Praktische Tipps für die Radverkehrsausbildung

Roxane Fijean Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Das Projekt "RADerFAHREN" von der TU Chemnitz gibt Empfehlungen für die Gestaltung von Unterrichtseinheiten rund um das Fahrrad. Lehr- und Lernmaterialien können angefordert werden.

Im Projekt „RADerFAHREN“, das an der Professur BWL – Betriebliche Umweltökonomie und Nachhaltigkeit (Leitung: Prof. Dr. Marlen Gabriele Arnold) der Technischen Universität Chemnitz durchgeführt wird, liegt ein Schwerpunkt auf der Wissensvermittlung und Bewusstseinsbildung bezüglich Fahrradmobilität sowie Umwelt-, Gesundheits- und Verkehrserziehung bei Schülerinnen und Schülern an Chemnitzer Grund- und weiterführenden Schulen. Ende Juni wurden deshalb Unterrichtseinheiten am Chemnitzer Schulmodell mit zwei vierten Klassen durchgeführt. „In Ergänzung zu der bereits bestehenden schulischen Radfahrausbildung mit den Themenschwerpunkten ‚Fahrradteile‘, ‚Schilderkunde‘ und ‚Links abbiegen“ stand die ganzheitliche, fächerübergreifende und spielerische Einordnung des Fahrrads als nachhaltige und umweltfreundliche Verkehrsmittelwahl im Fokus“, so Projektmitarbeiterin Dr. Katja Beyer. Hierzu wurden im Vorfeld sechs Themenbereiche identifiziert sowie altersgerechte Aufgaben und Spiele mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Umfängen entwickelt, welche die Bedeutung des Fahrrads und Radfahrens im Kontext der verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit, Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung unterstreichen. Aus den Erfahrungen in der Umsetzung dieser Unterrichtseinheiten geben die Forschenden folgende Empfehlungen und Anregungen zur Ergänzung und Erweiterung der schulischen Radverkehrsausbildung im Hinblick auf eine noch stärkere Einbindung des Fahrrads als nachhaltiges Fortbewegungsmittel:

1. Fahrrad als nachhaltiges Verkehrsmittel für den Schul- und Freizeitweg

  • Ziele des Themenbereichs: Förderung eines bewusste(re)n Wahrnehmens des Fahrrads als umweltfreundliches Verkehrsmittel und als Ersatz des „Eltern- oder Enkel-Taxis“ für Alltagswege
  • Beispielhafte Aufgabeninhalte: Überlegen von Vorteilen des Fahrradfahrens zur Schule; Geführter „Hörspaziergang“; Reflektieren von Gründen und Argumenten, die eine Nutzung des Fahrrads im Alltag erschweren

2. Fahrrad als technisches Objekt 

  • Ziele des Themenbereichs: Verfestigung von Wissen zu Fahrradteilen und zur Sicherstellung der Verkehrstauglichkeit des Fahrrads auf dem (Schul-)Weg
  • Beispielhafte Aufgabeninhalte: Zuordnung von technischen Komponenten des Fahrrads zu möglichen Schäden; Kennenlernen von verschiedenen Fahrradtypen und ihren Einsatzmöglichkeiten; Kennenlernen von verschiedenen Materialien und Werkstoffen eines Fahrrads; Kennenlernen von Fahrradzubehör; Lückentext zum nachhaltigen Umgang mit Fahrrädern

3. Fahrrad als Gestaltungsobjekt und Fahrradkunst

  • Ziele des Themenbereichs: Nutzung des Fahrrads und Fahrradzubehörs als Anregung für kreatives individuelles Gestalten und das Umsetzen künstlerisch-ästhetischer Ideen
  •  Beispielhafte Aufgabeninhalte: Kennenlernen bzw. Umsetzen verschiedener Recycling- und Upcycling-Ideen zu alten bzw. gebrauchten Fahrrädern sowie einzelnen Fahrradteilen unter Verwendung nachhaltiger Materialien; Reflektieren von Ideen zur Umsetzung von Fahrradkunst und deren Beiträge zur Förderung von Nachhaltigkeit 

4. Fahrradfahren fördert gemeinsame Erlebnisse und das Erleben von Gemeinschaft und Zusammenhalt

  • Ziele des Themenbereichs: Anregungen für Kinder, um gemeinsame Fahrradtouren mit Freunden, Klassenkameradinnen und Klassenkameraden oder Eltern zu planen und zu unternehmen; Förderung sozialer und verkehrsgerechter Verhaltens- und Kommunikationsweisen
  • Beispielhafte Aufgabeninhalte: Erkennen von Begriffen, die auf soziales Verkehrsverhalten schließen; Anfertigung einer Liste zur Tourenplanung; Textverständnis zu Schulradweg und Fahrradkultur in anderen Ländern 

5. Fahrradfahren unterstützt Bewegung und sportliche Betätigung

  •  Ziele des Themenbereichs: Fahrradfahren als sportlicher Ausgleich zum Lernen in der Schule; bewusste(re)s Wahrnehmen des Fahrrads und Radfahrens für Bewegung an der frischen Luft und Aufenthalte im Freien; positive Effekte des Radfahrens auf körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden (z. B. Ausgeglichenheit; Förderung des Orientierungssinns)
  • Beispielhafte Aufgabeninhalte: Fahrradweg-Labyrinth zum Kennenlernen verschiedener gesundheitsbezogener Vorteile und physisch-motorischer Kompetenzen des Radfahrens; Überlegen und Durchführen von Fahrradspielen 

6. Fahrradfahren fördert aktiv den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen und des Klimas

  • Ziele des Themenbereichs: bewusste(re)s Entdecken und Erleben der Natur und Artenvielfalt; Umwelt und Klima schützen mit dem Fahrrad und während des Fahrradfahrens
  • Beispielhafte Aufgabeninhalte: Erkennen saisonaler, heimischer Pflanzen auf Fahrradtouren; Identifizieren von Umweltproblemen, die mit dem (urbanen) Autoverkehr verbunden sind; Konsequenzen des Fahrradfahrens zu verschiedenen Jahreszeiten und Wetterlagen; Reflektieren von ökologischen Vorteilen des Fahrradfahrens im Alltag 

Lehr- und Lernmaterialien werden zur Verfügung gestellt

Am Projekt bzw. an den entwickelten Materialien interessierte Lehrkräfte, Studierende der TU Chemnitz im Studiengang Lehramt an Grundschulen, Erzieherinnen und Erzieher, Eltern oder Akteurinnen und Akteure mit beispielsweise Bezügen zur Umwelt- und Mobilitätsbildung sind eingeladen, sich bei Rückfragen an die Mitarbeiterin des Projektes „RADerFAHREN“, Dr. Katja Beyer, E-Mail katja.beyer@wiwi.tu-chemnitz.de, zu wenden. Ein ausführlicher Bericht zu den Unterrichtseinheiten wird demnächst auch auf der Projektwebseite von „RADerFAHREN“ (https://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/bwl8/raderfahren.php) veröffentlicht.

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