Piraten Teil 2: Klaus Störtebeker, der berühmteste deutsche Pirat
Piraten wüteten „nur“ in der Karibik, im indischen Ozean oder im Pazifik. Denkste! Auch in Deutschland gab es einen richtig berühmt-berüchtigten Vertreter der Seeräuber. Er lebte vor mehr als 600 Jahren, also etwa um 1380, ganz im Norden Deutschlands. Bei den einfachen Leuten war er sehr beliebt, denn – so heißt es – er raubte die Schätze der Reichen und gab sie den Armen. Sein Name war Klaus Störtebeker.
Wie Störtebeker zu dem wurde was er warAn den Stränden der Nord- und Ostsee galt vor langer Zeit das so genannte Strandrecht. Dies bedeutete, dass die Küstenbewohner Dinge, die das Meer an den Strand gespült hatte, behalten durften. Manchmal aber halfen die Küstenbewohner dem „Finden“ ein wenig nach. Sie versetzten einfach das Leuchtfeuer an den Küsten und ließen so die Schiffe auf Riffe auflaufen. So manches Schiff sank dabei und seine Ladung wurde an Strand gespült und „gefunden“. Aus manch ehrlichem Mann war somit ein Strandräuber geworden.
In jener Zeit nahm auch der Handel auf dem Seeweg immer mehr zu. Die wichtigsten Städte an Nord- und Ostsee hatten sich zur so genannten Hanse zusammengeschlossen. Dieses Städtebündnis ermöglichte es ihnen, besser miteinander Geschäfte zu machen.
So zogen immer öfter beladene Handelsschiffe vor den Augen dieser Strandräuber vorüber. Einige verließen deshalb das Land und zogen fortan auf Schiffen als Seeräuber umher und überfielen einfach die Handelsschiffe der Hanse in der Nord- und Ostsee. Die größten Schrecken verbreiteten dabei die „Vitalienbrüder“ (Der Name Vitalienbrüder stammt von dem alten Wort „Viktualien“ ab, was soviel bedeutet wie Lebensmittel.) Die Vitalienbrüder waren ursprünglich Freibeuter, die in einem Krieg zwischen Schweden und Dänemark die Bewohner der schwedischen Stadt Stockholm mit Lebensmitteln versorgten. Nach Ende des Krieges entwickelten sich die Vitalienbrüder allerdings zu Seeräubern. Sie besetzten die dänische Ostseeinsel Gotland samt ihrer Hauptstadt Visby und errichteten dort einen Seeräuberstaat, von dem aus sie die schwer beladenen und plumpen Handelsschiffe der Hanse überfielen. Für die Städte der Hanse begann so eine schlimme Zeit.
Erst dem deutschen Ritterorden unter dem Hochmeister Konrad von Jungingen, gelang es, die Vitalienbrüder zu besiegen und den Seeräuberstaat zu zerschlagen.
Teile der Seeräuberbande gelang aber die Flucht. Unter der Führung von Klaus Störtebeker verlegten sie nun ihre Aktivitäten in die Nordsee, wo sie die Schiffe der Hanse, die nach England und Flandern fuhren, überfielen. Im Jahre 1401 gelang es aber einer Handelsflotte, Klaus Störtebeker und seinen Freund Godeke Michels samt ihren Mannschaften gefangen zu nehmen. Noch im selben Jahr wurden sie alle zum Tode durch das Schwert verurteilt.
Die Legende des kopflosen Piraten
Um Klaus Störtebeker rankt sich eine verwegene Legende. Sie besagt, er habe kurz vor seiner Hinrichtung mit dem damaligen Bürgermeister der Stadt Hamburg eine Vereinbarung getroffen: All jene seiner Männer sollten frei kommen, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbei schreiten kann. Störtebeker ging angeblich an elf Männern vorbei, ehe ihm der Henker ein Bein stellte. Er fiel hin und konnte nicht mehr weiter.
Nach dem Sturz Störtebekers brach der Bürgermeister jedoch sein Versprechen und ließ alle Seeräuber hinrichten.
Schon gewusst...?
...dass der Name Störtebeker nichts anderes heißt als „stürz den Becher“? Klaus Störtebeker galt nämlich als sehr trinkfest. Man sagt, er habe einen 4-Liter-Humpen austrinken können, ohne den Becher einmal abzusetzen.
Quelle: www.hopsa-themaheft.de (Die Ausgabe mit den Piraten ist leider nicht mehr verfügbar)
