Erntedank

Das Kirchenjahr mit Kindern feiern

Diese Vorlesegeschichte erzählt, was Markus, Luise, ihre Eltern und ihr Kater so alles bei der Vorbereitung und beim Feiern des Erntedankfestes erleben. Auf unterhaltsame Art erklärt sie dieses wichtige Fest. Ein Kochrezept regt die Kinder zum Mitmachen an und sorgt für ein kreatives Spielen und Lernen.

Es war Anfang des Sommers. An einem Samstag lagen Marcus und Luise faul in der Hängematte, die im Garten zwischen dem Pflaumen- und dem Birnbaum gespannt war, während Mama und Papa gleich nebenan im Blumenbeet Unkraut jäteten. Papa rief die zwei zu sich und fragte: „Wer von euch möchte in diesem Jahr ein eigenes kleines Beet?“

„Ich!!“, riefen beide.

„Aber“, sagte Mama, „ihr müsst auch selber gießen und Unkraut zupfen.“

„Dann lieber doch nicht“, antwortete Marcus und verzog sich wieder in die Hängematte.

„Aber ich will eins.“ Luise war sich sicher und wusste auch schon, was sie säen würde: Möhren, ihr Lieblingsgemüse.

Papa steckte ein kleines Stück Beet mit Ästchen ab: „Das ist ab jetzt deins.“

Mit Feuereifer machte sich Luise daran, den Boden locker zu hacken, während Marcus in der Hängematte lag und laut gähnte.

„Aber du kriegst keine Möhre!“ rief Luise ihm zu.

„Ich will auch keine!“ rief Marcus zurück und gähnte gleich nochmal.

Luise zog mit dem Stiel des Häkchens Furchen, streute die winzig kleinen Möhrensamen hinein, strich den Erdboden darüber glatt und goss Wasser aus der Gießkanne darauf. Sie blickte zu ihrem Bruder und musste an vergangenes Weihnachten denken: Marcus hatte alle Süßigkeiten in drei Tagen weggeputzt. Sie selber aß bloß ab und zu was Süßes. Denn sie wollte auch im Januar noch Schokolade haben. Und dann kam es, wie es kommen musste: Marcus jammerte so lange rum, bis Luise ihm was von ihrer Schokolade abgab, obwohl sie es eigentlich überhaupt nicht einsah. Schließlich war Marcus einfach nur verfressen. Mit den Möhren sollte das nicht wieder passieren! „Du kriegst wirklich keine davon!“, rief sie noch einmal ihrem Bruder zu.

Endlich, endlich, nach vielen Tagen, schauten die ersten grünen Spitzen aus dem Möhrenbeet hervor. Luise zog so viele Möhrenspitzen aus der Erde, dass die anderen genügend Platz zum Wachsen hatten. Sie zupfte Unkraut, goss an warmen Tagen mit Regenwasser aus der Tonne, holte ihr Lineal und maß, wie lang die Sprossen bereits waren. Und alle drei Tage sagte sie zu Marcus: „Aber nicht, dass du denkst, ich gebe dir eine Möhre!“

Leider wuchsen nur fünf Möhren prächtig. Alle anderen verkümmerten. Na ja, immerhin fünf! Dann kam der Erntetag. Es war Anfang Oktober, als Luise (Marcus baumelte wiedermal in der Hängematte) die Möhren sacht aus dem Boden zog. Mama und Papa hockten daneben, genauso gespannt wie Luise.

Es waren fünf großartige Mohrrüben. Luise hatte sich längst überlegt, was sie damit machen wollte: Die längste schenkte sie Papa, die dickste Mama. Die restlichen drei behielt sie für sich. Marcus sagte kein Wort dazu. Luise wusch eine der Möhren, setzte sich auf die Gartenbank und schnurpste genüsslich.

Am Sonntag gingen sie alle zum Familiengottesdienst Es war Erntedankfest und so waren sie schon eine Viertelstunde eher in der Kirche, um sich all das Obst und Gemüse, die Pilze und Blumen anschauen zu können, die zum Erntedankfest gebracht worden waren. Sie selbst hatten einen Korb voller blauer Hauspflaumen hingestellt. Was es da nicht alles zu sehen gab: Riesenkürbisse und Minimelonen, gelbe Strauchtomaten und rote Paprika, Drillingskirschen und den Erntekranz aus den vier Getreidesorten Weizen, Roggen, Hafer und Gerste. Luise staunte. Dann fragte sie Papa, ob sie schnell nochmal heimsausen dürfe. Papa sagte ja. Drei Minuten später war Luise zurück (sie wohnte glücklicherweise gleich neben der Kirche) und legte eine ihrer beiden übriggebliebenen Möhren mitten auf den größten Kürbis. Jetzt war sie zufrieden – der Gottesdienst konnte beginnen. Während der Predigt schaute Luise nur auf ihre Möhre – und alle anderen Leute sicher auch. Außer Marcus. Der blätterte im Gesangbuch.

Nach dem Schlusslied rief der Pfarrer alle Kinder nach vorn. Jedes Kind durfte sich aus den Erntegaben eine Frucht auswählen und essen. Luise schaute umher und lief dann zu einer Stiege mit großen, gelben Birnen. Sie kramte sich die größte heraus und biss hinein, dass ihr gleich der süße Birnensaft über das Kinn lief. Da hörte sie es hinter sich kichern. Dieses Kichern kannte sie! Sie drehte sich um. Vor ihr stand Marcus und biss gerade in ihre Möhre. „Ätsch“, sagte er.

Möhren-Honig-Salat

Zutaten: 500 g Möhren, Saft einer halben Zitrone und einer ganzen Apfelsine, 1 EL Honig, 50 g gehackte Haselnüsse

Zubereitung: Geriebene Möhren mit weiteren Zutaten vermischen und frisch servieren.

Diesen Artikel haben wir aus folgendem Buch entnommen:

Das Kirchenjahr mit Kindern feiern
Ein Vorlesebuch mit lustigen Geschichten , Backrezepten und Spielen.
Reuter, Thomas
Burckhardthaus-Laetare
ISBN: 9783944548906
96 Seiten, 9,90 €

Mehr dazu auf www.oberstebrink.de



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