Integration und Inklusion spielend unterstützen

Auf in die Fremde

Es ist wünschenswert, dass wir mit dem Ansprechen und dem Umgang mit Toleranz, mit Ängsten, mit Fremdheit frühzeitig beginnen. Aber ist das möglich bei drei- bis siebenjährigen Menschlein? Das brachte uns auf die Frage, was für Ängste, Sorgen und Nöte diese Kinder denn haben, ob wir diese ernst nehmen und wie wir damit umgehen können.

Wahrscheinlich im Kindergarten lernen Kinder zum ersten Mal ausländische, andersfarbige, anderssprachige, behinderte Kinder kennen. Das macht – wie schön – unseren Kleinen normalerweise sehr viel weniger Kopfzerbrechen als den größeren Menschen. Übungen und Spiele können das noch unterstützen. Ein paar Ideen dazu finden sich hier. Vielleicht kommen Sie dadurch auf weitere?

VIER FARBEN

Die Ecken des Raumes werden mit farbigem Papier, Karton oder Ähnlichem „eingefärbt“, die eine schwarz, die andere weiß, die dritte braun und die vierte gelb. Dann spielen wir vier farbige Runden. In der ersten ruft die Spielleiterin: „Sachen!“ Die Kinder laufen ganz schnell zu den Ecken, zu welchen ihnen ein Gegenstand einfällt, etwa „Eigelb“, „schwarze Schuhcreme“, „Eis“ oder „Brot“. In der zweiten Runde sind die Pflanzen an der Reihe. In der dritten Runde geht es um Tiere und in der vierten schließlich um Menschen. Sind die Kinder in den Ecken, nennen sie nacheinander ihre Begriffe und laufen dann wieder in die Mitte des Raumes.

DAS MITBRINGWORT

Die Kinder bekommen die Aufgabe, am nächsten Tag ein Wort mitzubringen. Dieses Wort soll ganz unbekannt, darf ruhig in einer anderen Sprache und auch „sehr schwer“ sein. Nur die deutsche Bedeutung des Wortes, die muss auch mitgebracht werden. Am nächsten Tag setzen sich alle in einen Kreis. Die Kleinen sind sicher schon unruhig und wollen ihr Wort loswerden. Ein Kind beginnt und spricht das neue Wort. Die anderen rätseln, was es wohl bedeuten könnte. Derweil wird das Wort von der Leiterin aufgeschrieben. Haben alle ihre Vermutungen geäußert, nennt das Kind die richtige Bedeutung. Sie wird neben das unbekannte Wort geschrieben. So geht es weiter, bis alle Kinder an der Reihe waren. Dann wird jedes einzelne Wort vorgelesen, noch einmal seine Bedeutung genannt und so viel wie möglich hinzugefügt: aus welchem Land das Wort stammt, wie es in diesem Land ist, wer schon einmal dort war oder einen Freund aus diesem Land hat. Am Ende sprechen alle noch einmal alle „Mitbringworte“, die sie jetzt schon ganz gut beherrschen.

Was wir zusammen alles können!

Zum Ausklang geht es um Mutmachen, um die Aufforderung, nur ja neugierig zu sein, um die Unterstützung des Entdeckerdrangs und der Lust, etwas auszuprobieren. All das sollte nicht etwa unterdrückt werden, auch wenn dadurch manchmal etwas brenzlige Situationen entstehen können. Je mehr sich Kinder zutrauen, desto weniger schwer haben sie es mit sich selbst und mit anderen.

WIR KÖNNEN ALLES

Die Kinder stehen im Kreis. Die Frage lautet, was wir alles zusammen können. Kommt ein Kind auf eine Idee, läuft es in die Kreismitte und spielt dort die Tätigkeit vor – aber ohne sie wirklich zu tun. Ein Kind kommt vielleicht auf das Singen, also stellt es sich in die Mitte und tut so, also ob es singt. Ein anderes läuft auf der Stelle, ein drittes schläft, ein viertes klettert auf einen Baum, ein fünftes spielt im Sand oder tanzt. Erkennen die anderen, was das Kind meint, machen sie mit. Jetzt darf es aber – wenn möglich – wirklich geschehen, jetzt können alle durcheinander singen, laufen oder was auch immer. Wenn nicht alle zu dem Gewünschten in der Lage sind – weil vielleicht ein Kind in einem Rollstuhl sitzt oder die Sprache nicht beherrscht –, dann überlegen alle zusammen, was sie stattdessen oder wie sie es wirklich zusammen tun können.

GEHEIMNIS

Ein Kind geht zu einem anderen und flüstert ihm etwas ins Ohr. Jetzt laufen beide Kinder wiederum zu anderen und flüstern ihnen dasselbe ins Ohr. Das geht so lange, bis alle Kinder die geheime Botschaft kennen. Dann wird „eins, zwei, drei“ gezählt, und gemeinsam schreien alle Kinder laut die Botschaft. Diese kann einfach aus einem witzigen Wort bestehen. Es kann sich aber auch um etwas handeln, das alle Kinder am nächsten Tag mitbringen sollen; vielleicht Tücher, aus denen gemeinsam ein Tücherbaum gebaut wird, Obst, aus dem ein wunderschöner Obstsalat entsteht oder Ähnliches

Diesen Artikel haben wir aus folgendem Buch entnommen:

Auch kleine Leute haben´s schwer
Ängste und Fremdheit überwinden
Bücken, Hajo
Burckhardthaus-Laetare
ISBN: 9783944548128
3 bis 6 Jahre, 96 Seiten, 
9,90 €
Mehr dazu auf www.burckhardthaus.de



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