Wissen, wie es den Kindern wirklich geht
Mehr faktengestützte Informationen über die unterschiedlichen Bedingungen des Aufwachsens von Kindern, um auf diese Weise zielgenau agieren zu können - das fordern Bildungspolitiker und Fachverbände schon lange. Mit dem Projekt "KECK: Kommunale Entwicklung - Chancen für Kinder" wollen die Bertelsmann Stiftung und verschiedene Kommunen die Grundlagen dafür schaffen.

Was wissen wir darüber, wie Kinder ihre Fähigkeiten und Kompetenzen entfalten können, ohne an ihren sozialen und kulturellen Startbedingungen zuscheitern? Welches Potenzial liegt in den unterschiedlichen Lebenssituationen von Kindern und Familien? Was fördert, was hemmt? Wenn wir ehrlich sind, vermuten wir oft mehr, als dass wir konkrete Antworten kennen. Bildungspolitiker und Fachverbände fordern deshalb mehr faktengestütztes Wissen über die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern. Mit dem Projekt "KECK: Kommunale Entwicklung - Chancen für Kinder" entwickelt die Bertelsmann Stiftung zusammen mit Kommunen einen neuartigen kleinräumigen Bildungsbericht (www.keck-atlas.de) zur sozialen Lage, Bildung und Gesundheit von Kindern, um diese damit zu stärken und ihre Startchancen zu verbessern.
Skeptiker sehen den Trend zur "Vermessung der Welt" kritisch und befürchten, er könne zu Datenfriedhöfen, zur Gleichmacherei und zu einem standardisierten Blick auf die Kindheit führen. Interessant sind jedoch lebendige Differenz und Vielfalt. Ein statistischer Durchschnitt gibt einen Überblick, der durch die Wahrnehmung der jeweiligen Lebenssituation von Kindern ergänzt werden muss. Deshalb werden in KECK auch die Daten durch Arbeitsgruppen und Netzwerke ausgewertet und mit den Erfahrungen vor Ort gefüllt.
Kommunen sind zentrale Orte für das Leben von Familien,hier entstehen soziale Ungleichheiten, hier greifen aber auch Maßnahmen zu mehr Chancengerechtigkeit. Durch gezielte Aktionen in Kitas und Schulen, durch Vernetzung verschiedener Akteure und durch sozialraum spezifische Angebote kann hier ein lebenswertes, bildungsreiches Umfeld entstehen, das Kindern und Erwachsenen vielfältige Bildungschancen ermöglicht. Aber was sind richtige und wirksame Maßnahmen in Kommunen? Werden sie ungezielt, sozusagen aus der Streusandbüchse, geplant, treffen sie nicht die Bedürfnislagen der Kinder und ihrer Familien oder sie erreichen nur unvollständig die beabsichtigte Wirkung bzw. sind Fehlinvestitionen mit negativen Folgen. Wir fragen zu selten: Was bewirken die Kitas und ihre verschiedenen Konzepte? Unterstützen Sprachprogramme auch tatsächlich die Sprachentwicklung der Kinder? Stärken sie ihre Selbstständigkeit und ihr Wohlbefinden? Auf Verbesserungen im Sozialraum bezogene Fragen lauten: Was wird gebraucht - eine neue Bücherei, mehr Spielplätze, ein niedrigschwelliges Angebot der Erziehungsberatung oder der offenen Kinder- und Jugendarbeit? Ein kommunales Bildungsmonitoring sollte durch langfristige Beobachtung belastbare Informationen für Kitas, Bürger und Kommunen bereitstellen.
Individualdaten und kommunale Daten
Gemeinsam mit den Modellregionen Jena und Heilbronnsowie den Ländern Thüringen und Baden-Württembergentwickelt die Bertelsmann Stiftung das Projekt KECK, das die vorhandenen kommunalen Daten zu Bildung, Sozialem und Gesundheit zusammenfasstund in Karten kleinräumig und anschaulichdarstellt. Damit wird für Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit sichtbar, wie unterschiedlich strukturiertdie kleineren Sozialräume im Stadtteil sind, welche Ressourcen sie haben und welche sie brauchen. Das ermöglicht Kommunen eine abgestimmte Steuerung und zielgenaue Maßnahmenplanung.
Wer wissen will, wie die Situation der Kinder vor Ort ist und ob die verschiedenen Maßnahmen in Kitas und im Sozialraum von Nutzen sind, der braucht neben aten zu kommunalen Strukturen zusätzliche Informationen darüber, wie es den Kindern wirklich geht. Wir wissen aus Kanada, dass sich Umweltbedingungen wie Infrastruktur, Bebauung, soziale Dienstleistungen auf die Kompetenzentwicklung von Kindern unterschiedlich auswirken, also nicht allein durch die soziale Lage der Familien erklärbar sind. Um das besser zu verstehen, entwickelt die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit dem Staatsinstitut für Frühpädagogik (Toni Mayr) den Einschätzbogen "KOMPIK: Kompetenzen und Interessen von Kindern". Damit kann jede Erzieherin ihre Beobachtungen jedes einzelnen Kindes nach wissenschaftlich abgesicherten Kriterien zusammenfassen. KOMPIK orientiert sich an den Zielen und Lernbereichen der Bildungspläne und bietet damit einen Überblick über den Entwicklungsstand von Kindern vor der Schule.
Mit einer zum Beispiel jährlichen Wiederholungkann KOMPIK Entwicklungsverläufe sichtbar machen.Für die Erzieherin ist der Einschätzbogen eine solide Grundlage für die pädagogische Planung, für Team- und Elterngespräche. Er geht von den Stärken des Kindes aus, gibt aber auch Hinweise auf mögliche Entwicklungsgefährdungen und bietet so ein Frühwarnsystem.
Für die sozialraumbezogene Integration der KOMPIK-Entwicklungsdaten im Bildungsbericht von KECKwerden die KOMPIK-Ergebnisse anonymisiert und fürden jeweiligen Sozialraum, in dem die Kinder leben, gebündelt. Die Kommune und alle interessierten Akteure können so die Lebenssituation der Kinder vor Ort differenzierter wahrnehmen, die notwendigen Ressourcen für die Weiterentwicklung der Teilhabemöglichkeiten von Kindern bestimmen und entsprechend abgestimmte Maßnahmen planen.

