Familienministerin ist Schirmherrin für den TOMMI

 

Familienministerin Kristina Schröder übernimmt die Schirmherrschaft für den TOMMI 2010. Im Interview erläutert sie ihre Beweggründe.

spielen und lernen: Warum engagieren Sie sich für den deutschen Kindersoftwarepreis TOMMI mit der Schirmherrschaft?

Kristina Schröder:
Wir alle tragen gemeinsam die Verantwortung dafür, Kinder auf ihrem Weg in mediale Welten zu schützen und zu begleiten. Einen sicheren und kompetenten Umgang mit Internet oder Computerspielen lernen Kinder am besten spielerisch. Der Kindersoftwarepreis TOMMI hilft bei der Auswahl, indem er jedes Jahr drei qualitativ herausragende PC-Spiele und drei Konsolen-Spiele auszeichnet. Es gibt sogar einen Sonderpreis für Vorschulkinder. Dabei finde ich besonders wichtig, dass die Kinder selbst gefragt werden - neben der Fachjury gibt es eine Kinderjury.

Kind und Computer sind heute Alltag. Wie können Kinder vom Computer profitieren?

Indem sie ihn - gemeinsam mit den Eltern - klug nutzen und in den Alltag einbeziehen: Heute hat die Hälfte der 6- und 7-Jährigen schon Erfahrungen mit Computern. Da macht es wenig Sinn, digitale Medien aus dem Leben der Kinder und Jugendlichen zu verbannen. Wir sollten nicht nur die Probleme sehen, sondern auch das große Potenzial: Kinder können am PC lernen, vernetzt zu denken - etwa durch altersgerechte Spiele. Oder sie informieren sich über Politik! Zum Beispiel auf www.kinder-ministerium.de. Das ist eine Seite des Bundesfamilienministeriums, die sich insbesondere an Kinder zwischen sieben und zehn Jahren richtet. Da gibt es beispielsweise die "Ideenreichen 7" - eine Gruppe von sieben Kindern, die ihre Rechte mit gewitzten Ideen durchsetzen. Und außerdem kann man dort sehen, wie mein Alltag als Bundesfamilienministerin aussieht.


Wie sollen Kinder und Jugendliche im Internet vor schädlichen und gefährlichen Inhalten geschützt werden?

Spielen, Surfen und Kommunizieren im Internet ist für Kinder nicht ohne Risiken. Wir haben Gesetze, die sie im Internet schützen - etwa vor Datenraub, Kauf-Verlockungen oder davor, zu viele private Informationen preiszugeben. Die Anbieter stehen in der Verantwortung, ihre Internetseiten so zu gestalten, dass Kinder nicht gefährdet werden - zum Beispiel mit Filtern, die den Internetzugang einfach und wirksam sichern. Auch die Eltern müssen sich aktiv beteiligen und ihre Kinder auf dem Weg durchs Internet begleiten. Außerdem wollen wir mehr gute und interessante Kinderseiten. Mit der gemeinsamen Initiative "Ein Netz für Kinder" bauen wir einen sicheren Surfraum www.fragFinn.de auf, der gewährleistet, dass Kinder nur auf geprüften Seiten surfen können.

Was ist für Sie ein gutes und was ein schlechtes Computer- oder Konsolenspiel?

Ein Spiel kann nur dann gut für ein Kind sein, wenn Eltern sich vor dem Kauf informiert haben. Die wichtigsten Fragen dabei sind: Ist das Spiel für mein Kind - für sein Alter, sein Temperament und seine Interessen - geeignet? Eltern können am besten einschätzen, ob sie für ihr Kind eher Action für geeignet halten oder Denk- und Strategiespiele. Unterstützung finden Eltern durch Spiele-Empfehlungen von Fachleuten - etwa bei TOMMI. Zu einem guten Spiel für Kinder gehört für mich außerdem, dass es gewaltfrei ist, die Phantasie anregt und natürlich, dass es Spaß macht. Eltern sollten ihr Kind mit dem Spiel nicht einfach dem PC überlassen, sondern gerade die ersten Runden gemeinsam spielen. Und schließlich: Ein gutes Computerspiel hat ein absehbares Ende, damit Kindern genügend Zeit bleibt für andere Dinge - wie Freunde oder Sport.

Das digitale Spielen boomt. Erwachsene spielen heute ausgiebig auf Computern, Konsolen, Mobiltelefonen, MP3-Playern und im Internet. Trotzdem werden diese Spiele oft negativ wahrgenommen. Wie erklären Sie sich das?

Ein Grund ist sicher, dass oft nur die negativen Seiten von Computerspielen wahrgenommen werden. Und die darf man ja keinesfalls verharmlosen. Es ist ja auch eine ernste Sache, wenn Kinder und Jugendliche stundenlang alleine vor dem PC sitzen und Ballerspiele spielen anstatt sich mit Freunden zu treffen. Aber wie schon gesagt: Internet, PC, Computerspiele - all das gehört heute zum Leben der Kinder und Jugendlichen dazu. Es komplett zu verbieten wäre völlig sinnlos, weil es immer einen Freund oder eine Freundin gibt, bei der ein Computer läuft. Mich erinnert das an die Diskussion ums Fernsehen. Auch hier gab es lange das Vorurteil, durch Fernsehen verblöden Kinder. Dabei gibt es viele Sendungen, von denen Kinder etwas lernen können. Das gilt auch für den Computer: Es gibt genug spannende und lustige Computerspiele - man muss sie nur spielen!

Die Fragen stellten Gernot Körner und Thomas Feibel



Fast 2000 Kinder testeten im vergangenen Jahr in 16 Stadtbibliotheken 20 von Fachjournalisten und Medienpädagogen vorausgewählte Computer- und Konsolenspiele. Höhepunkt des TOMMI ist die Verleihung des Deutschen Kindersoftwarepreises auf der Frankfurter Buchmesse. Der seit 2002 von Family Media und dem Büro für Kindermedien FEIBEL.DE vergebene Preis wird in diesem Jahr am 8. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse verliehen. Partner des TOMMI sind der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv), die Stiftung Lesen, ZDF tivi und die Frankfurter Buchmesse.