Thema gesammelt und so aufgearbeitet, dass sie für Eltern und Kinder verständlich sind. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Drei Video-DVDs (zwei für Eltern und eine für Kinder), die anschaulich und
spielerisch auf die Gefahren und den Nutzen des Internets aufmerksam machen.

Als Einstieg bietet Ralf Schmitz (Autor der DVDs) zusätzlich sog. Webinare für Kinder und für Eltern an. Webinare sind Online-Seminare. Das Ganze geht wirklich kinderleicht. Man braucht nur einen PC und ein Telefon. Alles Weitere dazu finden Sie unter
http://www.sicher-stark-team.de/sicher-stark-webinare.cfm

Die Sicher-Stark-Organisation steht für eine der führenden Non-Profit-Organisationen auf dem Gebiet der Gewaltprävention, für moderne zielgerichtete Kommunikation und hochkarätige Experten. In Deutschland ist das Sicher-Stark-Team längst eine feste Größe, wenn es um anspruchsvolle Veranstaltungen zu dem sensiblen Bereich des Kinderschutzes geht. Mit gemischtgeschlechtlichen, pädagogisch geschulten Erfolgstrainern führt das Sicher-Stark-Team in ganz Deutschland Sicher-Stark-Veranstaltungen® für Kinder durch und leistet somit seinen Beitrag zum Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch. Über 200 Mitarbeiter sind bereits in ganz Deutschland tätig.
Das Sicher-Stark-Konzept® wurde für Kinder im Grundschulalter entwickelt.

 

Stottern im Vorschulalter

Von den rund 4.000 Ratsuchenden, die sich jährlich an die BVSS (Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V.) wenden, haben zahlreiche Fragen zur sicheren Erkennung von Stottern. Hilfesuchende sind dabei meist Familienangehörige und ErzieherInnen, aber auch Lehrkräfte. Da Stottern in der breiten Zeitspanne zwischen 2 und 5 Jahren auftreten kann, kommt der Beobachtung des sozialen Umfeldes bei der Effektivität der Erkennung von Stottern eine besondere Bedeutung zu. Erst mit einer sicheren Früherkennung des sozialen Umfeldes ist sekundäre Prävention erst möglich.

Je früher Stottern erkannt wird, umso früher können chronifizierende und das Stottern stabilisierenden Bedingungen im sozialen Umfeld (Elternhaus, Kindergarten, Schule) vermieden werden (sekundäre Prävention). Ebenso kann bei einem frühen Erkennen entsprechend frühzeitig ein Therapiebedarf geprüft werden. Ein bedeutender Punkt, denn bei frühen direkten Therapien des Stotterns wurden Remissionsraten von über 90 % nachgewiesen.

Kindergartenzeit
Über Stottern sprechen

Es ist generell wichtig, das nähere familiäre Umfeld über Stottern zu informieren, denn auch Großeltern, Tagesbetreuung und Freunde können verständlicherweise zunächst unsicher sein, wie sie sich Ihrem stotternden Kind gegenüber verhalten sollen. Leider wird auch bei der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern das Thema Stottern bisher meist nur ansatzweise behandelt. Es empfiehlt sich daher, von Anfang an offen zu sprechen und die KiTa mit Informationen zu unterstützen.

Kein Grund, sich zu verstecken
Gut informiert kann das KiTa-Team auch besser auf die Reaktionen der anderen Mädchen und Jungen eingehen, falls sie zum Beispiel über das Stottern lachen oder Ihr Kind deswegen hänseln. Solche Situationen werden wahrscheinlich entstehen, denn Kindern erscheint Stottern zunächst „komisch“, manche glauben auch an Vorurteile wie „Wer stottert ist dumm!“. Meist beruhen diese Reaktionen auf Unwissen, so dass mit sachlichen Informationen darüber, was Stottern ist und was es nicht ist, Abhilfe geschaffen werden kann. Darüber hinaus spielt aber auchdie innere Haltung eine bedeutende Rolle. Wenn Eltern offen zum Stottern Ihres Kindes stehen, leben sie ihm vor, dass es keinen Grund gibt, sich für das Stottern zu schämen. Sie zeigen Ihrem Kind, dass sie es akzeptieren wie es ist und stärken so sein Selbstwertgefühl.

Das Prinzip der Offenheit gilt selbstverständlich auch umgekehrt: Wenn Erzieherin oder Erzieher vermuten, dass ein Kind stottert, sollten sie Ihrer eigenen Sensibilität für die Sprechentwicklung von Kindern ruhig vertrauen und die Eltern darauf ansprechen. Es gibt Situationen und Phasen, in denen das Stottern mal weniger und mal mehr auftritt. So kann es sein, dass Eltern die Sprechunflüssigkeiten ihres Kindes bisher nicht bemerkt haben. Oder sie vertrauen darauf, dass das Stottern „von selbst“ wieder aufhört. Erzieher/innen sollten die Eltern ruhig darin bestärken, sich über Stottern zu informieren und für ihr Kind frühzeitig einen Beratungstermin bei einer auf Stottern spezialisierten Therapiepraxis zu vereinbaren.

Hilfe für Erzieher/Innen Es ist wichtig und hilfreich, dass  enge Bezugsperson für Kind und Eltern gut über Stottern und den Umgang damit Bescheid wissen. Die verschiedenen Angebote der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. helfen dabei:

Flyer und Broschüren – ein guter Einstieg ist zum Beispiel die Broschüre „FAQ – Was Sie schon immer über Stottern wissen wollten“. Es können größere Stückzahlen zur Auslage oder Verteilung bestellt werden.

Individuelle Fachberatung
– bei persönlichen Fragen, zum Beispiel wie man sich einem stotternden Kind gegenüber verhalten sollen

Literatur und Filme
– der zur BVSS gehörende Demosthenes-Verlag ist der Fachverlag zum Thema Stottern. Hier findet man unter anderem Kinder- und Bilderbücher, die sich auch für den Einsatz in KiTa oder KiGa eignen.

Literatur Tipp:  Ratgeber Mein Kind stottert – was nun? Ratgeber für Eltern
Das Standardwerk – aktuell, informativ, praxisnah
Artikel-Nr: ISBN 978-3-921897-56-0
Inhalt: Was ist Stottern? Wie kann ich meinem Kind helfen? Wann ist professionelle Hilfe gefragt? Was für Behandlungsformen gibt es? Antworten auf genau diese Fragen gibt der neue Ratgeber „Mein Kind stottert – was nun?“. Er ist damit ein wertvoller Begleiter für Mütter, Väter und Erzieher/innen,
Basierend auf der langjährigen Beratungserfahrung der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e. V., zeichnet der Elternratgeber sich durch seine Praxisnähe aus. Erfahrene Expertinnen geben konkrete Tipps und stärken die Handlungskompetenz der Leser/innen im Umgang mit Stottern bei Kindern.

Wie Sie im Vorfeld helfen können
Wenn Sie als Erzieherin oder Erzieher vermuten, dass ein Kind stottert, sollten Sie Ihrer eigenen Sensibilität für die Sprechentwicklung von Kindern ruhig vertrauen und die Eltern darauf ansprechen. Es gibt Situationen und Phasen, in denen das Stottern mal weniger und mal mehr auftritt. So kann es sein, dass Eltern die Sprechunflüssigkeiten ihres Kindes bisher nicht bemerkt haben. Oder sie vertrauen darauf, dass das Stottern „von selbst“ wieder aufhört. Bestärken Sie die Eltern ruhig darin, sich über Stottern zu informieren und für ihr Kind frühzeitig einen Beratungstermin bei einer auf Stottern spezialisierten Therapiepraxis zu vereinbaren.

Mehr Infos unter www.bvss.de