Eine Leseecke gestalten und einrichten

Jeder hat die Erfahrung schon gemacht, sie ist geradezu unausweichlich: Erst die positive Atmosphäre, die ein Raum ausstrahlt, trägt zum Wohlbefinden der Menschen bei, die sich dort aufhalten und beschäftigen. Ob in Schule oder Kindergarten: die Lern- und Spielatmosphäre wird durch einen entsprechend behaglich, wohnlich und heimelig gestalteten Raum mitgeprägt. Kalt und häßlich wirkende Räume können sogar eine verstörende Atmosphäre schaffen. Daher kann das räumliche Umfeld auch eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Lesemotivation haben. Mit einem Buch in der Hand, stehend an der harten Wand gelehnt, stellt sich nicht unbedingt jene Wohlfühl-Atmosphäre ein, die man sich bei anregender Lektüre wünscht.

Um Kinder für das Lesen zu begeistern bedarf es bestimmter Orte in einem Raum, die neugierigen Leseratten oder Bücherwürmern als behagliches Rückzugsgebiet für die Beschäftigung mit Büchern angeboten werden können. Wer lesen möchte braucht Ruhe und eine entspannte, aber durchaus anregende Umgebung. Auch in größeren Gruppenräumen von Schulen oder Kindergärten bietet sich daher eine vielfach praktizierte Lösung an: das Einrichten einer Leseecke.
Wie aber sollte oder könnte eine solche Leseecke aussehen? Was gehört als „Ausstattung“ dazu? Im Folgenden werden vor dem Hintergrund verschiedener Erfahrungen einige Anregungen und Hinweise gegeben, die bei der Gestaltung einer Leseecke zu bedenken sind.

Pädagogische Bedeutung von Leseecken

Unter pädagogischen Aspekten lassen sich im Wesentlichen drei Funktionen von Leseecken benennen. Zum einen sollen sie Freude am Lesen vermitteln; freies „Schmökern“ in Pausen, Vorlesestunden sowie Buchvorstellungen durch Erzieher, Eltern oder Schüler – all das kann in der Leseecke stattfinden. Neben der eigentlichen Lektüre kann den Kindern auch die Möglichkeit eröffnet werden, Bücher und Medien (auch für zu Hause) auszuleihen. Zweitens ist die Unterstützung des vorschulischen Lernens zu sehen: Kleingruppen können in der Lesegruppe „arbeiten“, sich mit Buch- und Leseprojekten beschäftigen, Bücher und Geschichten können gespielt und als kleine Theaterstücke umgesetzt werden. Eng damit verbunden ist der dritte Aspekt: die Förderung der Medienkompetenz. Denn unter Umständen kann die Präsentation von Büchern sogar unter Einbeziehung neuer Medien wie Hörbücher, CD-Roms, PC und Internet erfolgen. 

Welcher Raum – oder welche Ecke?

Natürlich wäre ein eigener Raum zum Lesen ideal. Meistens besteht diese Möglichkeit jedoch nicht, so dass auch Gruppen- und Aufenthaltsräume mitgenutzt werden können. Zu fragen ist in diesem Fall, inwieweit der Raum weitgehend für die Leseecke zur Verfügung steht oder auch für andere Zwecke genutzt wird. Ist der Raum abschließbar oder soll die Leseecke in einem offenen Bereich untergebracht werden? Liegt der Raum zentral oder abgelegen? Reicht die Beleuchtung aus? Fragen, die sich auch durch die weiteren Gestaltungsmöglichkeiten einer Leseecke klären lassen.

Bei der Planung muss der wichtigste Zweck einer Leseecke immer im Vordergrund stehen: Kinder sollen hier vor allem Spaß am Lesen entwickeln können und die Einrichtung gern nutzen.

Bestandteile einer Leseecke


Grundlagen einer erfolgreichen Leseecke sind natürlich aktuelle und empfehlenswerte Bücher wie erzählende Literatur, Sach- und Bilderbücher, Hörbücher auf Kassette oder CD, aber auch CD-Roms sowie kindgemäße Zeitschriften und Magazine. Neben diesen inhaltlichen Komponenten sind aber auch die äußeren Ausstattungsmerkmale wichtig, wie z. B. geeignetes Mobiliar.

Dazu gehören Regale, Präsentationsmöbel sowie eine kleine gemütliche Sitzecke mit Stühlen, Tischen, Sesseln oder einer Lesetreppe.

 „Sitzt du gut - oder liegst du schon ...?“

Im Sitzen liest es sich nicht nur leichter, sondern auch das Zuhören ist natürlich wesentlich entspannter! Kissen zum Reinkuscheln - da macht Zuhören doppelt so viel Spass.

Zentrales Element jeder Leseecke ist eine gemütliche Sitzmöglichkeit.

Schon mit relativ wenig Aufwand können sehr attraktive Sitzplätze geschaffen werden, die zum Schmökern einladen. Das können bequeme Sessel sein, aber auch Sitzsäcke oder Matratzen, auf denen man sich's mit besagten Kissen gemütlich machen kann. Aber auch Tische und Stühle sollten vielleicht als „Arbeitsplätze“ zur Verfügung stehen. Vor allem kommt es auf die Ausgewogenheit von „Lesespaß“ und „Leseernst“ an, damit die Leseecke allen Nutzungsformen gerecht wird.

 

Bücher und Leser - ins rechte Licht gerückt

 

Bücher müssen ins rechte Licht gerückt werden – also muss beim Lesen für ausreichende Beleuchtung von Selbst- und Vorleser gesorgt sein. Gut macht sich die Nähe zum Fenster, zumindest wenn davor nicht das Leben tobt und ständig ablenkt. „Das Lesen von Büchern ist ein Austausch mit dem Text. Er lässt im Kopf Bilder entstehen. Dieser Prozess wird durch einen weit schweifenden Blick aus dem Fenster gut ergänzt“, sagt Bodo Franzmann, Leseforscher bei der Stiftung Lesen in Mainz. Allerdings macht es wenig Sinn, den Sitzplatz frontal zum Fenster auszurichten: Dann liegt der Text im Schatten. Besser ist eine seitliche Position. Reicht das nicht aus, müssen halt die Lampen eingeschaltet werden – oder nur eine Leselampe für den Vorleser, so dass auch über das Licht eine gemütliche Atmosphäre entstehen kann.

 „Leseoasen“ – gestalterische Erfahrungen

 Aus einer Leseecke kann durch ideenreiche, kreative Gestaltung eine Leseoase werden. Das fängt an bei einem übersichtlichen Bücherregal, in dem sich Kinder leicht zurecht finden. Bücher können hier nach Alter und Sachgebiet sortiert erscheinen, zusätzlich kann eine Stöberkiste aufgestellt werden. Auch kann man eine kleine bemalte Holzkiste an der Wand befestigen auf der dann z. B. geschrieben steht: Buch der Woche! Eine Tafel oder Pinnwand mit den Fotos der Lesekinder gibt der Leseecke einen persönlichen Touch. Der gestalterischen Phantasie sind hier im Prinzip keine Grenzen gesetzt, wie auch Erfahrungen von Erzieherinnen veranschaulichen:

„Ich habe einen kleinen Gruppenraum, wo ich eine Leseoase eingerichtet habe; eine Palme an die Wand gemalt, zwei kleine Bänke und einige Kissen gemütlich bereitgestellt. Zwei kleinere Bücherregale habe ich in vier Kategorien eingeteilt: Sachbücher, Vorlesegeschichten und Lieblingsbücher der Kinder. Unser Maskottchen, der Rabe Rudi, hat einen Platz auf der Palme und ist als Pirat verkleidet. Wir haben einmal in der Woche eine Lesestunde eingerichtet, da kommen auch Eltern zum Lesecafé. Ansonsten bekommen die Kinder auch zwischendurch die Gelegenheit unsere Leseoase zu nutzen - und in der Regenpause ist sie sehr beliebt.“

 

Regeln – zum Wohle der Bücher und Kinder ...

 

Bücher werden oft in die Hand genommen – und leiden dabei mitunter, je nachdem wie „sensibel“ der Nutzer mit ihnen umgeht. Damit die schönen Schmöker noch lange im guten Zustand bleiben, sollte den Kindern eine pflegliche Behandlung der Bücher durch bestimmte Regeln vermittelt werden. Auch hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten – entsprechend den Aussagen einiger Erzieherinnen, die auch hier aus Erfahrung sprechen:

„Wir haben den Kindern erklärt und gezeigt, wie sie die Bücher behandeln sollten (liegend am Boden oder mit beiden Händen an den Seiten halten, vorsichtiges Umblättern an der Ecke, nicht einreißen etc.).“

Ein Regelplakat in Schriftform ist natürlich nur sinnvoll, wenn die Kinder bereits lesen können. Alternative:

„In einer Einrichtung habe ich am Bücherregal ein Schild gesehen, das aussah wie eines der dreieckig-roten Warnzeichen aus dem Straßenverkehr mit dem Hinweis: „Pass auf mich auf!“

Für Kinder ist es jedoch mitunter schwierig sich an Regeln zu halten und Sorge für die Bücher zu tragen, weshalb einige beschädigte Bücher direkt angeschaut werden sollten:

„Um die Regeln in der Lesecke einzuführen, habe ich Bücher mit ausgerissenen Seiten und einem kaputten Rücken ausgewählt. Dann haben wir zusammen überlegt, wie das passiert sein könnte. Die Gründe kannten die Kinder genau. Heute gibt es Regeln wie ,keine Bücher auf den Boden legen, nach dem Lesen zurück ins Leseregal und kaputte Bücher direkt auf den Schreibtisch legen'. Seitdem ist die Beschädigung von Büchern sehr zurück gegangen. Auch ist die Leseecke kein Ort,  wo geturnt werden sollte. Für Bücher muss Sorge getragen werden. Dabei haben die Kinder viele eigene Ideen entwickelt, wie dies geschehen soll - und machen sich gegenseitig darauf aufmerksam!“

 

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