Bildung für die kreativen Denker von morgen

Plädoyer für die Förderung von Kreativität und Technologie im Bildungssystem

Bildung heute – wirklich für unser „morgen“ gestaltet?

Aus meiner Sicht sind die heutigen Bildungsprogramme in erster Linie darauf ausgerichtet, dass die Heranwachsenden den Anforderungen einer teilweise vergangenen Gesellschaft gerecht werden können. Einem System, in dem man fleißige, folgsame Arbeiter heranzieht. Es handelt sich um eine Form von „Breitenbildung“ für alle. Ich wage die These, dass das in eine Sackgasse führen könnte, denn mit der Automatisierung von Aufgaben durch Technologien und künstliche Intelligenz werden – so prognostizieren renommierte Beratungsunternehmen – 15% bis 47% der Arbeitsplätze bis zum Jahr 2030 wegfallen. Umso dringender braucht es Menschen, die gelernt haben, sich komplexen Problemstellungen zu widmen und neue Lösungswege finden zu können. Hier sind nicht nur Schulen, sondern auch der tertiärer Bildungsbereich gefragt.

Ist es aufgrund dieser Tatsache nicht dringend notwendig, die Grundlage für den Aufbau des nötigen Wissens für die Zukunft in Frage zu stellen? Müssen wir nicht angesichts der großen technologischen Umbrüche unser tägliches Verhältnis zum Lernen und zur Arbeit neu erfinden?

Neues Arbeiten erfordert neues Lernen!

84% der deutschen Bundesbürger ab 16 Jahren geben an, dass digitale Kompetenzen im Schulunterricht einen höheren Stellenwert einnehmen sollten. Das geht aus einer Umfrage des deutschen Digitalverbandes bitkom von Februar 2018 hervor. Mit dem Digitalpakt und vielen weiteren Maßnahmen ist Deutschland schon auf einem guten Weg. Lehrkräfte setzen mehr und mehr digitale Werkzeuge ein, um Kinder bei der Entwicklung und Förderung ihrer Kreativität zu unterstützen. Das ist auch die Vision der Europäischen Union. Die öffentlichen Grundsätze der Europäischen Kommission arbeiten seit 15 Jahren darauf hin, die Rolle von Schul- und Ausbildung zu stärken, indem sie Kreativität als bedeutsame Kompetenz definieren. Ziel aller unterrichteten Fächer soll sein, authentische Menschen heranzubilden, die in der Lage sind, ihr ganzes Leben lang Neues zu lernen. So zielte das Europäische Jahr der Kreativität und Innovation in Europa 2009 darauf ab, Kreativität langfristig über die bildenden Künste hinaus durch den Einsatz digitaler Technologien zu erweitern. Eine gute Sache, die aber fokussierter vorangetrieben werden sollte.

Der französische Soziologe Patrice Flichy bestätigt diese Erkenntnis: Dank digitaler Technologien, können Schüler lernen, später selbstständiger zu arbeiten sowie berufliche Tätigkeiten und die Entwicklung ihrer Leidenschaften miteinander in Einklang zu bringen. Die Arbeitswelt ändert sich mit dem technologischen Wandel rasant, wodurch auch völlig neue Vereinbarkeiten von Arbeits- und Berufsleben möglich sind. Das traditionelle Mitarbeitermodell wird durch die Verbreitung digitaler Kollaborationsplattformen verändert. 

Angestellte stellt man an, oder etwa nicht?

„Angestellte - die heißen so, weil man sie morgens anstellt und abends wieder abstellt und dazwischen aufpasst, dass sie nichts anstellen“. Das ist ein, wie ich finde, sehr gelungenes Zitat aus dem Film Die stille Revolution. Die Mitarbeiter der Zukunft sind freier in der Gestaltung ihrer Arbeitszeiten und Arbeitsräume. Und ich bin überzeugt, dass beide Seiten durch Technologie gewinnen: Mitarbeiter können sich ihre Zeit so einteilen, dass sie Kreativität und Produktivität in Einklang bringen, während die Unternehmen die kreative Lösungsfähigkeit in ihren Teams wecken, etwas was eben nicht durch Künstliche Intelligenz substituierbar ist.

Bereits heute und im zunehmenden Maße werden zukünftig Menschen gebraucht, die nicht nur auswendig lernen und Regeln befolgen können, sondern Querdenker und innovative Köpfe, die aktiv unsere Zukunft mit Hilfe von Technologie mitgestalten werden. Führungskräfte geben dann eher Orientierung, helfen mit Struktur und beim Lösen von Blockaden. Strenge Kontrolle und Hierarchien lösen sich bestmöglich auf.

Technologie als kreativer Möglichmacher

Ist es eine Utopie, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und davon leben zu können? Auf jeden Fall kommen wir diesem Traum mit der stetigen Entwicklung neuer Werkzeuge und Arbeitsmethoden ein großes Stück näher. Um die kreativen Denker von morgen auszubilden, entstehen viele regulatorische und technologische Initiativen. Beispielsweise hat die Europäische Kommission kürzlich ein neues Instrument namens SELFIE, Self-reflection on Effective Learning by Fostering the use of Innovative Educational Technologies, für die Selbstreflexion über effektives Lernen durch die Förderung des Einsatzes innovativer Bildungstechnologien eingeführt. Es soll Schulen helfen zu beurteilen, wie sie digitale Technologien zum Lehren und Lernen nutzen.

Ein guter Start, aber noch weit entfernt vom Ziel. Auf dem Weg dahin können wir alle etwas beitragen. Eltern, Schüler und Unternehmen sollten aktiv einfordern, dass diese Idee von kreativen Denkern Realität wird. Technologie ist bei weitem keine Bedrohung, sondern ein enormes Kapital: Es sollte kein Zweifel bestehen, dass irgendwann jede Schule über eine Bibliothek verfügt, die mit den besten digitalen Werkzeugen ausgestattet ist, um den kreativen Köpfen von morgen zu dienen.

 

Über den Autor

Martin Meusburger leitet seit über 2 Jahren als Head of Sales die Bereiche Bildung & Forschung für die Kollaborationsplattform Dropbox Business in Zentral- & Nordeuropa. Dabei unterstützt er zahlreiche Bildungseinrichtungen, insbesondere Hochschulen, bei der Digitalisierung ihrer Prozesse, beispielsweise dem Ausbau ihrer Cloud-Strategien. Der gebürtige Österreicher hat einen Master in Business Administration & E-Business Management und lebt seit 3 Jahren in Dublin. Im Laufe seiner Karriere hat er Stationen in Südkorea, Polen und auch den USA absolviert. Als Gründer zweier Firmen - einer studentischen Unternehmungsberatung sowie von Solgenium, einem Spezialisten-Team für die Begleitung von Gesundheitseinrichtungen - war er intensiv in der Startup-Community in Österreich engagiert und kann sich sehr gut in die Lage von Entscheidern versetzen. Seine Fokusthemen sind Bildungssysteme, Unternehmertum, Beratung & Vertrieb sowie Technologie.

 

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