verdi: Kita-Fachkräfte unzufrieden mit Arbeitsbedingungen

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Kita-Fachkräfte sind trotz ihrer hohen Motivation mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden. Die Beschäftigten drohen in andere Bereiche abzuwandern. Das hat eine Befragung unter mehr als 19.000 Fachkräften aus allen Regionen und allen Bereichen der Kitas ergeben. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat diese Befragung zwischen Mai und Juni 2021 in Kooperation mit der Hochschule Fulda in bundesdeutschen Kindertagesstätten durchgeführt und dabei Beschäftigte in Krippen, Kindergärten und Horten befragt. Nach einer ersten Auswertung Ende Juni liegt jetzt die gesamte Auswertung vor.

„Die Zahlen sind alarmierend und zeigen deutlich, wo die Probleme in den Kindertageseinrichtungen liegen: Die Fachkräfte sind für zu viele Kinder zuständig. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die Situation zu verbessern“, betont die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Die Studie zeige, wie unzufrieden die Beschäftigten mit ihrer Situation seien. In ihrer Verantwortung für die Kinder beklage die deutliche Mehrheit, dass sie aus Zeitgründen nicht auf die Probleme oder Wünsche der Kinder eingehen könnten. Die Unzufriedenheit wirke sich deutlich auf die Fluktuation in den Kitas aus: Fast 40 Prozent der befragten Beschäftigten denken über einen Stellenwechsel nach und rund 25 Prozent darüber, aus dem Beruf auszusteigen.

Fachkräftemangel belastet den Berufsalltag immens

Besonders problematisch sei die Situation in Krippen und Kindergärten. Drei Viertel der befragten Fachkräfte im Bereich der unter dreijährigen Kinder gaben an, für mindestens fünf und bis zu zwölf Kinder gleichzeitig verantwortlich gewesen zu sein. Im Alltag mit den über dreijährigen Kindern waren die Beschäftigten meist für 13 bis 24 Kinder zuständig. Pro Kita-Team fehlen im Durchschnitt drei Vollzeitkräfte, um gut arbeiten zu können. Bei rund 57.600 Kitas in Deutschland sind dies knapp 173.000 fehlende Fachkräfte.

Für Planung, Vorbereitung, Entwicklungsdokumentation und Elterngespräche steht nur jeder zweiten Fachkraft laut Dienstplan Zeit zur Verfügung. In der Praxis wenden die Fachkräfte jedoch mehrheitlich bis zu einer Stunde für die konkrete Vor- und Nachbereitung auf (50,2 Prozent der Befragten) sowie bis zu einer Stunde pro Tag für Elterngespräche (71,2 Prozent der Befragten). Dies führt zu unbezahlter Mehrarbeit oder geht zu Lasten der Interaktion mit den Kindern.

Weiter ergab die Befragung, dass trotz des eklatanten Fachkräftemangels im gesamten Bereich der sozialen Berufe Aus- und Weiterbildung keinen hohen Stellenwert erhalten. Obwohl die Mehrzahl der Fachkräfte für die Begleitung von Praktikantinnen und Praktikanten zuständig ist, haben sie für diese Tätigkeit keine Zeit und sind nur selten dafür qualifiziert. 94 Prozent der befragten Fachkräfte gaben zudem an, dass ihre Arbeitgeber ihnen keine Qualifizierungsmaßnahmen ermöglichen, die ihnen ein Weiterkommen durch einen höheren Berufsabschluss ermöglichen. Dies gilt insbesondere für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger ohne einschlägige Berufsausbildung.

Arbeitsbedingungen und Löhne müssen sich verbessern

„Die Politik setzt in großem Maße auf sogenannte Quereinsteigerinnen, um Fachkräfte zu gewinnen. Ohne eine einschlägige Ausbildung sind diese jedoch keine Fachkräfte, die eine qualifizierte pädagogische Arbeit leisten können, sondern werden als billige Arbeitskräfte ausgenutzt und können dem Anspruch auf eine hochwertige Bildungs- und Erziehungsarbeit nicht gerecht werden“, kritisiert Behle.

Das alles mache deutlich, dass in der Tarifrunde für den Sozial- und Erziehungsdienst, die im Januar 2022 startet, deutliche Verbesserungen erreicht werden müssen, so ver.di-Vize Behle: „Neben der Erhöhung der Löhne werden wir auch gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und damit auch für bessere Bedingungen für Kinder und Eltern kämpfen.“

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