Piraten Teil 1: Die Geschichte der Seeräuber

Piraten und Freibeuter, Kaperer und Korsare, Bukanier und Barbaresken – seit Schiffe über die Meere fahren und wertvolle Waren transportieren gibt es auch diejenigen, die die Boote überfallen und deren Schätze rauben. Die meisten der heute bekannten Seeräuber-Geschichten spielten sich im so genannten goldenen Zeitalter der Piraten, etwa zwischen 1670 und 1720, ab.

Doch Piraten gab es bereits lange zuvor. Bei den alten Griechen etwa. Damals überfielen die Seeräuber die Schiffe der wohlhabenden phönizischen Händler. Oder bei den Römern: Sie bekämpften die Piraten mit ihrer Kriegsflotte. Damit schützten die Römer ihre eigenen Schiffe, die die Stadt Rom mit Nahrungsmitteln aus Nordafrika versorgen sollten. Auch die Wikinger waren nicht ohne. Piraten dieses Volkes verbreiteten mit ihren Langschiffen in ganz Europa ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. Angst und Schrecken.

1392 errichteten die Vitalienbrüder in der Nordsee einen eigenen Seeräuberstaat. Von der dänischen Insel Gotland aus, überfielen sie Handelsschiffe und zahlreiche Küstenstädte. Zu ihren berüchtigsten Vertretern gehörten Klaus Störtebeker, der bekannteste deutsche Seeräuber, und sein Kumpan Godeke Michels.

Rund 100 Jahre später, ab dem 16. bis hinein ins 19. Jahrhundert bekämpften sich im Mittelmeer muslimische und christliche Piraten. Die muslimischen Piraten nannte man Barbaresken. Sie starteten ihre Beutezüge von der Nordküste Afrikas aus; Hauptstützpunkt der Christen war die Insel Malta. Beide Gruppen behaupteten, gegen Ungläubige vorzugehen.

Mit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 weitete sich die Piraterie auf die Neue Welt aus. Die Jagd nach dem Gold, nach Silber und Edelsteinen begann. Die Spanier gründeten ab dem 16. Jahrhundert in Süd- und Mittelamerika Kolonien. Sie beuteten die Länder gnadenlos aus und schickten ihre reich beladenen Schiffe auf große Fahrt zurück nach Spanien. Doch nicht alle kamen dort an. Überall auf den Weltmeeren lauerten Piraten, um die wertvolle Fracht zu rauben.

Doch die Piraten hatten es nicht nur auf spanische Schoner und Barken abgesehen. Auch die Franzosen schickten ebenso wie die Engländer, Portugiesen oder Niederländer Schiffe los, um die Sagen umwobenen Reichtümer der Neuen Welt zu ergattern. Gold und Edelsteine, Elfenbein und Gewürze, kostbare Stoffe, wertvoller Zucker, Perlen und Seide hatten sie an Bord – nicht nur aus Süd- oder Mittelamerika, auch aus Indien, China oder Afrika sollte die teure Ware nach Europa geschafft werden. Und immer wieder wurden die Schiffsbesatzungen und deren Ladung Opfer von brutalen Piratenüberfällen.

Häufig wurden „normale“ Seeleute zu Piraten, weil sie mit ihrem bisherigen Leben auf See unzufrieden waren. Sie hatten es satt, sich auf den Kriegs- und Handelsschiffen demütigen zu lassen; sie bekamen für harte Arbeit – wenn überhaupt - nur wenig Lohn. Aber auch Abenteurer, Galgenvögel, von zuhause weggelaufene oder verwaiste Jugendliche und sogar Frauen schlossen sich den Piratenbanden an. Und das obwohl sie genau wussten, was sie erwartete, wenn sie erwischt wurden: Sie wurden zum Tode verurteilt.

Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert rüsteten immer mehr gekrönte Häupter Piraten ganz offiziell aus, um Schiffe feindlicher Länder zu überfallen. Diese Piraten nannte man Freibeuter, Kaperer oder Korsaren. Ihr Auftrag war in einem Kaperbrief beschrieben. Der Vorteil: Im Gegensatz zu den übrigen Piraten hatten sie am Ende einer Kaperfahrt im eigenen Land nicht mit der Todesstrafe zu rechnen. Lediglich einen Großteil der Beute mussten sie dem jeweiligen Herrscher abtreten. Einer der bekanntesten Freibeuter war der Engländer Francis Drake, den die Königin nach einer seiner Kaperfahrten sogar in den Adelsstand erhob. Daneben trieben jedoch auch zahlreiche andere Seeräuber ihr Unwesen auf den Weltmeeren. Die Bukanier in der Karibik etwa, die alles und jeden angriffen – besonders aber die Spanier.

Mit der Zeit wurde das Reisen auf See so gefährlich, dass sich verschiedene Länder zusammenschlossen und sich darauf einigten, die Piraterie zu ächten und bekämpfen. Sie machten fortan mit gut ausgerüsteten Schiffen regelrecht Jagd auf die Piraten, mit dem Ergebnis, dass hunderte der Seeräuber gefangen und für ihre Verbrechen verurteilt, gehenkt oder verbannt wurden.

Um 1720 schließlich war das so genannte goldene Zeitalter der Piraterie vorbei – doch einigen der Anführer war es gelungen, sich in dieser Zeit zur berühmt-berüchtigten Legende zu machen.

Die modernen Piraten
Wer glaubt, Piraten gab es nur in längst vergangenen Zeiten, der irrt. Auch heute noch treiben Piraten auf den Weltmeeren ihr Unwesen. Besonders häufig kommt es im südchinesischen Meer oder in der so genannten Straße von Malakka (sie befindet sich in Asien zwischen Malaysia und Indonesien) zu brutalen und schwer bewaffneten Überfällen. Handelsschiffe aber auch Menschen auf Passagierschiffen gehören meist zu den Opfern.

Seit dem Jahr 1982 ist die Piraterie durch die so genannte UNO-Seerechtskonvention geächtet. Dieses Gesetz haben viele Länder gemeinsam entwickelt. Schiffe zu überfallen und zu plündern ist somit ganz offiziell verboten. Piraten rechtlich zu verfolgen, sie vor Gericht zu bringen und zu verurteilen, ist in der Praxis jedoch sehr schwer.

Quelle: Hopsa Themaheft 3 / www.hopsa-themahefte.de

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